Friedenskirche

Helmut Jost hebt die Grenzen auf

Ein gewaltiges Bild: Am Sonntag standen die Gospelchöre aus Letmathe und Lüdenscheid gemeinsam auf der Bühne.

Ein gewaltiges Bild: Am Sonntag standen die Gospelchöre aus Letmathe und Lüdenscheid gemeinsam auf der Bühne.

Foto: Wolfgang Meutsch

Letmathe.   Vereinte Gospel-Power sorgt in der Friedenskirche für unbändigen Jubel.

Sonntag 18 Uhr. Bestes Grillwetter. Und überall in der Stadt wird groß gefeiert. Wer an so einem Termin zu einem Gospelkonzert einlädt, muss sich nicht wundern, wenn kaum jemand kommt. Nicht so in Letmathe. Hier ticken die Uhren in Sachen Gospel schon seit vielen Jahren anders – dem Gospelchor der Friedenskirche sei dank. Und wenn Hubert Schmalor mit seinen rund 100 kräftigen Stimmen einlädt, dann ist die Kirche rappelvoll. So auch am Sonntag, ganz gleich was das Wetter sagt, und was sonst noch so anliegt.

Über diesen Umstand war auch Helmut Jost mehr als erstaunt. Jost ist – das ist wohl nicht untertrieben – der deutsche Gospel-Papst schlechthin. Vor allem als Komponist hat der 61-jährige schon tiefe Spuren hinterlassen. „May The Lord Send Angels“, „Come Into His Presence“ oder „Heavenly Peace Shall Be With You“ sind bereits echte Klassiker, die Eingang ins Repertoire der allermeisten deutschen Gospelchöre gefunden haben. Und das auch, weil Helmut Jost sie perfekt verkaufen kann – sprich, weil er ein umwerfender Musiker, Sänger, Pianist und Chorleiter ist, der immer wieder auch für Wochenendworkshops gebucht wird, und so schon mit vielen vom Gospelfeuer entflammten Gemeinden wie der Letmather persönlich Tuchfühlung aufgenommen hat.

Das hat er auch schon mit dem Letmather Gospelchor getan, seine Gospelmesse wurde hier bereits aufgeführt, und am Sonntag war er nun mit seinem eigenen Chor „Risecorn“ aus Lüdenscheid zum klangvollen Gipfeltreffen in der Friedenskirche zu Gast. Und es dauerte nicht lange, bis er ziemlich beglückt in das voll besetzte Kirchenschiff strahlte und meinte: „Es macht richtig Laune, hier für euch zu spielen.“

Beide Chöre trugen auch ein eigenes Kurzprogramm zum Konzert bei, wobei die Letmather in ihrem Block mit Florian Bölker am Klavier auf den Spuren des weltberühmten „Oslo Gospel Choir“ wandelte.

Besonders eindrucksvoll war aber der Konzertteil, bei dem beide Chöre gemeinsam mit Helmut Jost am Klavier dessen Klassiker sang und mit rund 150 Sängerinnen und Sängern im Altarraum eine ungeahnte Kraft entfesselte. Es ist ja immer wieder erstaunlich, wie viel Freude und Spaß die Gospelmusik versprühen kann, wie sehr der Funke bei dieser Musik – vor allem immer wieder in Letmathe – überspringt. Am Sonntag wurde aber bei diesem gigantischen Chor vieles von dem, was hier schon zu erleben war, getoppt.

Wobei Helmut Jost natürlich am Klavier nicht nur ein fantastischer Antreiber und Solo-Sänger, den man Augen zu sofort in Harlem verorten würde, ist, sondern auch ein starker Moderator, der das Publikum spielend mitnimmt. Er lässt die Zuhörer an seiner Musik und seiner Gedankenwelt teilhaben. Er erklärt, was ihm wichtig ist, und dass bei ihm die Grenzen zwischen Konzert und Gottesdienst grundsätzlich verschwimmen. Und er hebt ganz nebenbei auch die Grenzen zwischen Chor und Publikum auf und lässt alle problemlos bei seinen eingängigen Songs mitsingen. „Versucht einfach einzusteigen, gerne auch mit einer zweiten oder dritten Stimme.“ Und das tat das Publikum dann auch, und ließ seiner Freude und Begeisterung freien Lauf. Eine ganze Kirche voller Gesang und Musik, Freude und Beseeltheit – was für ein Happening.

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