Innenstadt

Hartes Brot für Vermieter – ein Fallbeispiel zum Leerstand

Oben hui, unten pfui – die WEG hofft, für die Ladenlokale an der Hagener Straße 14 Mieter zu finden, die zu den Bewohnern passen und die Innenstadt aufwerten.

Oben hui, unten pfui – die WEG hofft, für die Ladenlokale an der Hagener Straße 14 Mieter zu finden, die zu den Bewohnern passen und die Innenstadt aufwerten.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe.  Vertreter der Eigentümergemeinschaft Hagener Straße 14 widersprechen Thesen über Wuchermieten und erklären, wo aus ihrer Sicht das Problem liegt.

Leerstände in der Innenstadt gefallen niemandem, auch nicht den Vermietern oder Eigentümern der Immobilien. Die Verantwortung allein bei diesen zu suchen, finden Klaus Mertens und Pia Zimmermann nicht fair. Die beiden sind im Beirat der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) Hagener Straße 14, wo seit Längerem die Ladenzeile im Erdgeschoss leer steht – je nach Aufteilung könnten hier bis zu vier Geschäftsleute in bester Lage direkt an der Einkaufsstraße ihre Ware oder Dienstleistung anbieten.

Dass die Realität anders aussieht, habe andere Gründe als viele denken, sagen die beiden. Besonders unverständlich findet Pia Zimmermann die oft geäußerte Theorie, Eigentümer würden Objekte vorsätzlich verwaisen lassen und damit Steuern sparen. „Das ist Unsinn“, pflichtet ihr Klaus Mertens bei: „Wie soll das funktionieren? Schließlich wird auch für leerstehende Immobilien die Grundsteuer fällig, und für die Erhaltung kommen diverse andere Kosten hinzu.“

Von Wuchermieten kann hier keine Rede sein

Auch von Wuchermieten, über die sich Händler nicht seltener beklagen als Privatleute, könne zumindest im Fall der Hagener Straße 14 keine Rede sein. „Tatsächlich bieten wir für die Ladenlokale sogar Mieten an, günstiger sind als die der Wohnungen darüber“, betont Mertens. Einen Mangel an Engagement bei der Suche könne man der WEG genauso wenig vorwerfen wie zu lange Entscheidungswege oder innere Zerwürfnisse. „Die Gemeinschaft der Eigentümer ist sehr homogen und wenn es Fragen zu klären gibt, verläuft das bei uns harmonisch“, sagt Pia Zimmermann. Nach geeigneten Mietern würde schon seit geraumer Zeit intensiv gesucht.

Wo also liegen die Probleme? Zunächst müsse man berücksichtigen, dass vor allem Einzelhändler und Gastronomen auf Laufkundschaft angewiesen sind, erklärt Klaus Mertens, und deren Zahl werde oft überschätzt. „Es ist allgemein schwerer geworden für Händler, und gerade in Letmathe ist der Umsatz gering“, gibt er zu bedenken. Darauf nehme die WEG durchaus Rücksicht und sei Mietern der Ladenlokale in der Vergangenheit entgegengekommen, wenn jemand mal in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. Müssten dann nicht Traummieter Schlange stehen? „So einfach ist das nicht, die Mieter müssen auch zum Haus passen“, sagt Pia Zimmermann.

Die Wohnungen sind erst vor fünf Jahren saniert worden, woran das Innenleben keinen Zweifel lässt; vom Eingangsbereich übers Treppenhaus bis hin zum Gemeinschaftsraum auf der vierten Etage wirkt alles wie frisch renoviert, der Blick vom Balkon auf die Hagener Straße ist ansprechend. „Unsere Mieter sind sehr ruhig, da wäre eine Spielhalle oder eine Imbissbude einfach nicht das Richtige“, erklärt Pia Zimmermann. Wohn- und Geschäftsraum sollen eine funktionierende Einheit bilden, im besten Fall eine Symbiose – einfacher gesagt als getan.

Ladenmieter muss auch zu Bewohnern passen

Und über solche prinzipiellen Herausforderungen hinaus müssen sich Vermieter wie die WEG noch mit anderen Schwierigkeiten herumschlagen. Klaus Mertens nennt ein Beispiel: „Gerade haben wir Probleme mit Baumängeln, die den Keller betreffen und haben einen Gutachter beauftragt.“ Solange die rechtliche Klärung mit dem Bauträger ausstehe, liege das Projekt Vermietung effektiv auf Eis. Immerhin rechnet die WEG damit, dass das Gutachten noch im laufenden Kalenderjahr fertig ist. Mit dem Leerstand soll es dann früher oder später ein Ende nehmen, ist der ausdrückliche Wunsch. Der feste Wille zu einer Lösung zeige sich auch im finanziellen Engagement: „Als der letzte Mieter raus war, haben wir das Erdgeschoss für rund 24.000 Euro entkernen lassen“, führt Mertens an. Prinzipiell sei die WEG für jede Aufteilungsvariante der insgesamt 430 Qua­dratmeter messenden Ladenlokale aufgeschlossen, wobei wenn ein einzelner oder zwei Mieter mit größeren Filialen bevorzugt würden.

Dass das Erdgeschoss von der Hagener Straße aus derzeit keinen schönen Anblick bietet, wurmt die beiden, vor allem im Kontrast zu den Wohnungen. Interessierte Mieter könnten die Ladenlokale auf Wunsch im Rohbauzustand übernehmen und selbst gestalten, sagt Klaus Mertens. „Nach Absprache sind wir aber auch bereit, in Vorleistung zu gehen und, wir sind da flexibel.“ Auch Kaufangebote würden in Frage kommen – es müsse sich nur ein passender Interessent finden. Die WEG werde bei der Suche nicht locker lassen, kündigt er an: „Wir werden uns weiter bemühen, eine Lösung zu finden.“

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