Wirtschaft

Gennas Wandel wird vorangetrieben

Die auf dem WFG-Gelände ansässigen Gewerbebetriebe haben noch kein neues Domizil gefunden. Es laufen Verhandlungen und Gespräche mit der Stadt.

Die auf dem WFG-Gelände ansässigen Gewerbebetriebe haben noch kein neues Domizil gefunden. Es laufen Verhandlungen und Gespräche mit der Stadt.

Foto: Oliver Bergmann

Genna.   Industrie- und Gewerbebetriebe sind auf dem Rückzug – aber nicht freiwillig.

Die Skizze gab Anlass zu Spekulationen: Als sich der Stadtrat Ende Mai mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Gennaer Straße“ befasste, fiel die Größe des betroffenen Gebietes sofort ins Auge: Nicht nur der Bereich des ehemaligen WFG-Geländes war Gegenstand des später gefassten Beschlusses, sondern auch die Grundstücke auf der gegenüber liegenden Straßenseite zwischen dem kleinen Bahnübergang und der Brückenstraße. Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung hatte Anfang März noch die Planung und Umsetzung eines neuen Wohnbaugebiets in Genna auf Basis einer Skizze, die tatsächlich nur das WFG-Areal umfasste, auf den Weg gebracht.

Was also ist binnen diesen nicht ganz drei Monaten passiert? „Gar nichts“, sagt nun Stefan Baumann von der Abteilung Stadtentwicklungsplanung. „Es macht immer Sinn, einen Bebauungsplan größer zu fassen. Und gerade in Genna gilt es, auch die andere Straßenseite zu beachten.“ Im Bebauungsplan werde schließlich nicht festgelegt, dass gebaut wird, sondern was überhaupt gebaut werden darf. Bis auf das WFG-Gelände gehören der Stadt in dem betroffenen Bereich keine Grundstücke. „Festgeschrieben sind im Bebauungsplan zum Beispiel die Anzahl der Etagen, die ein Gebäude haben darf oder welche Nutzungen gestattet werden.“

Das Zauberwort lautet „Urbanes Gebiet“

Das hat für diesen Bereich Gennas eine entscheidende Bedeutung. Denn während Teile des Ortsteils als sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen sind, gilt hier das Prinzip des „Urbanen Gebietes“. Stefan Baumann: „Das ist eine ganz neue Definition, die erst seit 2017 in der Baunutzungsverordnung festgeschrieben ist.“ Urbane Gebiete dienen demnach Wohnzwecken, sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie Gewerbebetrieben, die allerdings das Wohnumfeld nicht wesentlich stören dürfen. Je nach städtebaulich verfolgten Zielen können unterschiedliche Nutzungen in den Vordergrund treten. Für Genna ist geplant, die Nutzung als Wohngebiet zu stärken. Ein Gleichgewicht zwischen den Nutzern wie bei einem Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe ist in diesem Fall nicht mehr vorgeschrieben.

Das kommt bei Gewerbetreibenden nicht gut an. Während Deniz Halil, Leiter der privaten Physiotherapie-Schule, lediglich bestätigt, mit der Stadt wegen eines neuen Standortes in Kontakt zu stehen, entwickelte sich mit dem benachbarten Unternehmer Thomas Dahmen gestern ein emotionales Gespräch. Auch er muss Genna verlassen – bis wann, weiß der Metallbauer und Spediteur noch nicht. „Als ich 2009 hierhin gekommen bin, dachte ich, ich müsste mir weiter keine Gedanken machen. Aber damals hat man noch nicht versucht, Genna auf irgendeine Art und Weise zu verschönern.“ Über die Ratsparteien äußert er sich enttäuscht. „Die stampfen hier etwas aus dem Boden, was keiner von den Betroffenen möchte. Niemand hat das Gespräch mit uns gesucht.“

Dahmen beschäftigt in den Bereichen Metallbau und Spedition insgesamt 15 Mitarbeiter. Auch er steht in Verhandlungen mit der Stadt. Gegenstand soll der Erwerb eines Grundstücks in Kalthof sein. Ich würde dort gerne eine Halle bauen – und zwar so, dass ich zwei Bereiche von jeweils 300 Quadratmetern Fläche vermieten kann. Die werden mir jetzt schon von Interessenten aus der Hand gerissen.“ Dahmen weiß auch warum: „Weil versäumt wurde, für ausreichend Gewerbefläche zu sorgen. Und jetzt wird auch noch Genna aufgegeben.“

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