Marienhospital

Letmather Hospitalgeschichte soll nach 146 Jahren enden

Früher gab es sogar eine Entbindungsstation. Das Marienhospital Letmathe

Früher gab es sogar eine Entbindungsstation. Das Marienhospital Letmathe

Foto: Privat/Stadtarchiv

Letmathe/Lüdenscheid.   Das Letmather Krankenhaus soll nach 146 Jahren Geschichte Ende des Jahres 2019 geschlossen werden. Details will der Landrat morgen erklären.

Vor 23 Jahren, am 3. Februar 1996, waren Tausende Letmather auf der Straße, um „ihr“ Marienhospital zu retten. Jetzt droht dem Krankenhaus, das seit 1873 in der Stadt ist, endgültig die Schließung. Die Märkische Gesundheitsholding GmbH&Co. KG, die Träger des Marienhospitals ist, will die Klinik zum Ende des Jahres 2019 schließen, wie die Heimatzeitung aus politischen Kreisen erfahren hat. Damit verlöre die ehemals selbstständige Stadt Letmathe ein Zentrum der Grundversorgung. Am morgigen Donnerstag um 11.30 Uhr will Landrat Thomas Gemke (CDU) im Kreishaus Lüdenscheid bei einer Pressekonferenz weitere Informationen zur Zukunft geben. Die 180 Beschäftigten des Marienhospitals werden um 9 Uhr über die Schließungspläne informiert.

Michael Scheffler (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Stadt und Letmather, erinnert sich gut an den Kampf für das Marienhospital, den Bürgerinnen und Bürger, Politik, Verwaltung und auch die Krankenhaus GmbH im Frühjahr 1996 massiv unterstützt haben. Damals hatte die Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Krankenkassen in Westfalen-Lippe den Versorgungsauftrag für das Marienhospital gekündigt. Am 27. Januar 1996, einem Samstag, waren dann Tausende auf der Straße, um gegen die drohende Schließung zu protestieren. „Die Entscheidung der Krankenkassen ist ein betriebswirtschaftlicher Wahnsinn, dem entschieden entgegengetreten werden muss“, waren sich Verwaltungschef, Pflegedienstleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft mit den seinerzeit 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einig.

Auch die Krankenhaus GmbH des Kreises, die heutige Märkische Gesundheitsholding, reagierte entsetzt und drohte sogar eine Verfassungsbeschwerde an. Der Kampf hat sich damals gelohnt – am 23. April 1996 stellte sich auch der damalige Gesundheitsminister des Landes NRW, Dr. Axel Horstmann (SPD), auf die Seite des Protestes und legte ministerialen Widerspruch gegen die Kündigung des Versorgungsvertrages ein.

Jetzt ist es die Märkische Gesundheitsholding selbst, die das Marienhospital loswerden will. 1974 als Märkische Kliniken GmbH gegründet, gehören inzwischen acht Gesellschaften zur Holding, die von einem Aufsichtsrat kontrolliert wird, an dessen Spitze der Werdohler CDU-Kreistagsabgeordnete und erste stellvertretende Landrat Detlef Seidel steht. Pikant an Seidels Rolle: Auch die Stadtklinik Werdohl ist auf ihre Wirtschaftlichkeit im Verbund mit dem Marienhospital Letmathe und dem Klinikum Lüdenscheid durchleuchtet worden. Die beiden kleinen Häuser haben eine ähnlich schlechte Bilanz, die Prognose für beide ist auch für die kommenden Jahre schlecht, beide Krankenhäuser blieben auf lange Sicht Pflegefälle mit Zuschussbedarf in Millionenhöhe. Das würde, so heißt es aus der Politik, die Gewinne des Klinikums in Lüdenscheid aufzehren, deshalb will die Holding jetzt die lebenserhaltenden Maßnahmen für eines der beiden Häuser Ende des Jahres abschalten. Und der Verlierer ist, so heißt es, das Marienhospital in Letmathe, das mit Personalmangel und schlechter Auslastung ein sterbenskranker Patient sei und zudem hohe Investitionen für modernen Brandschutz brauche. Erst 2018 habe man 800.000 Euro dafür investiert, 2019 sind noch einmal 1,2 Millionen Euro vorgesehen, dagegen seien von 113 Betten aktuell nur 76 belegt, zu wenig, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Die Fraktionen im Kreistag sind alarmiert, am nächsten Donnerstag will die der Sozialdemokraten das Thema bei der Fraktionssitzung aufrufen. „Bis dahin kein Kommentar“, lässt Fraktionschef Wolfgang Rothstein mitteilen.

„Wir werden als Abgeordnete aus Letmathe und Iserlohn klar zum Marienhospital stehen“, sagt Karsten Meininghaus, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, der vier Parteifreunde aus der Stadt angehören. „Ich erwarte eine Diskussion mit offenem Ausgang, da wird es keine einheitliche Meinung geben“, erwartet Meininghaus, stellvertretender Bürgermeister und Letmather, eine kontroverse Diskussion in der Sitzung seiner Kreistagsfraktion am Donnerstag der kommenden Woche.

Für Michael Scheffler steht ebenso fest: „Das werde ich nicht kampflos hinnehmen, wenn es dahin geht, das Krankenhaus in Letmathe zu schließen. Es ist ein Haus der Grundversorgung, und genau das brauchen wir hier.“

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