Kriminalität

Falsche Polizisten beißen bei Letmather Seniorinnen auf Granit

Wenn die Nummer 110 im Telfondisplay erscheint, ruft nicht die Polizei an. Es ist ein Zeichen, dass ein Betrüger am anderen Ende des Apparats sitzt.

Wenn die Nummer 110 im Telfondisplay erscheint, ruft nicht die Polizei an. Es ist ein Zeichen, dass ein Betrüger am anderen Ende des Apparats sitzt.

Foto: Martin Gerten

Letmathe.   Sechs Betrugsversuche hat es im Stadtteil allein am Montagvormittag gegeben. Die Polizei appelliert an die Bevölkerung.

Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass die Iserlohner Polizei von Betrügereien berichtet. Der Dreistigkeit, mit der die Verbrecher zu Werke gehen, sind keine Grenzen gesetzt. Hochkonjunktur hatte am Montagvormittag diese Masche: Unbekannte rufen bei Senioren an und geben sich als Polizisten aus. Erzählt wird, dass die Wertsachen und Bargeldbestände in der Wohnung nicht sicher sind. Deshalb wird darum gebeten, sie der Polizei zu übergeben. Ein Beamter werde vorbeikommen und alles entgegen nehmen.

Sechs solcher Fälle haben sich am Montag allein in Letmathe ereignet. Betroffen waren ausschließlich ältere Damen, die am Schälk, am Leopold-Schütte-Weg und Im Nordfeld wohnen. Die gute Nachricht: In fast allen Fällen haben die Angerufenen den Betrugsversuch sofort erkannt und das Telefonat schnell beendet. Bei einer Seniorin wurde der Betrug in letzter Sekunde vereitelt. „Sie gab am Telefon an, ihre Wertsachen nicht zuhause aufzubewahren, sondern in einem Schließfach bei der Sparkasse“, schilderte am Dienstag Polizeihauptkommissar Jens Naumann auf Nachfrage.

Gelebte Nachbarschaftshilfe im richtigen Augenblick

Dort, so machte es ihr der Anrufer glaubhaft, seien die Sache aber auch nicht gut aufgehoben. Also soll ein Taxi zu der Wohnung der Frau geschickt worden sein, mit dem sie zur Sparkasse fahren sollte. Dann sei die Seniorin jedoch einer Nachbarin über den Weg gelaufen, der sie von ihrem Vorhaben erzählte. Sofort schrillten die Alarmglocken und die Sache platzte – Glück gehabt. Jens Naumann sagte aber auch, dass die Mitarbeiter der Geldinstitute für solche Fälle, in denen zumindest ungewöhnlich hohe Beträge vom Konto geholt werden, sensibilisiert seien.

Letmathe sei am Montag ein Schwerpunkt derartiger Aktivitäten gewesen. „Aber diese Schwerpunkte wandern oft. Im Südkreis hatten wir auch schon ähnliche Vorfälle in vergleichbarer Intensität.“ Naumann hat dafür auch eine Erklärung: „Die Betrüger schaffen sich eine Infrastruktur. Sie müssen schnell an den jeweiligen Orten sein, an denen sie anrufen. Wie das bei der echten Polizei auch der Fall ist.“ Da die Betrüger nicht optisch in Erscheinung traten, ist unklar, ob sie uniformiert waren oder sich hätten ausweisen können.

Bei „110“ im Telefondisdplay ist Misstrauen angebracht

Immer wieder betont Naumann, dass die Polizei niemals um Geld oder Wertgegenstände bitten würde. Mehrere Angerufene gaben zudem an, die „110“ im Telefondisplay gesehen zu haben. Auch daran sei zu erkennen, dass etwas nicht stimme, denn niemals rufe die Polizei von der Notrufnummer an. Offensichtlich liege hier eine Manipulation der Rufnummer vor. Jens Naumann rät im Verdachtsfall davon ab, den Helden zu spielen, um den Betrügern das Handwerk zu legen. „Das kann gut gehen, aber empfehlen kann ich es auf keinen Fall.“ Idealerweise werde sofort aufgelegt und anschließend darüber gesprochen. „Erzählen Sie es Freunden, in der Familie und in der Nachbarschaft. Sonst ist jemand aus diesem Kreis vielleicht das nächste Opfer.“ Natürlich solle auch die Polizei verständigt werden.

Naumanns früherer Kollege, der seit Anfang dieses Monats pensionierte Kriminalhauptkommissar Frank Enser, war noch bis vor kurzem mit einer Vortragsreihe zum Thema „Straftaten an der Haustür“ unterwegs und besuchte vorwiegend Kreise und Gruppen, die von Senioren besucht werden. Ihnen legte er unter anderem nahe, auf das Türklingelschild nur den Nachnamen zu setzen, denn durch gewisse Vornamen kämen Betrüger leicht dahinter, ob in der Wohnung oder dem Haus eine relativ junge oder vergleichsweise alte Person lebt.

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