Gericht

Hartes Urteil gegen Autohändler

Der Gesamtkilometerstand ist beim Gebrauchtwagenkauf ein wichtiges Kriterium. Mit der richtigen Ausrüstung und genug technischem Fachwissen können die Geräte manipuliert werden – für manche ein Geschäftsmodell.

Foto: Oliver Berg/DPA

Der Gesamtkilometerstand ist beim Gebrauchtwagenkauf ein wichtiges Kriterium. Mit der richtigen Ausrüstung und genug technischem Fachwissen können die Geräte manipuliert werden – für manche ein Geschäftsmodell. Foto: Oliver Berg/DPA

Hagen/Letmathe.   Der Drahtzieher der Tacho-Betrüger kommt für zweieinhalb Jahre hinter Gitter.

Im Prozess gegen die drei Männer, die zwischen 2013 und 2015 von Letmathe aus gebrauchte Fahrzeuge mit manipulierten Kilometerzählern verkauft haben, hat das Landgericht Hagen ein Urteil gefällt.

Die 6. Strafkammer stellte bei den Beschuldigten, zwei Iserlohnern und einem Hagener, Unterschiede in der Beteiligung an den Taten und im Verhalten während des Verfahrens fest. Die Iserlohner kommen als wissende Mittäter mit Geldstrafen in Höhe von 6600 und 2700 Euro davon, der Hagener hingegen gilt als Drahtzieher der Betrugsmasche und muss eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verbüßen – bis auf Weiteres im Gefängnis: Einen Antrag der Verteidigung, die Haftstrafe auf Bewährung auszusetzen, lehnten die Juristen entschieden ab.

Betrug fortgesetzt und vor Gericht gelogen

Als Begründung nannte die Vorsitzende Richterin zum einen die mehr als fünfjährige Freiheitsstrafe, die sich in der Summe aus den einzelnen Delikten ergäbe, die dem 32-Jährigen nachgewiesen werden konnten. Dazu zählt auch eine Falschaussage unter Eid, die symptomatisch für den fehlenden Respekt steht, den der Hagener aus Sicht der Richter dem Gesetz zollte. „Das glauben wir Ihnen nicht“ konstatierte die Vorsitzende in Bezug auf dessen Beteuerung, von der erheblich höheren Laufleistung der Gebrauchtwagen nichts gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte das Diagnosegerät, mit dem der Mann den Stand der Fahrtstreckenzähler zum Teil um mehr als 200 000 Kilometer reduzierte, um die Autos deutlich über Wert verkaufen zu können, im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmen lassen.

Vor allem aber war die Kammer alarmiert von der Tatsache, dass der Hagener die Betrugsserie zu einem Zeitpunkt fortsetzte, als die Justiz sich bereits mit den ersten Strafanzeigen seiner Opfer befasste. Davon ausgehend könne keine positive Sozialprognose gestellt werden, betonte die Vorsitzende. Den beiden Iserlohnern kam bei der Strafbemessung zugute, dass sie mit ihren Geständnissen zur Aufklärung der Betrugsfälle beigetragen und sich zwischenzeitlich darum bemüht hatten, die übervorteilten Kunden zu entschädigen. Ein Teil der Transaktionen konnte so zur Zufriedenheit der Käufer rückabgewickelt werden. Strafmildernd wirkte sich auch der lange Zeitraum aus, der zwischen den Taten und der Verhandlung lag – was die Verteidigung der Staatsanwaltschaft als Versäumnis vorhielt.

Die Verteidiger verwiesen auf die nunmehr einwandfreie Führung der Angeklagten und baten das Gericht, den Sinn der Strafe für das heutige Leben ihrer Klienten zu hinterfragen.

Dem Drahtzieher war keine Reue anzumerken

Der Hagener, der mit sichtbarem Unwillen eine knappe Entschuldigung für seine Vergehen vorbrachte, konnte jedoch keine Reue glaubhaft machen. Unter anderem deshalb hatte das Gericht als Auflage für eine mögliche Bewährung eine Kontaktsperre zwischen den beiden Iserlohnern und dem Hagener in Betracht gezogen. Zu den betrügerisch verkauften Fahrzeugen zählen jeweils ein Audi A8, Audi A6, Audi A4, Volvo V50, Volvo V70, BMW X3, BMW 730d und drei BMW 525d. Die Täter operierten von der Hagener Straße aus. Hinweise auf eine Verbindung zu Händlern, die heute noch in Letmathe tätig sind, gibt es nicht.

Der Hagener Hauptverantwortliche arbeitet immer noch in der Branche: nach Fortbildungen als Sachverständiger bei einer Kfz-Prüfstelle. Bei guter Führung kann seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden – aber vorerst ist er „aus dem Verkehr gezogen“.

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