Kirche

Expedition nach Polen – heute im Frieden

Die Friedenskirche im schlesischen Jawor ist am 1. September das Ziel der Letmather Delegation. Pfarrer Hölscher hat hier bereits einen Gottesdienst mitgestaltet.

Die Friedenskirche im schlesischen Jawor ist am 1. September das Ziel der Letmather Delegation. Pfarrer Hölscher hat hier bereits einen Gottesdienst mitgestaltet.

Foto: Privat

Letmathe/Jawor.  65 Protestanten schlagen am 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen eine Brücke zur schlesischen Nachbargemeinde.

Die Streckenpläne stehen, die Hotels sind auch schon lange gebucht, die Fahrräder gecheckt (oder werden es spätestens in den kommenden Tagen) und vor allem ist die Vorfreude riesengroß, denn in kaum mehr als einer Woche startet die „Freundschaftstour 2019“ von Letmathe nach Jawor, von Friedenskirche zu Friedenskirche. Mit dem Bus, vor allem aber mit dem Fahrrad werden ab dem 26. August eine Woche lang insgesamt 65 Teilnehmer aus der Evangelischen Kirchengemeinde auf der Spur der Jahreslosung für 2019 sein, dem Bibel-Psalm 34,15: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

„Wir wollen wieder einen Brückenschlag vollziehen“, machte Pfarrer Burckhardt Hölscher beim Vorbereitungsabend im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus deutlich, nachdem Pastor Tomasz Stawiak mit dem Kirchenvorstand aus der polnischen Partnergemeinde im schlesischen Jawor (dt. Jauer) Anfang November zu den „Europatagen“ nach Letmathe gekommen war – genau 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Ein knappes Jahr später ist es wieder ein Jahrestag, den diesmal die Letmather nutzen wollen für ein „Zeichen des Erinnerns, des Versöhnens und des Friedens“, wie Pfarrer Hölscher sagt: Am 1. September jährt sich zum 80. Mal der deutsche Überfall auf Polen und damit des Beginns des Zweiten Weltkriegs.

An diesem Tag möchten die Gemeindemitglieder gemeinsam am Zielpunkt der Tour, der Friedenskirche in Jawor, „einem Kleinod“, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, mit den polnischen Freunden „für die lange Friedenszeit und den Fall der Mauer zwischen Ost und West danken und für Frieden und Versöhnung beten“, kündigte der Pfarrer an. „Geeint im Geist des biblischen Leitverses aus unserem Partnerschaftsvertrag: ,Er (Christus) ist unser Friede!’ und sicher ganz im Sinne der Jahreslosung für 2019!“

Elf Ambitionierte radeln 750 Kilometer in sechs Tagen

Grundlage für die deutsch-polnische Gemeindepartnerschaft ist bekanntlich die „Tour der Erinnerung und Versöhnung“ 2007 zum 50-jährigen Bestehen der Letmather Friedenskirche, die „ein Brückenschlag in Europa“ sein sollte und auch wurde. Viele hätten sich damals auch mit Fahrrädern auf den Weg von Schlesien nach Letmathe gemacht. Diesmal soll die „europäische Friedensbrücke“ radelnd in die andere Richtung geschlagen werden. Elf ambitionierte Fahrradfahrer werden ab dem 26. August die 750 Kilometer in sechs Tagesetappen zurücklegen, begleitet von einem Kleinbus. Zeitgleich mit ihnen wird an der Friedenskirche ein Bus mit weiteren 43 „Freundschaftstour“-Teilnehmern und ihren Rädern im Anhänger Richtung Berlin starten. „Denn von dort ging der Zweite Weltkrieg aus, dort wurden die Angriffspläne auf Polen geschmiedet“, erklärte Pfarrer Hölscher.

In der Nähe, in Königs Wusterhausen im Dahme-Seengebiet, ist die erste Übernachtungsstation. Von dort aus geht es dann in fünf Etappen (die längste geht über 94 Kilometer) über Lübben, Neuhausen, Görlitz und Bolesławiec (Bunzlau) bis ins Hotel nach Liegnitz, das rund 20 Kilometer entfernt von Jawor liegt. Dort gebe es nämlich leider keine gemeinsame Unterkunft für alle 65 Teilnehmer. „Der Erinnerungs- und Versöhnungsgedanke wird sich durch die ganze Reise ziehen“, verdeutlicht Gemeindeglied und Gospelchorleiter Hubert Schmalor, der die „Freundschaftstour“ organisiert. So sollen unterwegs in einigen Kirchen Gedenkandachten abgehalten werden, und auch an Mahnmalen und Grenzpunkten möchten die Gläubigen Halt machen und sich erinnern.

Letmather singen Choral aus Trippscher Friedenskantate

Ab dem fünften Tag der Tour wird die Gruppe in Görlitz zudem verstärkt um elf Nachzügler, die nicht die ganze Woche mitfahren können. Alle gemeinsam werden dann am Samstag, 31. August, ein Konzert in Jawor besuchen und am nächsten Tag, am 1. September, einen Gedenkgottesdienst in der dortigen Friedenskirche, der von den Letmathern auch mitgestaltet wird. „Wir werden den Choral ,Verleih uns Frieden gnädiglich‘ aus der Friedenskantate von Hartmut Tripp aufführen“, kündigte Pfarrer Hölscher an.

Der Letmather Musiker und Komponist werde auch selber ab Görlitz mitfahren. „Und um eine besondere Brücke zu schlagen, werden wir eine der Strophen auf Polnisch singen.“ Dafür wurde schon am Vorbereitungsabend gemeinsam mit der aus Polen stammenden Therese Kammer geübt, und auch unterwegs soll an den Abenden natürlich immer noch mal wieder geübt werden, damit zum Finale der Europa verbindenden „Freundschaftstour“ alles perfekt klappt.

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