Baustelle

Ersatz für 80 Jahre alte Strommasten

Mast drei ist bis auf das Fundament abgebaut. Mit dem neues Masten wird auch das neu gegossen.

Foto: Oliver Bergmann

Mast drei ist bis auf das Fundament abgebaut. Mit dem neues Masten wird auch das neu gegossen. Foto: Oliver Bergmann

Genna.   Westnetz tauscht sechs Exemplare einer 110 000-Volt-Leitung am Ochsenkopf aus. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro.

Der Wecker ist verstummt – aber nur vorübergehend. Für halb Genna und weitere Bereiche Letmathes ist die Nacht an den Tagen vor Weihnachten zuverlässig um 6 Uhr vorbei gewesen. Dann haben die Bauarbeiten auf dem Ochsenkopf begonnen, wo der Stromnetzbetreiber Westnetz sechs betagte Hochspannungsmasten austauscht lässt.

Eines vorab: Die Angelegenheit führt schnell in die Irre. Bereits im Sommer vergangenen Jahres berichtete die Heimatzeitung über bevorstehende Veränderungen der Letmather Hochspannungsmasten-Landschaft. Die Rede war damals vom Bau der neuen 380 000 Volt-Leitung, für die sechs Masten zurückgebaut und durch vier hohe Masten ersetzt werden sollen. Das ist aber ein Projekt des zweiten großen Netzbetreibers Amprion, während Westnetz lediglich die Masten der 110 000-Volt-Leitungen erneuert. Doch nur weil weniger „Saft“ drauf ist, heißt es nicht, dass die Sache weniger spektakulär ist.

Maßnahme gilt alsgroße Herausforderung

„Durch die Geländeverhältnisse ist dieses Projekt durchaus etwas Besonderes“, erklärt Tobias Muermann von der Westnetz-Projektkommunikation auf Nachfrage der Redaktion. „Heute ist es eigentlich üblich, dass ein Kran zum Abrüsten der Masten eingesetzt wird. Am Ochsenkopf müssen wir auf die eigentlich veraltete Methode mit der Kettenwinde zurückgreifen.“ Zwei Masten sind mit ihrer Hilfe schon verschwunden. Den Auftrag hat das auf den Bau von Schaltanlagen-, Freileitungs- und Mobilfunkmasten spezialisierte Unternehmen „CTeam“ aus dem oberschwäbischen Ummendorf erhalten.

In den vergangenen zwei Wochen ruhte die Baustelle allerdings. Einerseits legten die Montagearbeiter Betriebsferien ein, sie konnten dadurch Weihnachten und Silvester mit ihren Familien feiern, andererseits ließ das Wetter nicht viel zu. Tobias Muermann bedient sich dazu einer abgewandelten Version der einer bekannten Redewendung: „Wir sind nicht eiskalt erwischt worden, sondern schlammig.“ Die ergiebigen Regenfälle während der zurückliegenden Wochen haben den Boden selbst für schweres, mit Ketten ausgestattetes Gerät unpassierbar gemacht. Dadurch sei die Baumaßnahme aber nicht völlig zum Stillstand gekommen. „Unsere Leitungen mussten ja auch noch verlegt werden, das konnten wir schon erledigen. Aber wegen der Bodenverhältnisse ist es uns noch nicht gelungen, die alten Teile abzutransportieren.“

Etwa 1,8 Millionen Euro investiert Westnetz in die neuen Masten, die mit etwa 30 Metern ähnlich hoch werden wie die alten, die rund 80 Jahre auf dem Buckel haben. Bei genauerem Hinsehen sind Walzzeichen auf den am Boden liegenden Einzelteilen zu erkennen. Die Markierung „Sweden“ lässt darauf schließen, dass jenes Stück in Skandinavien gefertigt wurde, daneben liegen Teile von „Roechling“, dem sagenumwobenen Stahlproduzenten aus Völklingen. „Die Masten sind im Laufe der Jahre immer wieder verstärkt worden.“ Das sei wegen der sich ändernden Sicherheitsbestimmungen üblich.

Natur und Tiere sollen keine Schäden davontragen

Was ihn vielmehr beschäftigt, ist die Bodenbeschaffenheit in den kommenden Tagen und Wochen: „Wenn es friert, können wir die weiteren Masten abrüsten. Aber dann können wir nicht das Fundament herstellen..“ Er rechnet dennoch damit, spätestens im April die Erneuerung abschließen zu können. Bis dahin werden viele Letmather noch früh morgens aus dem Schlaf geholt – ein Punkt, den Tobias Muermann nicht als logische Konsequenz der Maßnahme kleinredet. „Normalerweise informieren wir die Nachbarschaft, wenn Lärm verursacht wird. Das haben wir diesmal nicht gemacht, weil die Baustelle sehr abgelegen liegt.“ Er kündigte außerdem an, den Zustand der Natur, den man vor Beginn der Arbeiten vorgefunden habe, wiederherzustellen. „Es ist nicht so, dass wir in die Natur eingreifen, anschließend abhauen und hoffen, dass niemand etwas mitbekommen hat. ,CTeam’ hat eigene Kräfte für die ökologische Baubegleitung.“

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