Kiliansdom

Einstimmen mit vier Glocken und 4800 Pfeifen

Seit Donnerstagabend klingen sie wieder: Manuell können die tonnenschweren Tongeber nicht bedient werden. Tischler Christian Jansing (35) unter einer der Glocken, die dank einer neuen Aufhängung aus Holz für noch mehr akustisches Wohlgefallen sorgen sollen.

Seit Donnerstagabend klingen sie wieder: Manuell können die tonnenschweren Tongeber nicht bedient werden. Tischler Christian Jansing (35) unter einer der Glocken, die dank einer neuen Aufhängung aus Holz für noch mehr akustisches Wohlgefallen sorgen sollen.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Glocken, Orgel und Turmuhr gehen wieder in Betrieb, das Gerüst wird abgebaut. Im Dom werden letzte Vorbereitungen für Sonntag getroffen.

„Das Gerüst ist weg“, werden viele Bürger im Laufe des Tages feststellen können. Der Hauptturm des Kiliansdoms ist nach einem halben Jahr der Sanierung wieder frei von dem Tumor aus Stahlrohren, der den Blick auf die neugotische Pfarrkirche getrübt hat. Dieses äußere Anzeichen von beendeter Arbeit täuscht leicht darüber hinweg, dass hier noch immer fieberhaft gemacht und getan wird. Noch am Mittwoch waren Handwerker aus acht verschiedenen Fachrichtungen vor Ort, etwa im Glockenstuhl, wo die Lichttechnik letzten Operationen unterzogen wird.

Die Glocken hängen bereits an ihren neuen Trägern aus Eichenholz, aber ohne das elektronisch gesteuerte System ist den Kolossen aus Stahl kein Ton zu entlocken – auch wenn Chefrenovierer Volker Bellebaum wiederholt auf vermeintliche Glockenschläge angesprochen worden ist, wie er amüsiert berichtet: „Das wäre ein Wunder!“, zitiert er seine Reaktion. Wenn die Elektriker ihr Werk vollendet haben, wird auch die Turmuhr aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und den Letmathern voraussichtlich ab Freitag wieder die Zeit anzeigen.

Die Orgel mit 4800 Pfeifen zu stimmen, dauert eine Woche

Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass die „OP-Wunde“ am Turm geschlossen und vernäht worden ist: Lamellen aus Granit schützen den Glockenstuhl jetzt wieder vor der Witterung und helfen bei der Streuung des Schalls nach außen. Den richtigen Ton treffen soll bei der feierlichen Eröffnung am Pfingstsonntag die Orgel, deshalb ist Kai Theile von der Firma Stockmann aus Werl seit einer geschlagenen Woche dabei, das komplexe Instrument zu stimmen.

Die Pfeifen, die Besucher vom Boden des Hauptraums aus sehen können, sind nur ein Teil des Apparats – in den Nebenkammern erstrecken sich die Stelen aus Zinn, Zink und Holz von Wand zu Wand, die kleinsten kaum größer als ein Finger, die größten mehr als mannshoch. 4800 Pfeifen sind es insgesamt, was den Aufwand für eine Reinigung verdeutlicht. „Zum Glück ist das nur etwa alle 25 Jahre nötig, und das letzte Mal liegt jetzt zehn Jahre zurück“, erklärt Volker Bellebaum.

Inneneinrichtung ist wieder komplett, Bühne im Aufbau

Die Orgel verrichtet seit 1978 ihren Dienst – verglichen mit anderen Kirchen ist es weder ein Luxus- noch ein Sparmodell – „solide“, lautet das Prädikat der Experten. Die übrige Einrichtung ist inzwischen wieder komplett: Die Kanzel wartet auf den Gottesdienst, den Nachwuchspriester Sascha Heinrich am Sonntag halten wird, die Bänke stehen bereit für die Besucher. Wie viele das tatsächlich werden, ist in Anbetracht der offenen Einladung unklar: „Wir lassen uns überraschen. Für 650 haben wir auf jeden Fall Platz, rund 500 können bequem sitzen“, verspricht Volker Bellebaum.

Am Donnerstag hat das Team begonnen, die Bühne für Sonntag aufzubauen, wenn das Jugendsinfonieorchester des Märkischen Kreises und die Chöre zur Wiedereröffnung spielen – in einer Kirche, die viele nach der Sanierung kaum wiedererkennen werden.

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