Ansturm auf Arztpraxis

Erfolge im Kampf gegen Krebs

Der Palliativmediziner Dr. Hans-Jörg Hilscher im Gespräch mit Mitarbeiterinen im Hospiz Mutter Teresa

Foto: Helmut Rauer

Der Palliativmediziner Dr. Hans-Jörg Hilscher im Gespräch mit Mitarbeiterinen im Hospiz Mutter Teresa Foto: Helmut Rauer

Letmathe.   Der Letmather Arzt Dr. Hans-Jörg Hilscher kann sich eines Massenansturms kaum noch erwehren. Seit einem Fernsehbericht über neue Heilungs- und Therapiechancen bei Krebs.

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„Die Leute rennen mir die Bude ein. Anrufe aus aller Welt von London bis Australien – das Telefon steht keine zehn Sekunden still.“ Seit der Letmather Arzt Dr. Hans-Jörg Hilscher im Fernsehen von seinen Erfolgen in der Krebsbekämpfung berichtet hat, ist er mehr als ein gefragter Mann.

„Manchmal übernachten die Leute auf dem Praxisparkplatz im Wohnmobil, um morgens bei der Sprechstunde die ersten zu sein“, beschreibt der 63-jährige Mediziner den unglaublichen Andrang. Und unter den Anrufern sind jeden Tag im Schnitt 20 Ärzte, die sich bei Hilscher Rat holen wollen für die Behandlung von Krebspatienten.

Woher dieser Ansturm? Seit 1999 verabreicht der Letmather Arzt, der eng mit dem Hospiz Mutter Teresa zusammenarbeitet, sterbenskranken Menschen Methadon als Schmerzmittel. Unter Ärzten gilt dieses Medikament wegen seiner Nebenwirkungen allgemein als verpönt. Doch Dr. Hilscher hat damit stets gute Erfahrungen gemacht. Seit 2014 setzt er Methadon nicht mehr nur zur Schmerzlinderung, sondern auch in direkter Verbindung mit Chemotherapien zur Heilung ein. Mit einer spektakulären Bilanz. „Seit 2014 habe ich vier Patienten, die an einem tödlichen Hirntumor litten, mit Hilfe von Methadon heilen können. Der Turmor war weg. “ Ist der Letmather ein Wunderheiler? „Keinesfalls,“ korrigiert der 63-Jährige viel zu hohe Erwartungen.

Längere Lebenszeit und Qualität dank Methadon

„Was ich mit Hilfe von Methadon bewirken kann, ist eine zusätzliche Chance zur kontrollierten Therapie von schwer krebskranken Menschen. Das führt in der Regel zu mehr Lebensqualität und in vielen Fällen zu einer längeren Lebenszeit, in manchen Fällen auch zur Heilung.“ Dr. Hilscher kann dies statistisch nachweisen: „Sterbenskranke Gäste im Letmather Hospiz haben im Schnitt eine um 14 Tage höhere Lebenserwartung als in Nachbar-Hospizen.“ Und diese Gäste wurden alle mit Methadon behandelt.

Methadon – bekannt aus der Drogentherapie – sei völlig zu Unrecht als Schmerzmittel verleumdet worden, stellt Hilscher fest. Methadon habe nicht mehr und nicht weniger Nebenwirkungen als die sonst üblichen Opiate. Den einzigen Grund für den schlechten Ruf sieht der Palliativmediziner darin, „dass man mit Methadon kein Geld machen kann“. Wenn eine Krebstherapie für zwölf Euro ähnlich effektiv sei wie eine solche für 25 000 Euro, habe ein Pharmakonzern an ersterer weniger Interesse.

Damit liegt Dr. Hilscher voll auf der Linie des Fernsehmagazins „plusminus“, das am 11. April über Erfolge mit Methadon in der Krebstherapie berichtete. In der Sendung wurden die vielversprechenden Forschungsergebnisse einer Wissenschaftlerin aus Ulm ebenso dargestellt wie die guten Erfahrungen von Dr. Hilscher. Auch einige seiner Patienten, die wieder neue Hoffnung schöpfen können, kamen zu Wort. Seit 2006 arbeiten der Letmather Arzt und die Ulmer Forscherin zusammen.

Beide beklagen nicht das Gewinnstreben der Konzerne, wohl aber die fehlenden Forschungsgelder der öffentlichen Hand. Um nicht von Sponsoren abhängig zu sein, müsste der Staat viel mehr Geld ausgeben, damit solche Mittel wie Methadon und deren Anwendung in größerem Stil untersucht und gefördert werden können. Solange dies nicht der Fall ist, werden die Betroffenen wohl weiterhin dem Letmather Arzt die Bude einrennen. Der Fernsehbeitrag hat einen Erdrutsch ausgelöst.

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