Medizin

Geld, um in der Region zu bleiben

Christian Kalthoff studiert an der Uni Duisburg/Essen Medizin – und möchte danach am liebsten in Letmathe praktizieren.

Foto: BERND_THISSEN

Christian Kalthoff studiert an der Uni Duisburg/Essen Medizin – und möchte danach am liebsten in Letmathe praktizieren. Foto: BERND_THISSEN

Letmathe.   Märkischer Kreis will mit einem Stipendium dem Ärztemangel entgegenwirken

„Ich komme von hier und will hier bleiben“, sagt der gebürtige Letmather Christian Kalthoff. Eigentlich ist eine solche Aussage nichts außergewöhnliches, wenn sie nicht von einem Medizinstudenten käme. Die zieht es nämlich in der Regel nach Abschluss des Studiums in die großen Metropolen, um dort in größeren Praxen ihr Geld zu verdienen. Das hat zur Folge, dass ländliche Regionen mit einem erheblichen Ärztemangel zu kämpfen haben. So auch der Märkische Kreis.

Um dem entgegezuwirken lockt der Kreis mit einem Medizinstipendium. Heißt konkret: Die Studenten werden pro Monat mit 500 Euro unterstützt, im Gegenzug verpflichten diese sich zu fünf Jahren Arbeit in der Region. Zehn bis 15 Studenten bewerben sich pro Jahr auf die vier zu vergebenden Plätze. Einer von ihnen ist in diesem Jahr Christian Kalthoff. Seit dem Wintersemester 2015 studiert der 21-Jährige Medizin an der Universität Duisburg/Essen. Sein Ziel: Als Allgemeinmediziner in Letmathe praktizieren. Das Stipendium wäre für Christian Kalthoff also eine echte Win-Win-Situation.

Finanzielle Unterstützung macht Studium angenehmer

Die finanzielle Unterstützung könnte der Student gut gebrauchen. Bafög bekommt er nämlich nicht, seine Eltern verdienen zu viel – gleichzeitig aber auch zu wenig, um das teure Studium und eine Wohnung in Essen zu finanzieren. „Arbeiten in einem Medizinstudium ist sehr schwierig“, sagt Kalthoff. Er tut es trotzdem, 20 Stunden im Monat hilft er als „Mädchen für alles“ bei seinem Vater im Autohaus aus, um Studiengebühren, Handykosten und jede Menge Bücher bezahlen zu können. „Das Stipendium würde dafür sorgen, dass alles etwas angenehmer wird.“ Die Finanzspritze würden wohl viele seiner Kommilitonen nehmen, die meisten bewerben sich trotzdem nicht auf das Stipendium. „Für viele ist es sehr abschreckend, fünf Jahre hierbleiben zu müssen“, glaubt der 21-Jährige den Grund zu kennen. Zum einen, weil in den größeren Städten mehr Geld winkt, zum anderen, weil viele bei Landärzten nur an Schniefnasen und Senioren denken.

Christian Kalthoff sieht das anders. „Große Kliniken sind fachlich toll, oft fehlt aber die Zeit für Menschlichkeit“, sagt er. In kleineren Praxen hier in der Region sei das zum Glück noch anders.

Entscheidung für die Familienplanung

Außerdem reize ihn die Abwechslung im Berufsbild des Allgemeinmediziners. „Natürlich dominieren von November bis Januar Schnupfen und Grippe aber man sieht einfach alles“, sagt der Student: Blinddarm, Herzinfarkte, Hautirritationen, Gallenblase, Asthma. „Alle gehen erst einmal zum Hausarzt.“ Gleichzeitig sei die Entscheidung, irgendwann als Hausarzt zu arbeiten aber nicht nur eine Frage des Interesses gewesen, sondern auch der Familienplanung. Denn mehr oder weniger geregelte Arbeitszeiten würden das Familienleben deutlich entspannter gestalten. „Es kommt nicht darauf an, wo ich arbeite, sondern wie ich arbeite“, sagt der Stipendiats-Bewerber. Und dann eben am liebsten in Letmathe.

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