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Graffiti – soweit das Auge reicht

Graffiti-Sprayer auszutoben. Scheinen sich im Bahnhofs-Umfeld besonders gerne.

Foto: Oliver Bergmann

Graffiti-Sprayer auszutoben. Scheinen sich im Bahnhofs-Umfeld besonders gerne.

Genna.   Rund um den Bahnhof sollen immer mehr Schmierereien zu sehen sein. Doch bei der Polizei ist keine Anzeige eingegangen.

Die unmittelbare Gegend rund um den Bahnhof gehört nicht unbedingt zu Letmathes naturnahen Bereichen. Daran ändern auch keine Lenne samt Promenade oder der begrünte Honsel etwas. Nein, dort wird traditionell Geld verdient, in durchaus schicken Häusern gewohnt – oder die kleinkriminelle Energie frei gelassen. Davon, sagt ein prominenter Letmather, der allerdings darum gebeten hat, anonym bleiben zu dürfen, gebe es seit einiger Zeit immer mehr. Es sind die Graffitis, die ihm ins Auge fallen.

Gesprüht werde zumeist dort, wo nur die „Werke“ zu sehen sind, nicht jedoch die Verursacher während ihrer Tätigkeit. „Das ist noch nicht einmal Kunst, nur Schmiererei“, sagt unser Tipp-Geber, der regelmäßig zwischen Stenglingser Weg und dem kleinen Bahnübergang Gennaer Straße/Bergstraße spazieren geht – und auch diesen Gedanken beim Besuch der betroffenen Orte mehrmals äußert: „Was ist das für eine Visitenkarte, die Letmathe abgibt? Ausgerechnet die Bahn-Reisenden bekommen das alles präsentiert.“

Er selbst würde Farbe zur Verfügung stellen, damit die besprühten Wände gestrichen werden können und wieder einladend aussehen.

Mögliche Gegenmaßnahme: Eine Anzeige bei der Polizei

Auf den Hinweis, dass mit dieser Aussage ein Punkt erreicht ist, an dem es doch besser wäre seinen Namen zu nennen, damit die Menschen wissen, an wen sie sich wenden können, lächelt er kurz. „Es würde auch helfen, schöne Zäune um Gebäude zu ziehen, die in der Sprayer-Szene beliebt sind, oder dichte Hecken zu pflanzen“, weiß er aus Erfahrung. „Dadurch kommen die Leute nicht nah genug an die Fassaden heran.“

Es hat vor allem historisches Gemäuer erwischt. Teilweise stammen die Gebäude noch aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert, wie die Halle aus Backsteinen an der längst stillgelegten Güter-Ladestraße. Der Bereich ist seit einigen Jahren durch einen Bauzaun versperrt. Dort ist damals das kleine Container-Dorf für die Arbeiter entstanden, die ursprünglich den Bahnhof sanieren sollten.

Wer regelmäßig vor Ort ist, hat natürlich eine Antenne für Graffitis, die neu hinzugekommen sind. Bis zur Polizei sind die Taten allerdings nicht durchgedrungen. Deren Sprecher Dietmar Boronowski hat für die Redaktion das Computersystem durchforstet und ist im Zeitraum seit Sommer 2017 auf lediglich zwei Fälle gestoßen, beide stammen von der Gennaer Straße aus dem Spätherbst. An der Bergstraße ist laut Datenbank nichts dergleichen passiert. „Es ist wichtig, dass die Bürger neue Schmierereien anzeigen“, sagt Boronowski. Szenekundige Sondereinheiten gebe es bei der Iserlohner Polizei zwar nicht mehr, „aber die Ermittlungen verlaufen nicht im Sande“, beteuert er. Über die sogenannten „Tags“, die individuellen Erkennungszeichen der Täter, komme die Polizei ihnen häufig auf die Schliche.

Spätestens wenn der erste Intercity Letmathe anfährt, wäre aus Sicht des Bürgers ein ordentliches Erscheinungsbild des Bahnhofs-Umfeldes erstrebenswert. Die Station als Ganzes dürfte bis dahin (2020) fertig umgebaut sein.

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