Kleinkunst

Kaffeehausliteratur von einem echter Wiener

Mit charmantem Wiener Schmäh begeisterte Helmut Thiele bei seinem ersten Auftritt in Genna.

Mit charmantem Wiener Schmäh begeisterte Helmut Thiele bei seinem ersten Auftritt in Genna.

Foto: Annabell Jatzke

Letmathe.  Schauspieler Helmut Thiele hat im Rahmen der Melange-Reihe seine Premiere bei Pollmeiers gefeiert.

Mit charmanten Wiener Schmäh begeisterte Schauspieler und Sänger Helmut Thiele am Freitagabend in der Gaststätte Pollmeier. Zum ersten Mal war gebürtige Österreicher dort zu Gast, wenngleich er schon lange in der Melange-Reihe auftritt.

Im Gepäck hatte Thiele sein Programm „Wiener Melange. Kabinettstückchen der Kaffeehausliteratur“. „Heute wird es endlich mal original“, kündigte Melange-Geschäftsführer Dr. Thomas Eicher den Künstler an. Seitens der Literarischen Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur freut man sich über die Zusammenarbeit mit einem echten Österreicher. Wer kann schließlich die typisch österreichische Kaffeehauskultur besser vermitteln?

Iserlohn in den „hohen Norden“ verlegt

Und der Abend hielt, was er im Vorfeld versprach. Thiele, der ein breites Spektrum Wiener Kaffeehausliteraten präsentierte, fand schnell einen Draht zum Publikum. Spätestens, als er Iserlohn als hohen Norden bezeichnete, hatte er die ersten Lacher auf seiner Seite. Entschuldigte sich aber sogleich für seine Wortwahl. Im Vergleich zu seiner österreichischen Heimat liege Iserlohn wahrlich im hohen Norden.

Aus der Gaststätte Pollmeier machte er das „Café Pollmeier“, passend zu seinem Programm. „Ich habe die ehrenwerte Aufgabe, das Café Pollmeier anzuwienern“, so der sympathische Künstler. Schon gleich hatte er ein erstes Stichwort. Das Wort „Wienern“ habe mit Sauberkeit zu tun, Wien und Sauberkeit seien aber einst Gegensätze gewesen. Mit Wiener Dialekt, der passenden Mimik und Gestik, gab Thiele dann Texte von bekannten Österreichern zum Besten. Er rezitierte unter anderem Johann Nestroy, Peter Altenberg aber auch beispielsweise den deutschen Schriftsteller Paul Fechter.

Er beantwortete die Frage, warum der Wiener so gerne ins Kaffeehaus geht. Im Kaffeehaus ist man nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft. Wobei viele Kaffeehausliteraten die Wiener Kaffeehäuser zum Leben nutzten und lediglich zum Schlafen heimgingen. Gerade das berühmte Café Central war sehr beliebt unter den Literaten und galt in Künstlerkreisen als „Weltanschauung“. In ihrer goldenen Zeit waren die Kaffeehäuser Zufluchtsort, Rettungsstation und vieles mehr für die Wiener Originale.

Seitenhiebe auf die Deutschen

Seit 33 Jahren nun schon ist Deutschland die zweite Heimat von Thiele. „Ich bin kein Burgschauspieler, sondern höchstens ein Schlossschauspieler“, so Thiele in Bezug auf sein früheres Engagement am Schlosstheater Celle. Wenngleich er schon so lange in Deutschland lebt, den einen oder anderen Seitenhieb auf die Deutschen kann er sich in seinem Programm nicht verkneifen.

Nach seinem ersten Gastspiel in Genna hoffen natürlich alle auf ein Wiedersehen mit Thiele und seinen vielen weiteren Programmen.

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