Tischgespräche

„Ich habe ja sowieso Sterbeverbot“

Thomas Reunert begrüßte (v. li.) Jean Marc Birkholz, Hans Kahlert und

Foto: Stefan Janke

Thomas Reunert begrüßte (v. li.) Jean Marc Birkholz, Hans Kahlert und Foto: Stefan Janke

Lössel.   Humorvoll, dann aber wieder auch nachdenklich waren die „Tischgespräche“, die IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert mit seinen Gästen Hans Kahlert, Benjamin Armbruster und Jean Marc Birkholz im Romantik-Hotel Neuhaus geführt hat.

Drei großartige Gäste mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und einem gemeinsamen Nenner, den Karl-May-Festspielen in Elspe, durfte Chefredakteur Thomas Reunert am Freitag und Samstag zum „Tischgespräch“ im Hotel Neuhaus begrüßen. Und mit ihm erwartungsfrohe Gäste, die neben dem Talk ein exzellentes Vier-Gänge-Menü genießen konnten. Die neue „Tischgespräche“-Saison, eine Gemeinschaftsproduktion von Parktheater, Heimatzeitung und Neuhaus wurde eröffnet mit einem Abend, der beides bot: Humorvolle Erinnerungen und nachdenkliche Resümees.

„Star des Abends“, und da hegten die beiden weiteren Gäste Jean Marc Birkholz und Benjamin Armbruster keinen Neid, war Hans Kahlert. Der 83-jährige Schauspieler hatte sich kaum aufs knallrote Sofa gesetzt, da sprudelte es schon dermaßen aus ihm heraus, dass Thomas Reunert ihn fast bremsen musste. Kahlert hatte aber auch viel zu sagen nach gut sechs Jahrzehnten in denen er -- meist in kleineren Rollen – im TV und auf Theaterbühnen zu sehen war und ist. Es sei nicht immer leicht gewesen, für ihn und seine „Leidgeprüfte“, seine Frau. „Wie oft hatte ich Angst“, sagte ein nachdenklicher Kahlert, der im selben Atemzug Sätze wie „Ich bin ein Glückspilz, ich kann nichts – außer Auto fahren“ und „Mir ging’s so schlecht, am liebsten ging ich im Regen am Gefängnis vorbei“ raushaut.

Eine „Stimmewie ein Spülklosett“

Der Mann mit der „Stimme wie ein Spülklosett“, wie er sagt. hat immer frei gearbeitet, von Job zu Job, von der Theaterbühne vor die Kamera. Oder auf der Freilichtbühne in Elspe, wo Kahlert von 1983 bis 1995 überwiegend in komischen Rollen wie dem Kantor Hampel oder Sir David Lindsay auftrat. Bekannt ist er als Onkel Krischan aus der TV-Serie „Neues aus Büttenwarder“. Dass er die Rolle des heute 106-Jährigen überhaupt bekommen hat, verdankt er seinem Gebiss, besser seiner – trotz Verbots seiner Frau – herausgenommenen Prothese beim damaligen Casting. „Da hatte ich Angst vor der ersten Ausstrahlung und ihre Reaktion.“

Der weise Mann, der niemandem raten würde, Schauspieler zu werden („Viel zu viel Probleme“), steht noch immer seinen Mann im Theatergeschäft, musste aber jetzt Dreharbeiten wegen dringend notwendiger Operationen unterbrechen. „Da haben die mir von der Produktionsfirma ,Sterbeverbot’ erteilt“, sagt Kahlert und lacht.

Verliebt nicht nur in Berlin, sondern auch in die Lehrerin

„Die Gäste sind doch eh nur wegen Hans Kahlert hier“, hatte Schauspieler Jean Marc Birkholz noch zwei Stunden vorher gescherzt und recht behalten. Denn Birkholz, aktueller Winnetou-Darsteller in Elspe, kennt seinen älteren Kollegen gut. Und das Geschäft nicht viel weniger. In der DDR geboren kam er später im Westen über eine Installateur-Lehre („Das war nichts“) zur Schauspielschule, verliebte sich in seine Lehrerin, als die ihm das Atmen mit dem Beckenboden beibrachte. Tatsächlich! Birkholz, der 2018 in der neuen Produktion „Der Kampf um Öl“ auf der Naturbühne zu sehen ist, nutzt die Saisonpause für andere Produktionen, reist dafür viel nach Russland, wo er schon seinen vierten Film gedreht hat. „Mein Herz schlägt schon für das Land“, gesteht er. Und dass er („Verliebt in Berlin“) eigentlich schlecht mit der Popularität umgehen kann, gerade mächtig verliebt sei und sich auf Weihnachten in Weißrussland mit „Hering im Pelzmantel“ freue.

Und während Jean Marc Birkholz in Plänen schwelgt, ruht „Winnetou i.R.“ Benjamin Armbruster in sich selbst. Das Leben als Schauspieler und Stuntman hat zwar ein paar Blessuren hinterlassen, doch der 72-Jährige ist fit und liebt es, heute seine Erfahrungen an junge Leute weitergeben zu können. Und das heißt für ihn auch, als Schauspieler „zweigleisig“ zu fahren, um Zeiten fehlender Engagements überleben zu können. Er weiß, wovon er spricht: „Um 17 Uhr runter vom Pferd in Elspe und dann um 20 Uhr Shakespeare in Bielefeld.“

Dem Wunsch des Moderators, diese illustre Truppe noch einmal zusammen zu bringen, schloss sich das Publikum applaudierend an. Hans Kahlert wäre dabei: „Ich habe ja sowieso , Sterbeverbot’.“

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