Halloween

Kinder kriegen Süßes statt Saurem im Horrorhaus von Oestrich

Ein paar Nachbarn haben den Trend aufgegriffen, aber der Vorgarten der Familie Muhr stellt in Oestrich alles andere in den Schatten.

Ein paar Nachbarn haben den Trend aufgegriffen, aber der Vorgarten der Familie Muhr stellt in Oestrich alles andere in den Schatten.

Foto: Alexander Barth

Oestrich.  Mit ihrer Begeisterung für Halloween stecken Kirsten und Peter Muhr einen Teil der Nachbarschaft an. An der Tür bildeten sich Schlangen.

Geister und Hexen haben den Vorgarten erobert, das Haus in der Kampstraße zieht Blicke auf sich. Spinnenweben überziehen die Hecken, Fäden eines Netzes führen bis zur Regenrinne. Von Weitem sichtbar streckt ein Geist mit schwarzem Zylinder seine Klauen über die Szenerie aus – die mehr als drei Meter große Figur scheint Besucher packen und verschlingen zu wollen.

Selbst die Klingel an der Haustür hat ein Eigenleben

Wer sich an diesem Mittwochabend auf das Grundstück wagt, braucht starke Nerven. „Vorsicht, Gefahr“ warnt ein gelbes Absperrband auf Englisch. Schädel und Kürbisfratzen starren von allen Seiten, abgetrennte Gliedmaßen lassen das Blut in den Adern gefrieren. Leuchteffekte und verborgene Lautsprecher tun ihr übriges. Gelächter schallt über das Grundstück, tiefe Stimmen stoßen unverhohlene Drohungen aus. Nach diesem Spießrutenlauf an der Haustür angekommen, lauert der nächste Schreck: An der Klingel öffnet sich ein blutunterlaufenes Auge blickt sich schaurig leuchtend um.

Für den Nachwuchs, der buchstäblich Schlange steht, lohnt sich der Mut: Kirsten und Peter Muhr haben eine riesige Blechdose mit Süßigkeiten vorbereitet. „Wir wollen nichts Saures, also bekommt ihr Süßes“, antwortet die als Hexe kostümierte Hausherrin den gespielten Drohungen der Kinder.

Das Ehepaar ist stolz auf die Kulisse und die Aufmerksamkeit. „Busfahrer haben schon angehalten, um die Fahrgäste gucken zu lassen“, berichtet Kirsten Muhr. Auch Marie Alsdorf und Lisa Pause, beide 16 Jahre alt, bleiben stehen und bewundern das Ergebnis. „In Oestrich ist an Halloween sonst nur tote Hose“, kommentiert Marie. Öffentliche Angebote wie im Jugendzentrum richten sich nur an Kinder, bemängeln die Jugendlichen. Die beiden sind unterwegs zu einer Party bei Freunden – die einzige Alternative, wenn man nicht gerade Mama und Papa um Geld fragen wolle, um eine Party in Dortmund zu besuchen, bemerkt Lisa.

Viele Stücke sind Souvenirs aus dem Amerika-Urlaub

Vor drei Jahren haben die Muhrs das Haus in der Kampstraße bezogen und dekorieren seitdem auch an Weihnachten mit großem Aufwand. Die Mittfünfziger sind Amerika-Fans, dort decken sie sich im Urlaub ein. Dafür sparen sie eisern und fahren nur alle paar Jahre. Figuren wie eine lebensgroße Hexe, die nicht nur mit Licht- und Soundeffekten aufwartet, sondern sich von Servomotoren gesteuert sogar bewegt, bekommt man in Deutschland bestenfalls in Onlinehandel.

„In den USA werden ganze Fabrikhallen für den Verkauf genutzt. Total irre, wir konnten anfangs nicht fassen, wie viel Zeug die haben“, berichtet Kirsten Muhr. Die Exponate in Vorgarten und im Haus seien noch nicht mal alles, im Keller lagere noch mehr. Zu den geladenen Gästen (im Vorjahr waren rund 90 da) zählen auch Tochter und Sohn – immerhin gibt es am 31. Oktober noch etwas zu feiern: den Geburtstag des Familienvaters.

Zu ihrer Motivation betont Kirsten Muhr: „Ich mache gern anderen eine Freude.“ Es gehe um die leuchtenden Kinderaugen. Dass christliche Traditionalisten den Halloweenhype kritisch betrachten, kümmert die beiden nicht, Religion spielt kaum eine Rolle in der Familie. Die Resonanz sei bisher überaus positiv aufgefallen, nicht nur von Bekannten. „Inzwischen erwarten die Leute schon, dass es an Halloween etwas zu sehen gibt. Aber nächstes Jahr müssen sie darauf verzichten, wir wollen uns auch mal einladen lassen“, sagt Peter Muhr und lacht.

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