Stadtleben

Keine Lobhudelei bitte!

Kulturdezernent Jochen Köhnke und die Leiterin der Iserlohner Stadtbücherei, Gudrun Völcker (re.), gehörten zu den vielen Gästen, die Christa Volkmann am Freitag verabschiedet haben. Foto:Ralf Tiemann

Kulturdezernent Jochen Köhnke und die Leiterin der Iserlohner Stadtbücherei, Gudrun Völcker (re.), gehörten zu den vielen Gästen, die Christa Volkmann am Freitag verabschiedet haben. Foto:Ralf Tiemann

Letmathe.   Christa Volkmann verabschiedet sich mit einem langen Abend der Bücherei, bei dem der scheidenden Zweigstellenleiterin aber nicht jeder Wunsch erfüllt worden ist.

Es war ein Abschied, wie ihn sich Christa Volkmann gewünscht hat – keine offizielle Feierstunde, bei der allein sie im Mittelpunk steht, sondern ein langer Abend der Bücherei, bei dem es vor allem um Literatur, um die Begegnung mit Weggefährten, Freunden und Familie und natürlich um „ihre“ Bücherei ging, für die sie mehr als 40 Jahre gearbeitet hat. Einen solchen Abend, sagt sie, habe sie sich schon immer gewünscht. Er sei schon oft angedacht gewesen, nur umgesetzt hatte sie einen derartig langen Abend der Bücherei mit Kulturprogramm und lockerer Party-Stimmung nie. Nun, da sie zum letzten Mal als Leiterin der Letmather Bücherei-Zweigstelle öffentlich in Erscheinung trat, hat sie sich diesen kleinen Traum aber doch noch erfüllt.

Der „Lauschsalon“ mit der Schauspielerin Anja Bilabel und dem Pianisten David Heinrich sorgte für den kulturellen Rahmen. Sie zogen das Publikum mit ihrem Kammerhörspiel „Adel verpflichtet“ nach dem Krimi von Oscar Wilde in ihren Bann. Vor allem wurde es aber wie erhofft ein Abend mit vielen Gesprächen und Begegnungen in lockerer Atmosphäre, bei dem Christa Volkmann sehr liebevoll und mit viel Herzlichkeit und noch mehr Geschenken und guten Wünschen von ihrem engeren Kreis verabschiedet wurde – mit Sicherheit war das ganz nach ihrem Wunsch.

Nur den Wunsch, sich bitte nicht in Lobhudelei zu ergehen, konnten diejenigen, die zu Beginn des Abends das Wort ergriffen, nicht wirklich erfüllen. Der neue Kulturdezernent Jochen Köhnke, der Christa Volkmann erst einen Tag vorher kennen gelernt hatte, hat sich eine Menge Mühe gemacht, um ihre lange Laufbahn als Angestellte der Stadt Iserlohn Revue passieren zu lassen – von ihrem Start als junges Fräulein Lehmann, über all die Veränderungen, die die Letmather Bücherei erlebt hat, bis hin zu ihrem jetzigen Abschied. Und auch Ulrich Pagenstecher und Gudrun Völcker als ehemaliger Leiter und jetzige Leiterin der Iserlohner Stadtbücherei haben tief in den Erinnerungen gekramt und einige Anekdoten und besondere Ereignisse ins Gedächtnis gerufen. Authentisch, verlässlich, beliebt, kollegial, fair, überzeugend, meinungsstark, erfolgreich, bescheiden: Die Liste der Attribute, mit der Christa Volkmann in den Redebeiträgen belegt wurde, ließe sich noch fortsetzten – ohne Lobhudelei ging es eben nicht. „Wenn ein Letmather das Wort Bücherei hört, denkt er an dich“, fasste Gudrun Völcker die Bedeutung ihrer scheidenden Zweigstellenleiterin zusammen. Hier geht in der Tat eine Ära zu Ende.

Christa Volkmann war natürlich gerührt, erklärte aber, sie habe all die Jahre immer nur ihre Arbeit getan. All das sei schlicht eine Selbstverständlichkeit für sie gewesen. Und sie habe auch jede Menge Glück gehabt: eine schwere Krankheit besiegt, 37 Jahre verheiratet und immer fest zusammen gehalten, schon acht Mal sei sie in Aus­tralien gewesen, und in ihrem Amt habe sich ich trotz der vielen tiefgreifenden Veränderungen und der Anstrengungen vor allem der letzten Jahre immer sehr wohl gefühlt. „Wir haben hier eine sehr heile Welt“, sagt sie mit Blick auf die netten Leser in Letmathe und die wunderschönen Räumlichkeiten im Haus Letmathe.

Wobei gerade die Wahl dieses Hauses der einzige Wermutstropfen sei, den sie bedauert. Bei aller Schönheit des Gebäudes – im Jahr 2004 waren die Weichen schon so gut wie gestellt, damit die Bücherei in das Alte Rathaus an der Hagener Straße gezogen wäre. Dorthin, mitten ins Leben, als Treffpunkt mitten in der Stadt hätte die Bücherei eigentlich hin gehört. Für die Zukunft wünscht sich Christa Volkmann, dass die Bücherei wie jede Einrichtung, die sich im Sog der medialen Revolution befindet, einen jungen neuen Leiter, mit dem es mit Frische und neuen Ideen in die Zukunft geht, erhält.

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