Auszeichnung

„HaJo“ Muschiol in erlesenem Kreis

Eines der früheren Klassenzimmer war vollbesetzt mit Prominenz aus der Schlesierszene, mit Verwandten und Politikern.

Eines der früheren Klassenzimmer war vollbesetzt mit Prominenz aus der Schlesierszene, mit Verwandten und Politikern.

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Der 93-Jährige hat am Samstag den Schlesierschild verliehen bekommen.

Paul Löbe, Reichtagspräsident von 1925 bis 1932, bekam ihn 1961 als Erster. Konrad Adenauer wurde er verliehen, unter anderem auch Franz-Josef Strauss. Seit Samstag, 4. August, 16.50 Uhr, ist auch der Iserlohner Hans-Joachim Muschiol, der kürzlich seinen 93. Geburtstag gefeiert hat, Träger des Schlesierschildes.

Es ist die höchste Auszeichnung, die die Landsmannschaft Schlesien, Nieder- und Oberschlesien nach strengen Statuten vergibt. Sie darf nur an maximal 30 lebende Persönlichkeiten gleichzeitig verliehen werden, wodurch die große Stunde, die für Hans-Joachim Muschiol nun geschlagen hat, noch höher zu bewerten ist – zumal die bis dahin letzte Verleihung drei Jahre zurückgelegen hat. Kein Geheimnis ist, dass Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier der nächste sein wird. „Das ist für ihn und für uns etwas ganz besonderes. Er freut sich sehr. Ich denke, dass ihm die kürzlich gefeierte Diamanthochzeit und jetzt die Verleihung des Schlesierschildes dabei geholfen haben, wieder zu Kräften zu kommen“, sagte Muschiols Enkel Paul vor Beginn der Zeremonie in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule, die mittlerweile das Domizil der Ostdeutschen Jugend- und Kulturbegegnungsstätte ist.

Festgäste kamen aus allen Himmelsrichtungen

Den Weg dorthin fanden neben Muschiols Angehörigen, darunter seine in Mannheim lebende Tochter Barbara, die den Festakt moderierte, auch Wegbegleiter und Gratulanten aus ganz Deutschland. Sie kamen, zahlreich in Trachten gekleidet, aus Thüringen, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg, natürlich auch aus NRW, so wie Stephan Rauhut, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien. Er nahm die Auszeichnung vor.

Bis es soweit war, wurden Muschiols Lebensweg nachgezeichnet und die Spuren gewürdigt, die der gebürtige Gleiwitzer hinterlassen hat. Mehrere Tänze begleiteten die stilvolle Zeremonie. Ansprachen hielten Landrat Thomas Gemke, Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Stephan Rauhut selbst. Grußworte schickten unter anderen die heimische Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, Ernst Dossmann und Georg Freiherr von Eichendorff Graf Strachwitz, dem Ur-Ur-Enkel von Joseph Freiherr von Eichendorff. Er hob die Gemeinsamkeiten hervor, die Hans-Joachim Muschiol und der berühmte Dichter verbinden. Beide trugen ihre Heimat ein Leben lang in ihren Herzen, wobei das für den nun Geehrten natürlich weiterhin gilt. „Hajo Muschiol ist in Worten und Werken echter Nachfahre Eichendorffs, ein Brückenbauer und ein bewusst Heimatliebender. Ein lebendiges Beispiel für uns alle, wieviel Kraft Heimat spenden kann“, schrieb Freiherr von Eichendorff Graf Strachwitz weiter.

Als Landrat Thomas Gemke als erster Gast seine Rede hielt, würdigte er natürlich Muschiols Engagement für die alte Heimat, das bis ins Jahr 1951 zurückreicht. Damals trat der Neu-Iserlohner in den Bund der Vertriebenen ein, wurde direkt Mitglied im Kreisvorstand Iserlohn und später, bis 2006, auch dessen Vorsitzender.

Dass er sich die Verbundenheit zur verlorenen Heimat erhalten hat, hob Gemke ebenso hervor wie die Vertreibung, das er als eines der schlimmsten Schicksale bezeichnete. Natürlich verwies der Landrat auch darauf, dass Muschiol treibende Kraft war, als der Kreis im Jahr 2001 eine Partnerschaft mit dem schlesischen Landkreis Ratibor einging.

Auch Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens’ Rede drehte sich um den Heimatbegriff. Heimat sei heute der Ort, an man sich wohlfühle, während es früher der Ort gewesen sei, an dem man geboren wurde und zeitlebens geblieben ist. „Aus seinem Schmerz und leidvollen Erfahrungen haben Sie Stärke bezogen“, sagte Dr. Ahrens. Beide vergaßen nicht, dass Muschiol mit seiner Hildegard eine starke Ehefrau an seiner Seite hat, die den Einsatz ihres Mannes erst ermöglicht hat.

Landsmannschaft blickt optimistisch in die Zukunft

Stephan Rauhut rechnete es dem 93-Jährigen hoch an, dass er es geschafft hat, die Zukunft der Landsmannschaft zu sichern, selbst wenn eines Tages niemand mehr aus der Generation, die ihre Heimat verlassen musste, dabei sein wird. „Sie haben es geschafft, dass ganze Familien engagiert sind.“

Der Schlesierschild ist für Hans-Joachim Muschiol keineswegs das Signal, das Engagement herunterzufahren. „Meine Arbeit für Schlesien und den Märkischen Kreis ist noch nicht zu Ende. So lange ich kann, werde ich weitermachen“, sagte er in seiner Dankesrede, die mit minutenlangen, stehenden Applaus bedacht wurde.

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