Innenstadt

In der Letmather City öffnet ein Mini-Weihnachtsmarkt

„Waffelliebe“-Inhaberin Derya Dilan Tas (re.) fachsimpelt mit Sabine Schlücking von der Letmather Leprahilfe an ihrem neuen Stand vor Paul Nowaks Edeka-Markt an der Hagener Straße.

„Waffelliebe“-Inhaberin Derya Dilan Tas (re.) fachsimpelt mit Sabine Schlücking von der Letmather Leprahilfe an ihrem neuen Stand vor Paul Nowaks Edeka-Markt an der Hagener Straße.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Die „Waffelliebe“ hat einen Außenposten am Edeka-Markt eröffnet. Heute soll noch ein anderer Stand dazukommen.

Mittags auf der Hagener Straße: Der Geruch frisch gebackener Waffeln steigt Besuchern der Innenstadt auch durch die Stoffmaske in die Nase. Kunden, deren Weg durch den Vordereingang von Paul Nowaks Edeka-Markt „Alles Frische“ führt, bleiben vor einer festlich geschmückten Holzbude stehen. Obwohl der Weihnachtsmarkt längst abgesagt ist, scheint hier genau so ein Stand sein Lager aufgeschlagen zu haben, wie man ihn aus der Adventszeit kennt.

Hinter dem Tresen steht Derya Dilan Tas, die eigentlich an der Friedrichstraße in Iserlohn mit ihrem Ehemann Husseyn den „Mundkeule“-Imbiss und das „Waffelliebe“-Café betreibt. Während der Außerhausverkauf der pikanten Sucuk--Wurstgerichte und anderer orientalischer Spezialitäten in der „Mundkeule“ derzeit einigermaßen gut laufe, sei der Waffel-Laden komplett geschlossen, berichtet die Inhaberin: „Mit dem Café ist es schwierig, die Leute wollen sich gemütlich reinsetzen. Im ersten Lockdown haben wir es mit einem Waffel-Lieferdienst versucht, das hat einfach nicht funktioniert.“

Der Außerhausverkauf lohnt sich nicht für jeden

Im Internet sei sie dann aber auf einen Aufruf von Paul Nowak aufmerksam geworden, der dort ankündigte, lokale Gastronomen unterstützen zu wollen. Derya Dilan Tas nahm Kontakt auf und eine Abmachung war schnell getroffen. Seit ein paar Tagen steht sie deshalb mit ihrer Bude vor dem Supermarkt. Der Geruch weckt Appetit, zum Beispiel bei dem 75-jährigen Hans-Peter Priewe aus Letmathe, der sich die erste Waffel der Saison zum Mitnehmen backen lässt. „In der Vorweihnachtszeit gehört das dazu“, sagt er und freut sich über das Quäntchen Weihnachtsmarkt-Atmosphäre.

Mit einer der nächsten Kundinnen gerät Derya Dilan Tas ins Fachsimpeln: Sabine Schlücking von der Letmather Ortsgruppe der Lepra- und Tuberkulosehilfe kennt sich mit Waffeleisen aus, immerhin organisiert sie seit vielen Jahren die wohltätigen Waffelbackaktionen auf der Kilianskirmes. Wegen der Umgestaltung des Saalbau-Außengeländes mache sie sich keine Sorgen, versichert sie bezüglich der Kritik an den dort aufgestellten Stelen: „Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, war ich auch verunsichert“, räumt sie ein, inzwischen habe sie sich jedoch davon überzeugt, dass ihr Stand noch immer Platz findet. „Die Frage ist eher, ob die Kirmes nächstes Jahr überhaupt stattfinden darf“, merkt Sabine Schlücking resigniert an.

Angeordnete Schließungfühlt sich ungerecht an

Auch die Waffelliebe-Inhaberin macht keinen Hehl daraus, dass die Situation schwierig ist. „Ich kann keine Kurzarbeit anmelden, und auf die versprochene Hilfe für November warten wir noch.“ Die Miete für die beiden Lokale aufzubringen, sei derzeit nicht einfach. Die politische Entscheidung, die Gastronomie wieder zu schließen, frustriert sie: „Ich verstehe das nicht. Wir haben uns Hygienekonzepte überlegt und investiert, damit unsere Gäste sicher bei uns essen können. Und jetzt sind wir die ersten, die wieder zumachen mussten.“ Noch dazu sei aktuell ja keine Entspannung in Sicht, die Auflagen würden nur noch weiter verschärft. „Ich glaube nicht, dass wir im Dezember wieder aufmachen dürfen“, sagt Derya Dilan Tas. Sie und ihr Mann haben ein Kind zu versorgen und befürchten, dass zumindest einer der beiden Gastronomiebetriebe nicht überleben wird, wenn 2021 weitere Lockdowns folgen sollten. Umso dankbarer zeigt sich die Waffelbäckerin, dass sie mitten in der Letmather City ihre Leckereien anbieten darf und die finanziellen Verluste dadurch ein wenig abfedern kann. Bis auf Weiteres soll der Stand täglich außer sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet haben.

Ab heute wird außerdem ein Stand mit gebrannten Mandeln und Bratäpfeln der Schaustellerfamilie Hartmann den Miniatur-Weihnachtsmarkt ergänzen. „Kinderaugen müssen glänzen“, sagt Paul Nowak, der von den Budenbetreibern nach eigenen Angaben nur geringe Unkostenbeiträge erhebt: „Und die werden ans Hospiz gespendet.“

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