Serie

Hinter verschlossenen Türen des Kiliansdoms

Blick durch die Vierung in den Altarbereich. Eine Seilwinde über der Öffnung hält unter anderem Adventkränze und Sterne.

Foto: Oliver Bergmann

Blick durch die Vierung in den Altarbereich. Eine Seilwinde über der Öffnung hält unter anderem Adventkränze und Sterne. Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Erkundungstour durchs Gotteshaus. Durch den Gewölbe-Dachboden und über die Leiter in den Turm

Diese letzte Folge unserer Adventsserie „Türchen auf“ über die Pfarrkirche St. Kilian an der Haupteingangstür beginnen zu lassen, würde wenig Sinn machen. Sie steht jedem offen, alle Menschen sind in der Kirche willkommen, besonders jetzt in der Weihnachtszeit. Deshalb haben wir uns mit Volker Bellebaum verabredet. Der 48-Jährige kümmert sich um die Instandhaltung des 100 Jahre alten Bauwerks und besitzt die Schlüssel zu den Türen, hinter denen das technische Herz des Kiliansdoms schlägt. Diese Bereiche sind für den gewöhnlichen Kirchgänger normalerweise unerreichbar. Entweder weil die Tür ganz einfach verschlossen ist, oder weil der Körper signalisiert: bis hierhin und nicht weiter. Aber dazu später mehr. Ausnahmen gibt es natürlich. Wenn Gruppen durch den Dom geführt werden, übernimmt Diakon Peter Trotier den historischen Teil und Bellebaum den technischen.

Wie umgedrehte Trichtersind die Gewölbe erkennbar

Als erste Station wird über eine Wendeltreppe die Ebene über dem Kirchenschiff erreicht. „Unser Gewölbe-Dachboden“, erklärt Bellebaum und spielt damit auf das schräg gegenüber gelegene Haus Letmathe an, dessen Gewölbekeller durch die erfolgreiche Kulturreihe längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist.

Der Dachboden wäre nicht begehbar, wenn nicht in der Vergangenheit Holzstege angelegt worden wären. Sie führen in jede Ecke des Raumes. Wie umgedrehte Trichter sind unter ihnen die Gewölbe erkennbar. Sehen kann man sie nicht direkt, da sie von dämmender Glaswolle verdeckt sind. „Ich hab’ noch etwas“, sagt Volker Bellebaum und bittet darum ihm zu folgen. Er läuft auf eine kreisrunde Holzscheibe zu, die im Fußboden liegt. Darunter ein ebenso runder Einsatz aus Metall, der an den Laubfangkorb eines Straßengullys erinnert. Beide Elemente entfernt, wird der Blick in den Kirchenraum frei – eine tolle Perspektive. „Diese Öffnung nennt man „Vierung“, weil durch sie die vier Sandsteinpfeiler zu sehen sind“, erklärt Bellebaum. Die Vierung ist momentan besonders wichtig. Unter ihr hängt zur Adventszeit schon mal der Adventskranz, und an Heiligabend der große Stern.

Vierung wieder zu, runter vom Kirchenschiff, hinauf auf die nächste Ebene – die mit dem großen rechteckigen Holzkasten. In ihm befindet sich das golden glänzende Uhrwerk. Lauter Hebel, Zahnräder, Stahlseile. 1938 hergestellt von der Turmuhrenfabrik Bernard Vortmann in Recklinghausen. Bellebaum: „Die Uhr haben mein Vater und mein Großvater schon betreut. Damals musste der Küster alle zwölf Stunden hier hochgehen und die Uhr aufdrehen.“ Vor etwa 20 Jahren wurde dann auf elektrischen Betrieb umgestellt. „Fiele nun der Strom aus, ließe sich die Uhr mit wenigen Handgriffen wieder mechanisch betreiben.“ Ob altmodisch oder modern – Hauptsache sie läuft, und zwar richtig. „Geht sie mal fünf Minuten nach, bekommen wir sofort Anrufe.“ Das sei aber seltenst der Fall, weil sie funkgesteuert ist. Weiter geht’s. Die über der Uhren-Etage gelegene Balkonebene in 33 Metern Höhe ist vergleichsweise unspektakulär. Und an einem dieser trüben Tage, wie es sie zuletzt häufiger gegeben hat, ist selbst der Blick über Letmathe wenig ermunternd. Die Sicht ist schlecht, beinahe schon deprimierend.

Handinnenflächen werden feucht und die Knie weich

Aber dann: Noch einige Stufen höher, und der Glockenstuhl wird erreicht. Die vier Prachtexemplare vom Bochumer Verein für Gussstahltechnik, dessen Gründer Jakob Mayer es 1839 als erstem Deutschen gelang, Stahl zu gießen, hängen paarweise übereinander. Daneben: Die alte Leiter aus Holz, die weiter in den immer schmaler zulaufenden Kirchturm, auch Kirchturmhelm genannt, hinauf führt – bis kurz unter den Wetterhahn, der ganz oben thront. „Die Leiter ist stabil, keine Sorge, nur nicht nach unten gucken“, sagt Bellebaum noch aufmunternd. Er klingt auch glaubwürdig, schließlich ist er Schreinermeister. Weil aber etwa auf Höhe der oberen Glocken die Handinnenflächen feucht und die Knie weich werden, ist hier der Aufstieg in den Kirchturm, in einen Bereich, den bis auf Volker Bellebaum nur wenige besuchen dürfen, zu Ende.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik