Glaube

Gemeinsam gegen Gleichgültigkeit

Der 10-jährige Davin trägt das Kreuz.

Der 10-jährige Davin trägt das Kreuz.

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann

Letmathe.   Pastoralverbund und Kirchengemeinde sind zufrieden mit der neuen Jugendkreuzweg-Aktion „Einfach helfen!“.

Davin (10) und Jana (11) sprühen vor Begeisterung: Die beiden Schüler vom Gymnasium Letmathe erzählen, wie sie in den vergangenen Wochen ihre Freizeit verbracht haben. Weder Computer spielen noch Netflix gucken, weder Freunde treffen noch Selfies machen waren bei Davin und Jana angesagt: Die beiden haben an der Aktion „Einfach Helfen!“ der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe und des Pastoralverbundes Letmathe teilgenommen und insgesamt mehr als 21 Stunden lang Senioren in einem Altersheim besucht.

Für beide war es eine neue, beeindruckende Erfahrung: „Wir haben Spiele gespielt, zusammen Frühlingslieder gesungen oder uns einfach unterhalten“, berichtet der Zehnjährige. Als Gegenleistung gab’s Kuchen und „ganz viel Apfelschorle“. Und nicht nur das: „Es hat uns großen Spaß gemacht, und wir haben viel gelacht. Auch in Zukunft wollen wir regelmäßig im Altersheim vorbeischauen, denn viele Menschen sind einsam und freuen sich über unseren Besuch.“

Stempelaktion sorgtfür doppelte Hilfe

Die Aktion „Einfach Helfen!“ ist neu in Letmathe. Michael Goebel, Jugendreferent der evangelischen Kirchengemeinde Oestrich-Dröschede, erklärt: „Wir wollen Kinder und Jugendliche für die Probleme in der Gesellschaft sensibilisieren und dazu ermutigen, sich zu engagieren. Die Generation ,Null Bock’ gibt es nicht mehr, unsere Jugendliche wollen sich einbringen und ihren Teil zu einer lebenswerteren Welt beitragen.“ Um einen Anreiz zu schaffen, dachte sich das Organisationsteam aus Bettina Aust, Gemeindereferentin im Pastoralverbund, Christian Kempny und Michael Goebel etwas aus: Es wurden „Einfach-Helfen-Karten“ gestaltet, deren Prinzip an Treue-Punkt-Aktionen im Supermarkt erinnern.

Für jede Hilfs-Aktion (mindestens eine Stunde) stempelt die Organisation, bei der die Hilfe geleistet wird, ein Feld ab, maximal vier Stempel passen auf eine Karte. Der Anreiz: Pro Stempel spendet die Märkische Bank fünf Euro. Der Gesamtbetrag geht an das Kinderhospiz Balthasar in Olpe. „Die Jugendlichen helfen gleich doppelt: Vor Ort in einer sozialen Einrichtung und dann auch noch den Kindern im Hospiz“, erklärt Goebel. Für Davin und Jana war es keine Frage: Da machen wir mit.

Die meisten Klassenkameraden sahen das anders: „Wir haben versucht, andere zum Mitmachen zu bewegen, aber die haben immer nur gesagt, dass sie keine Zeit haben, weil sie noch lernen müssen“, erklärt Davin. Aber so richtig habe er ihnen das nicht abgenommen. Seine Erklärung: Erst vor einem Jahr war die Premiere von „Einfach helfen!“. Im nächsten Jahr könnten schon viel mehr junge Menschen ihren Einsatz für das Gemeinwohl leisten. Ihr feierliches Ende fand die Aktion beim ökumenischen Jugendkreuzweg in der katholischen Kirche Mariae Himmelfahrt in Oestrich. Alle warteten gespannt auf das Ergebnis der Auszählung: 220 Euro kamen zusammen. Nicht schlecht für das erste Mal, waren sich die Beteiligten einig.

Auch beim ökumenischen Jugendkreuzweg gibt es Neuerungen: „Früher folgten die Menschen betend dem Kreuz durch die Straßen“, erklärt Goebel. Das komme heute bei der Jugend nicht mehr an, und man habe deshalb nach Alternativen gesucht – und diese in einem schlichten Holzkreuz sowie Fingerfarben gefunden.

Um zu zeigen, dass niemand sein Kreuz alleine tragen müsse, malten sich die Besucher eine Hand mit Farbe an, fassten das Kreuz und trugen es um die Kirche. Das Ergebnis ist ein kunterbuntes Objekt, von allen gemeinsam gestaltet. Zusammen mit der musikalischen Unterstützung des Jugendchores „Face to Face“ (Leitung: Sylvia Langenberg) fand die zentrale Botschaft Gehör: „Gemeinsam sind wir stark!“

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