Europatage

Frieden und christliche Solidarität gewünscht

Der Chor der Friedenskirche führte das Dietrich-Bonhoeffer-Oratorium im Rahmen der Europatage in der Friedenskirche in Letmathe auf.

Der Chor der Friedenskirche führte das Dietrich-Bonhoeffer-Oratorium im Rahmen der Europatage in der Friedenskirche in Letmathe auf.

Foto: Cornelia Merkel

Letmathe.   Das eindrucksvolle Liedoratorium über Dietrich Bonhoeffer krönt die „Europatage“ in der Friedenskirche.

„Angesichts des wachsenden Nationalismus müssen wir was machen“, erklärte Pfarrer Burckhardt Hölscher bei der Begrüßung der internationalen Gäste der „Europatage“ in der Friedenskirche. 35 Vertreter aus neun internationalen Kirchen- und Städtepartnerschaften aus Deutschland, Frankreich, Holland, Österreich Polen, Russland, Rumänien und Ungarn erlebten ein Wochenende mit zahlreichen Begegnungen. Dabei wünschten sich die Teilnehmer Frieden und christliche Solidarität.

Europäischer Idee zu neuem Schwung verhelfen

Vizebürgermeister Thorsten Schick dankte den Organisatoren der Stadt und evangelischer Kirchengemeinden für das ansprechende Programm. Er sei stolz: „So breite Gruppierungen aus europäischen Ländern hatten wir noch nie.“ Angesichts der Entwicklungen in Ost- und Südeuropa seien Veranstaltungen wie diese, die der europäischen Idee zu neuem Schwung verhelfen, das richtige Signal. Schick wünschte den Gästen positive Erlebnisse, die in ihren Heimatländern nachhallen.

„Rassismus und Antisemitismus dürfen nie wieder Platz in unserer Gesellschaft bekommen“, betonte die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, die von ihrer jüngsten Reise nach Israel berichtete. „Weder in Deutschland noch woanders.“ Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag beobachte sie weltweit ein Wiedererstarken von Rechtsradikalismus und Nationalismus. „Wir alle sind jetzt gefordert, dem drohenden Auseinanderfallen der europäischen Nationen und rechtspopulistischen Stimmungen entgegenzutreten. Auf die Kirche kommt eine besondere Verantwortung zu.“ Freitag erinnerte an den Friedensnobelpreis für die stabilisierende Rolle der EU bei der Umwandlung Europas von einem Kontinent der Kriege zu einem Kontinent des Friedens. In diesem Sinne begrüße sie diese völkerverbindende Veranstaltung, die dazu betrage, das Bewusstsein für die Demokratie zu schärfen und ein Wiedererstarken der Liebe zur Europäischen Idee zu befeuern.

In diese Richtung gingen auch die Bekenntnisse der Vertreter aus den Partnerkirchen und Partnerstädten Almelo, Glauchau, Hall, Nowotscherkassk, Biel, Nyíregyháza, Jawor und Tirgu Mures sowie der Superintendentin Martina Espelöer und von Dechant Johannes Hammer. Sie sprachen sich für Achtung, Toleranz, Menschlichkeit, gemeinsames Gestalten und ökumenisches Miteinander aus. „Kirche ist die Brücke zwischen den Menschen“, unterstrich Aleksandr Mamalyga aus Iserlohns russischer Partnerstadt Nowotscherkassk die Frieden stiftende Wirkung des Glaubens.

Ein Höhepunkt war am Samstag das eindrucksvolle Liedoratorium Dietrich Bonhoeffers mit Musik von Matthias Nagel und Texten von Dieter Stork. Der Chor der Friedenskirche unter Leitung von Christian Otterstein überzeugte einmal mehr mit der musikalischen Würdigung des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers. Dazu trugen Hubert Schmalor am Klavier, Laura Flanz (Schlagzeug), Hartmut Tripp (Saxofon), Ute Jellinghaus ( Trompete) und Gerd Neumann (Flöte) bei. Herausragend auch Solosopranistin Christine Otterstein in den Partien der Maria.

Zusammen zeichneten sie ein authentische Bild des großen Theologen, der der offiziellen Kirche Versagen attestierte und zeit seines kurzen Lebens – er wurde nur 39 Jahre alt – für ein „gemeinschaftliches Leben in Versöhnung“ eingetreten war. Bonhoeffer war einer der wichtigsten Köpfe der „Bekennenden Kirche“ in der NS-Ära. Der gebürtige Breslauer wurde 1945 im KZ für seinen Widerstand gegen das Hitler-Regime hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffers Widerstand ist vorbildhaft

Bonhoeffer hat Kirche und Gesellschaft nachhaltig beeinflusst, wie bei mehreren Ansprachen deutlich wurde. Sein Widerstand gegen die Nationalsozialistische Diktatur und seine politische Botschaft ist immer noch hochaktuell.

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