Soziales

Im Pfarrhaus herrscht wieder Leben

Die vier Bewohner der neuen WG der Netzwerk Diakonie wurden von der evangelischen Kirchengemeinde herzlich begrüßt.

Die vier Bewohner der neuen WG der Netzwerk Diakonie wurden von der evangelischen Kirchengemeinde herzlich begrüßt.

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   „Netzwerk Diakonie“ hat an der Lessingstraße eine Wohngruppe gegründet. Junge Menschen mit Behinderung leben direkt gegenüber der Friedenskirche.

Warme Sonnenstrahlen drangen am Freitagnachmittag durch die Fenster des Pfarrhauses der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe an der Lessingstraße. Drinnen mischten sich die Düfte von Kaffee und frischem Kuchen, die zahlreichen Gäste unterhielten sich miteinander. So viel Leben herrschte lange nicht mehr in dem direkt gegenüber der Friedenskirche gelegenen Haus.

Fast drei Jahre ist es her, dass mit Pfarrer Hans-Peter Marker der bis dahin letzte Bewohner auszog. Jetzt hat die Kirchengemeinde ihr seitdem ungenutztes Pfarrhaus gemeinsam mit der „Netzwerk Diakonie“ wieder wachgeküsst. Darin leben jetzt fünf junge Menschen mit einer Behinderung zwischen 21 und 29 Jahren, für einen sechsten ist noch Platz. Auf insgesamt 200 Quadratmetern Fläche hat jeder seinen eigenen Wohnbereich und ein eigenes Badezimmer. Eine neue Küche ist eingerichtet worden, ebenso mehrere Aufenthaltsbereiche, die gemeinsam genutzt werden können.

Bewohner regeln alles,bei Bedarf eben mit Hilfe

50 000 Euro hat die „Netzwerk Diakonie“ investiert und mit diesem Geld auch noch die Hauselektrik modernisiert. Und siehe da: Es funktioniert. „Super gut sogar“, sagt Franziska Hillemanns und begründet: „Die Mitbewohner sind total nett, und ich fühle mich wohl hier.“ Gerne kocht sie mit den anderen, ihr sind Nudeln am liebsten. Und Streit? „Gibt’s auch manchmal, aber der legt sich schnell wieder. Der Grund ist meistens, dass jemand den Abwasch vergessen hat.“ Tagsüber arbeitet sie wie die anderen in den Iserlohner Werkstätten der Diakonie Mark-Ruhr, zu Hause können sie im Bedarfsfall mit der Unterstützung durch Betreuer rechnen. Einkaufen, putzen, kochen – die Tagesstruktur erfordert manchmal eine helfende Hand. Demnächst, wenn draußen wieder alles zu blühen beginnt, kommt auch noch die Gartenpflege hinzu. Dort sollen Obst und Gemüse angebaut werden.

Die Gruppe sei bereits zu Sechst gewesen, sagt Torsten Severing, der als zuständiger Bereichsleiter der „Netzwerk Diakonie“ zuvor bereits fünf ähnliche Wohngruppen auf die Beine gestellt hat. „Der sechste Platz ist wegen Heimweh wieder frei geworden.“

Kirche ist froh über nachhaltige Nutzung

Die Diakonie ist zufrieden, die Bewohner sind es, die Kirchengemeinde ebenfalls. Alle betonten die Nähe zur Letmather Innenstadt als großen Vorteil, Teile des Presbyteriums hatten sich zum Besuch angekündigt, natürlich war Pfarrer Burckhardt Hölscher dabei. Er ist richtig froh über diese Lösung, die vertraglich für die nächsten 15 Jahre fixiert ist. „Wir wollten das Pfarrhaus nicht mit aller Macht verhökern, sondern sinnvoll und diakonisch nutzen.“ In der Vergangenheit sei es auch als Unterkunft für Flüchtlinge im Gespräch gewesen. „Aber hier sollten 15 Personen einziehen. Daraufhin haben wir gesagt, dass wir diesen Zirkus nicht mitmachen. Jetzt haben wir eine nachhaltige Nutzung gefunden“, freut sich Hölscher.

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