Gemeindeleben

Innere Einkehr zwischen Gerüsten

Zum Gottesdienst zwischen Baugerüsten kamen 50 Gläugige in den Kiliansdom.

Zum Gottesdienst zwischen Baugerüsten kamen 50 Gläugige in den Kiliansdom.

Foto: Max Winkler

Letmathe.   Die Gemeindemitglieder genossen die besondere Atmosphäre beim Baustellengottesdienst im Kiliansdom.

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Große Baustellenschilder weisen den Weg. Normalerweise sollen sie die Menschen am Betreten hindern, jetzt bilden sie sozusagen das Begrüßungskomitee: Die Holztür geht auf, Eintritt in eine fremde Welt.

Ins grelle Licht von 45 Neonröhren getaucht, öffnet sich ein monumentaler Raum. Ein Objekt, wie aus einem Bild des Grafikers M. C. Escher, ein Schiff auf dem Trockendock oder doch ein unbekanntes Flugobjekt? Der Kopf sinkt unwillkürlich in den Nacken – man kann gar nicht anders. Was für eine Höhe! 30 Meter sind es. Stahlgerüst statt Neugotik, Dixi-Klo statt Orgel – so lautet bis Sommer 2019 in St. Kilian die Devise.

Großes Interesse an den Renovierungsarbeiten

Das Interesse in der Kirchengemeinde, wie es mit den Renovierungsarbeiten in der größten Hallenkirche im Märkischen Kreis vorangehe, sei groß gewesen – weiß Pastor Frank. D. Niemeier. Er zog daraus die Konsequenz und lud unter dem Motto „Um Gottes willen“ zum Baustellengottesdienst. Pastor Niemeier: „Eben jenes mag so mancher gedacht haben, als er die Baustelle betreten hat!“ Innere Einkehr zwischen Gerüsten – darf man das? „Natürlich verbinden viele Menschen mit dem Wort Baustelle eher negative Gefühle wie Lärm, Streit, Gefahr und Ärger“, so Niemeier. „Aber Baustellen stehen auch immer für Pläne und Visionen – für die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten!“ An dieser Zukunft wird im Kiliansdom derzeit mächtig gearbeitet: zwölf Sattelschlepper brachten das Baugerüst, vier Gerüstbauer haben daran sechs Wochen gearbeitet. Schreinermeister Volker Bellebaum aus Letmathe betreut das Mammut-Projekt vor Ort. „Als Handwerker sieht man viele Gerüste, aber das hier ist schon etwas Besonderes. Alles ist extrem durchdacht und sicher muss es auch sein“, sagt er.

In den oberen Gewölben haben sich Risse gebildet

„Die Baustelle läuft gut“, lobt Bellebaum. „Wir sind unserer Zeit sogar voraus.“ Ziel sei es, die Renovierung bis Mitte Juni 2019 beendet zu haben. Trotzdem ähnelt so ein Bauwerk oft einer Wundertüte – man weiß nie, was die Arbeiten noch ans Licht bringen werden. Der Schreinermeister: „In den oberen Gewölben haben sich Risse gebildet, diese müssen nun nach den Richtlinien des Denkmalschutzes geschlossen werden.“ Auf der Baustelle Kiliansdom ist vieles anders: Seit sechs Wochen sind die Maler damit beschäftigt, alle weißen Flächen mit Spezialschwämmen zu reinigen – per Hand.

Grauschleier durch Kerzenruß der letzten 40 Jahre

Die Wände sollen wieder in ihrer ganzen Reinheit erstrahlen, der Ruß unzähliger Kerzen hat ihnen über die letzten 40 Jahre – 1978 fand die letzte Innenraumrenovierung statt – einen Grauschleicher verpasst. Später sollen neue rußärmere Kerzen zum Einsatz kommen. Der Angst einiger Kirchenbesucher, ihren „Dom“ nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr wieder zu erkennen, erteilt Bellebaum eine Absage: „Wir gehen bei der Renovierung sehr vorsichtig ans Werk, alle Farben bleiben so, wie sie sind. Auch der rötliche Sandstein der großen Säulen bleibt unverändert.

Und wofür das alles? „Wir brauchen besondere Orte der Ruhe und Einkehr, die uns herausreißen aus der Alltäglichkeit, die uns manchmal auffrisst“, ist Pastor Niemeier sicher. „Es sind Orte, an denen Freude und Trauer vor Gott gebracht werden!“ Und deshalb packen beim Lennedom auch in Zukunft alle kräftig mit an.

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