Marienhospital

„Hände weg vom MHL, Hände weg vom MHL“

Klare Kante: Bei der Kundgebung vor dem Marienhospital

Klare Kante: Bei der Kundgebung vor dem Marienhospital

Foto: Tim Gelewski

Letmathe.   Letmathe hat ein Zeichen für den Erhalt seines Hospitals gesetzt. Hunderte demonstrierten gegen die Schließung. Noch besteht Hoffnung.

Das Schlusswort gerät am Ende programmatisch und fasst den Tenor der Demonstration am Samstag gut zusammen: „Hände weg vom MHL, Hände weg vom MHL“, schallt es aus hunderten Kehlen, nachdem zum Abschluss Dominik Peukmann, der die Veranstaltung angemeldet hatte, bei der Schlusskundgebung kurz das Wort ergreift.

Zuvor sind hunderte Menschen – Mitarbeiter, Unterstützer, Politiker – am Samstag vom Startpunkt hinter der Polizeiwache in Richtung Marienhospital (MHL) gezogen, um lautstark ein Zeichen für den Erhalt und gegen die Schließung „ihres“ Krankenhauses zu setzen. Die Polizei spricht am Samstag von 500 bis 600 Teilnehmern. Andere Schätzungen belaufen sich auf bis zu 1000 Menschen.

So oder so – die Erwartungen der Veranstalter sind deutlich übertroffen worden. „Es war schwer, aber wir haben es geschafft, alle Kräfte zu bündeln“, freut sich schon zu Beginn der Sprecher der Belegschaft des Marienhospitals, Michael Hillebrand. Und auch wenn die Nachricht der beabsichtigten Schließung inzwischen gesackt ist – „unter der Woche herrschte immer noch Entsetzen“, sagt Hillebrand weiter. „Wenn man acht Jahre schwarze Zahlen schreibt und dann nach einem Jahr mit roten geschlossen werden soll, ist das nicht nachvollziehbar.“ Und: „Wir werden für 20 Millionen verscherbelt.“

„Heute das MHL, morgen Bethanien und Elisabeth“

Denn: Diese Summe bekäme der Krankenhausträger Märkische Kliniken für die Stilllegung. Angesichts von wohl 5,2 Millionen Euro Investitionsbedarf binnen der nächsten zehn Jahre allein für Brandschutzmaßmahnen ein lukrativer Deal, meint Hillebrand – allerdings zulasten von Patienten und Mitarbeitern.

Mit Letzteren habe die Personalabteilung bereits Vorgespräche begonnen, um Personal nach Lüdenscheid abzuwerben. „Das kann doch nicht sein, das vermittelt doch den Eindruck, als wäre alles schon endgültig und beschlossen“, ärgert sich Hillebrand.

Auf der Rückseite des Hospitals, wo die Abschlusskundgebung stattfindet, ergreifen neben Hillebrand und Peuckmann auch Vertreter der Iserlohner Parteien das Wort.

Oliver Ruhnert von den Linken fordert, dass Iserlohn als größte Stadt im Kreis nun zusammenstehen müsse, weil der Nordkreis ohnehin medizinisch schon schlechter versorgt sei. „Dem Kreis muss klar sein, was er da tut. Heute das Marienhospital, morgen sprechen wir vielleicht über das Elisabeth oder das Bethanien.“

Martin Luckert (SPD) fordert einen „Zukunftspakt“ für das MHL. Elke Olbrich-Tripp (Grüne) sieht weiter zu viele unbeantwortete Fragen und stellt die Verlässlichkeit der vorliegenden Zahlen in Frage. Für die CDU spricht sich Renate Schulte-Fiesel, Kreistagsabgeordnete und Aufsichtsratsmitglied bei den Märkischen Kliniken, gegen die Schließung aus.

