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Im Einsatz für junge Flüchtlinge

Die Mienen der Herren Weber, Schulte, Gökce und Hahne (von links) sind zwar etwas ernst. Was sie aber zu erzählen hatten, klang fast durchweg erfreulich.

Foto: Privat

Die Mienen der Herren Weber, Schulte, Gökce und Hahne (von links) sind zwar etwas ernst. Was sie aber zu erzählen hatten, klang fast durchweg erfreulich. Foto: Privat

Genna.   Vielversprechende Berufsbildungsinitiative von Kirchhoff Automotive

Programme, mit denen junge Flüchtlinge an den deutschen Arbeitsmarkt herangeführt werden, sind an sich nicht neu. Der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) beschritt im Frühjahr 2016 mithilfe der an ihn angeschlossenen Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne und heimischer Unternehmen bereits recht erfolgreich diesen Weg. Einige haben im Spätsommer dieses Jahres eine Ausbildung begonnen.

Diesen Weg beschreitet inzwischen auch das Automobil-Zulieferunternehmen Kirchhoff-Automotive. „Das Neue daran ist, dass diesmal eine Firma mit dem Ziel an uns herangetreten ist, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, erklärte der Geschäftsführer der als Kooperationspartner beteiligten Euroschulen, Özgür Gökce, gestern bei einer Pressekonferenz am Letmather Standort der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne. Soviel vorab: Die Bilanz, die einen Monat vor Projektende gezogen wurde, fällt unter dem Strich erfreulich aus.

Kirchhoff Automotive war durch den Technischen Ausbildungsleiter Stefan Jetziorski und Eva Rademacher, Assistentin des Abteilungsleiters für Kommunikation und Marketing, vor Ort. Für Auskünfte und Fragen der Berichterstatter standen außerdem Friedrich Hahne, Bereichsleiter beim Jobcenters Märkischer Kreis, Josef Schulte stellvertretender MAV-Geschäftsführer und Andreas Weber, Geschäftsführer der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne, zur Verfügung. Sie alle waren schnell zu einer Kooperation bereit.

In Phase eins wurden die zunächst 15 jungen, aus Syrien stammenden und ausgewählten Flüchtlinge, sprachlich geschult. Der Schwerpunkt lag auf dem fachspezifischen Wortschatz, der in Berufen der Metalltechnik benötigt wird. Praktisches Grundlagenwissen wurde den jungen Männern in Phase zwei vermittelt. Zerspanen, Fräsen, Löten, Schweißen, Drehen – das volle Programm. Und schließlich das zweimonatige Praktikum, das am 9. Oktober in zunächst sieben Unternehmen begonnen hat. Neben Kirchhoff stiegen die Flüchtlinge bei Lobbe, Burgtec, Springtec, Thiele, BWS und Dieckmann ein.

Jetzt ist also Halbzeit der heißesten Phase – und alle Beteiligten wissen woran sie sind. „Es ist eine gute und motivierte Truppe beisammen“, berichtete Gökce. Nur drei Flüchtlinge sind nicht mehr dabei. Ausgeschieden ist unter anderem der Praktikant, der beim Beschlägehersteller Dieckmann anfing, aber nicht so recht glücklich wurde. Produktionsleiter Joachim Harmansa schildert: „Wir hatten einen fachlich und sprachlich guten Praktikanten. Aber ich habe bei ihm eine gewisse Enttäuschung festgestellt. Er hat gemerkt, dass diese Arbeit nichts für ihn ist.“

Ganz anders die Erfahrungen bei Kirchhoff. Stefan Jetziorski: „Unsere fünf Praktikanten sind sprachlich sehr gut drauf und sie waren sofort einsetzbar. Und zu unserer Überraschung wussten sie sofort wo sie später einmal hin wollen. Sie werden wir in unser nächstes Bewerbungsprozedere auf jeden Fall einbeziehen.“

Bei Thiele hat Heike Hensler, die in dem Kalthofer Traditionsunternehmen für Personal und Soziales zuständig ist, ähnliche Erfahrungen gemacht. „Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Auch die Chemie zwischen Praktikanten und Kollegen stimmt.“

Unternehmen wollen den Kontakt unbedingt halten

Einige hohe Hürden sehen die Beteiligten auf die Gruppe noch zukommen. Sie ist gut – aber gut genug für die Berufsschule? In dem dort herrschenden Niveau sieht Özgür Gökce noch eine „riesige Herausforderung“, wenngleich er auch betont, dass die Euroschulen über die nötigen Instrumente verfügen, um die Flüchtlinge fit zu machen. Auf Unternehmerseite besteht zudem die Sorge, dass während der Zeit zwischen dem Ende des Praktikums im Dezember und dem Ausbildungsstart im Spätsommer die Bindung zwischen Betrieb und Praktikanten verloren gehen könnte. An dieser Stelle meldete sich Friedrich Hahne zu Wort. „Die berufliche Einstiegsqualifikation wäre ein Weg, um in Kontakt zu bleiben.“

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