Wirtschaft

Hagener Straße steckt in der Krise

Alle vier Ladenlokale, die zum Haus Nummer 14 gehören, stehen demnächst erst einmal leer.

Foto: Oliver Bergmann

Alle vier Ladenlokale, die zum Haus Nummer 14 gehören, stehen demnächst erst einmal leer.

Letmathe.   Ein sorgenvoller Blick auf die Leerstände in Letmathes Einkaufsstraße. Aber es ist auch einiges in Bewegung

„Zu vermieten“, „Räumungsverkauf“ oder „geschlossen“: Hinweise in den Schaufenstern der Ladenlokale, die niemand wirklich sehen möchte, bestimmen das Bild auf der Hagener Straße. Warum ist das so?

Frank Blumberg, Inhaber von Mann und Mode und Beisitzer im Vorstand der Werbegemeinschaft, nennt mehrere Gründe. Er kommt unter anderem auf die Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ zu sprechen. „Jeder Bürgermeister einer größeren Stadt meinte, sich damit ein Denkmal setzen zu müssen. Aber in Wirklichkeit haben sie ihren Städten damit einen Bärendienst erwiesen. Die Innenstädte veröden.“

Blumberg nennt Autobahn-Anschlüsse, die eigens dafür angelegt wurden und bringt kostenlose Parkplätze ins Spiel – Trümpfe, für die Letmathe übrigens auch beneidet wird, nicht zu vergessen die Erreichbarkeit durch Bus und Bahn.

Trotzdem macht die Hagener Straße harte Zeiten durch. „Weil vielen potenziellen Geschäftsleuten am Ende doch der Mut fehlt“, ist Blumberg überzeugt. „Im Moment ist das sichere Angestelltenverhältnis einfach beliebter. Uns fehlen außerdem die Leute, die das gelernt haben.“ Immer wieder wird dem Internet die Schuld an der Einzelhandelskrise angelastet. Blumberg will das nicht gänzlich abstreiten, aber: „Ich glaube, dass sich dieser Internet-Hype normalisieren wird. Das war damals mit den Katalog-Bestellungen auch so. Bis die Kunden gemerkt haben, dass die Wärme fehlt.“

Leerstand oder Bewegung in 13 Ladenlokalen

Ein Spaziergang über die Einkaufsstraße von West nach Ost: Aus den Dom-Arkaden verabschiedet sich, wir berichteten, „Mode für Sie“. Wenige Meter weiter steht das kleine Lokal leer, in dem zuletzt „Rulas Grill“ untergebracht war. Gerüchten zufolge soll es dort demnächst wieder etwas zu essen geben, der angebliche Betreiber war am Dienstag allerdings nicht erreichbar. „Sini’s Outlet Store“ in den Dom-Arkaden steht seit September 2017 leer, genauso die früheren IKZ-/WR-Räume. Immerhin erfuhren wir von deren Eigentümern, dass Gespräche mit Interessenten geführt wurden. Einen unterschriebenen Mietvertrag gibt es aber noch nicht. Er glaube nicht, dass die Leerstrände ein Letmather Problem seien. Der Wohn- und Einkaufswert sei hoch.

Die nächste Lücke besteht auf der Ecke Hagener/Marienstraße. Dort steht das frühere Schuhgeschäft Mevissen leer. Welche Perspektive dieses Ladenlokal hat, konnte die Heimatzeitung nicht in Erfahrung bringen. Zwar hängt im Schaufenster das Plakat eines Maklerbüros mit Telefonnummer, unter diesem Anschluss war am Dienstag trotz mehrerer Versuche aber niemand zu sprechen. Schräg gegenüber steht das frühere Ladenlokal von Schreibwarenhändler Jürgen Fentrop nun seit zwei Jahren leer, ebenso Blumen Metzler und die nach Oestrich umgezogene Immobilienverwaltung Gloede, das Schuhhaus Hüttemeister, die Bäckerei „Mr. Baker“ und das Eiscafé „Venezia“.

Dann das „Sound-Café“: Optisch vielversprechend hergerichtet wurde die Gebäudefront bereits. Demnächst zieht dort wieder Leben ein, und zwar von der anderen Straßenseite: Der momentan noch an der Hausnummer 14 beheimatete „Multi Shop“ eröffnet dort zum 1. März neu. Weil auch der benachbarte „PC & Handy Shop“ schließt, stehen in Kürze alle vier Ladenlokale unter dieser Hausnummer leer. Doch das ist durchaus im Sinne der Iserlohner Hausverwaltungs GmbH Reinecke. „Wir wollen, wenn es erforderlich ist, die schlauchförmigen Ladenlokale zusammenlegen. Auch die Front soll attraktiver werden“, verriet Geschäftsführer Harald Reinecke. „Vorgesehen ist, aus den vier Ladenlokale zwei zu machen. Ob dieser Plan in die Realität umgesetzt wird, steht aber noch in den Sternen. Scheitern könnte er an den Interessenten.“ Reinecke sagt deutlich, dass die Mieten an der Hagener Straße zu hoch seien. Das Wellental sieht er deshalb noch nicht erreicht. „Wenn die Vermieter mit dem Quadratmeterpreis sieben, acht Euro nach unten gehen, bin ich überzeugt, dass sich auch die Läden wieder füllen.“ So optimistisch sind nicht alle.

Keinen Nachfolger trotz bester Kontakte gefunden

Bis vor zwei Monaten öffnete Uhrmachermeister Bernd Hartmann (73) noch sein Geschäft an der selben Adresse. Mit seinen 45 Jahren als Selbstständiger und früherer Vorsitzender der Werbegemeinschaft kennt er die Situation der Händler in- und auswendig. „Das gesamte Einkaufsverhalten hat sich radikal geändert. In kleinen Läden wird nur noch wenig gekauft. Das ist die neue Zeit.“ Mehrere Ansichten teilt er mit Frank Blumberg, etwa die Probleme, die durch den Bau der großen Einkaufszentren entstanden sind, oder das Nachrücken junger Geschäftsleute. „Ich wollte ja schon mit 70 Jahren aufhören und mein Geschäft an einen Jüngeren übergeben. Aber obwohl ich mich überall umgehört habe, hat sich kein Nachfolger gefunden.“

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