Die Außendarstellung der CDU in der Sache versetzt hingegen Hans Immanuel Herbers (UWG-Piraten) in Rage. „Wenn man einen Aufsichtsrat (Detlef Seidel, CDU; Anm. d. Red.) bei den Märkischen Kliniken hat, der als Kreistagsabgeordneter auf der Homepage genau ein Ziel formuliert, nämlich den Erhalt der Klinik in Werdohl, dann bekommt man, was man bestellt hat.“

Vorwürfe an Karsten Meininghaus

Wie berichtet, soll der Standort Werdohl bleiben – trotz roter Zahlen in der Vergangenheit. Im Gespräch mit der Heimatzeitung konkretisiert Herbers im Nachgang seine Kritik noch und sagt in Richtung des CDU-Kreistagfraktions- und Stadtverbandsvorsitzenden Karsten Meininghaus: „Er kann mir nicht erzählen, dass wäre jetzt alles ganz plötzlich gekommen. Sowas wird vorab vielfach diskutiert. So funktioniert Politik. Zumal der Landrat von der CDU kommt.“

Auf die Aussagen Herbers’ angesprochen, weist Meininghaus am Sonntag die Kritik zurück und sagt, er habe Ende Mai davon erfahren, dass Gespräche über eine Lösung in Bezug auf die Zukunft des Marienhospitals gescheitert seien und es nun eng werden könnte. Am 3. Juni dann habe die Verwaltung den Vorsitzenden der Kreisfraktionen die Schließungsabsicht mitgeteilt. Und nicht vorher.

„Mir geht das Thema auch ans Herz. Ich kann mich des Eindrucks ebenfalls nicht gänzlich erwehren, dass man das Hospital hat absichtlich ausbluten lassen“, so Meininghaus, der am 27. April bei der Sitzung des Kreistags gegen die Schließung stimmen will.

Laut Aussage von Renate Schulte-Fiesel sei die CDU-Fraktion im Kreis in Bezug auf die Entscheidung in etwa zu gleichen Verhältnissen gespalten. Auch von anderen Fraktionen hatte es Signale gegeben, dass der Beschluss am Ende zumindest noch in Frage stehen könnte.

Mitarbeiter haben Hoffnung noch nicht aufgegeben

Für Michael Hillebrand und sein Team ist dies zumindest ein Grund zur Hoffnung, wie er sagt. Die Stimmung bei der Demonstration ist gut. Unter Plakaten und zu den Klängen von Trillerpfeifen mischt sich Wut mit Galgenhumor und verhaltenem Optimismus.

Für das Marienhospital selbst bekennt Dr. Wolfgang Welke, Chefarzt der Schmerzklinik, bei der Schlusskundgebung Farbe. Er kritisiert das schon jetzt bestehende Missverhältnis in der Krankenhaus-Versorgung in Nord- und Südkreis hart, das sich aus seiner Sicht bei einer Schließung des MHL noch verschärfen würde. „Nimmt man die Patienten von Letmathe und Hohenlimburg zusammen, dann hätten hier 54.000 Menschen keine Grundversorgung mehr.“ Als vor Jahren das Krankenhaus in Elsey geschlossen worden sei, hätten sich die Menschen darauf verlassen, dass das MHL bleiben werde – „und nun das“.

2700 Bürger haben inzwischen online eine Petition gegen die Schließung unterschrieben. „Analog“ wird ebenfalls noch gesammelt. In den kommenden Wochen wollen die Beteiligten nun nochmal alle Kräfte zusammennehmen. Wie berichtet, hatte es kurz vor der Demo am Samstag Querelen zwischen Demo-Anmelder Dominik Peukmann und dem MHL-Organisationsteam gegeben, weil Peuckmann sich teils übergangen gefühlt hatte, unter anderem als sich die Werbegemeinschaft in die Planungen eingeschaltet hatte.

Am Ende gaben sich aber alle Parteien im Sinne der Sache versöhnlich. Peukmann kündigte weitere Aktionen an, ohne genauere Pläne bekanntgeben zu wollen. Sylvia Olbrich (Grüne) hat derweil in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des MHL eine weitere Demonstration angemeldet – diesmal für den 27. Juni vor dem Kreishaus in Lüdenscheid, wo an dem Tag bekanntermaßen über die Schließung des Hospitals entschieden werden soll.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben