Enthüllung

Feierliche Enthüllung mit Schönheitsfehler

Rund 30 Bürger trotzten der Kälte. Sie waren Zeugen, als das „Vizebürgermeister-Gespenst“ Thorsten Schick die beiden Schilder enthüllte.

Rund 30 Bürger trotzten der Kälte. Sie waren Zeugen, als das „Vizebürgermeister-Gespenst“ Thorsten Schick die beiden Schilder enthüllte.

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Jetzt hat der „Letnetti Platz“ zwei Straßenschilder. Aber die Schreibweise ist diskussionswürdig.

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„Ostspange“, „Stadtspange Ost“, oder „der neue Platz“. Seit Dienstag ist endgültig Schluss mit behelfsmäßigen Bezeichnungen des Bereichs vor dem „Lenne-Café“. Die Entscheidung, dem Platz den Namen „Letnetti“ zu geben, ist zwar seit einigen Wochen bekannt, aber erst jetzt sind zwei Straßenschilder angebracht worden, die den Menschen mehr verraten, als nur den Namen des Ortes, an dem sie sich gerade befinden. „Letnetti ist die erste urkundliche Erwähnung von Letmathe“, steht auf den Zusatzschildern. Feierlich sind sie am Nachmittag von Vizebürgermeister Thorsten Schick und Stadtbaurat Mike-Sebastian Janke enthüllt worden.

Rund 30 Personen, darunter Politiker, Vereinsvertreter und interessierte Bürger, versammelten sich gegen 16 Uhr, um Zeuge dieses Augenblicks zu werden. Auch Lebensmittel-Kaufmann Paul Nowak war dabei, er kam mit Stehtischen und Erfrischungsgetränken auf die andere Straßenseite. Christian Grobauer, der für die Ortsunion Letmathe im Stadtrat sitzt, war außerdem Mitglied der Namensfindungskommission, die sich auch durch seine Stimme auf Letnetti geeinigt hat. Sie wählte den Namen aus Vorschlägen der Bevölkerung, mehr als 60 gingen bei der Stadt ein. „Warum sollten Straßenschilder nicht auch Bildung vermitteln?“, begründete Grobauer seine Entscheidung. Dr. Norbert Hesse, der Vorsitzende des Heimatvereins, ging nach der Begrüßung durch Thorsten Schick richtig in die geschichtliche Tiefe und den Silben, aus denen sich Letnetti und Letmathe zusammensetzen, ausführlich auf den Grund.

Bei Letnetti beschreibe die Silbe „Let“ eine südliche Hangneigung, während „netti“ auf rauschendes, fließendes Wasser hinweise. Ganz anders die Bezeichnung für Letmathe: Hier stehe die Vorsilbe „Let“ für die Lenne und „mathe“ für die Matte, was wiederum soviel wie „Wiese“ bedeute. Dr. Hesse bezog sich auf den 1807 in Hemer geborenen Sprachwissenschaftler und Mundartforscher Friedrich-Leopold Woeste: „Im Englischen hat sich der Begriff gehalten, denken wir an Meadow, was übersetzt heute noch Wiese bedeutet.“

Selbst der Letnetti Platz sei ein historisch bedeutendes Fleckchen. „Wir stehen hier“, erklärte er, „auf der Grenze der ,Kleine Werth’, einer Erhebung, die von Wasser umspült wurde, und ,de Heck’. Hier haben tatsächlich Hecken als Ersatz für feste Mauern gestanden, die sich die kleine Stadt nicht leisten konnte.“ Ob die Schilder lange hängen bleiben, muss sich zeigen. Denn in beide Exemplare hat sich ein Fehler eingeschlichen: Streng genommen müsste es „Letnettiplatz“ heißen, da der Begriff „Letnetti“ in seiner Form unverändert bleibt.

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