Orientierungstafeln

Kirchenführung auf eigene Faust im Letmather Kiliansdom

Peter Trotier präsentiert die neuste Errungenschaft des Fördervereins: Die beidseitig bedruckten Orientierungstafeln führen über 31 Stationen durch den Lennedom. Rechts eine Figur des heiligen Kilian.

Peter Trotier präsentiert die neuste Errungenschaft des Fördervereins: Die beidseitig bedruckten Orientierungstafeln führen über 31 Stationen durch den Lennedom. Rechts eine Figur des heiligen Kilian.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Im Letmather Kiliansdom können sich Besucher dank neuer Handtafeln jetzt auch ohne eine Führung zu buchen einen Überblick verschaffen.

Anders als inzwischen viele katholische Gotteshäuser in Deutschland steht der Kiliansdom Besuchern auch außerhalb von Gottesdienstzeiten offen. Man muss also keine Führung buchen, findet bei einem spontanen Besuch aber auch nicht immer jemanden, der architektonische und kirchengeschichtliche Fragen beantworten kann. Deshalb hat der Förderverein schon vor einer Weile (wir berichteten) Orientierungstafeln konzipiert, die einen selbstbestimmten Rundgang ermöglichen sollen.

„Touristen können sich damit einen Überblick verschaffen und auch für Einheimische kann es sich lohnen“, meint der Diakon und Erste Vereinsvorsitzende Peter Trotier, schließlich nehme man auch in vertrauten Umgebungen oft viele Details nicht wahr, solange man nicht darauf aufmerksam gemacht wird. Und im Lennedom hat sich bei der jüngsten Sanierung das eine oder andere geändert: „Der Kirchenführer bildet mit seiner aktuell dritten Auflage nur den Stand bis zur Renovierung ab“, erklärt Trotier, und eine Neuauflage sei in absehbarer Zeit nicht geplant.

Zwei Objekte warten coronabedingt noch im Safe

Die „Freunde des Kiliansdoms“ waren vorausschauend und haben auf den Handtafeln sogar zwei Objekte beschrieben, die coronabedingt heute noch nicht zu sehen sind: Die Kiliansreliquie (Station 17) und das Intarsienkreuz mit Passionsnagel (Station 23). Die nötigen Sicherheitsvorkehrungen beziehungsweise Aufhängungen sind noch nicht installiert – Handwerksfirmen hatten in den letzten Monaten andere Prioritäten. Aus demselben Grund stehen die Orientierungstafeln erst seit Kurzem im Eingangsbereich für Besucher bereit: Ein geeigneter „Spender“ musste erst noch konstruiert und aufgestellt werden. Insgesamt habe der Förderverein um die 1500 Euro investiert und dafür äußerst langlebige Alu-Dibond-Tafeln bekommen. „Wir lagern auch noch welche auf Vorrat für den Fall, dass wir Ersatz brauchen“, merkt Trotier an. Im Übrigen spende der Förderverein mindestens in gleichem Umfang für wohltätige Zwecke, auch wenn das nicht an die große Glocke gehängt werde.

Die beidseitig bedruckten Tafeln führen auf einem Rundweg durch die Pfarrkirche, vorbei an der restaurierten Kriegergedächtniskapelle mit der „Achtermannschen Pietà“, Holzfiguren verschiedener Schutzheiliger und dem „Kiliansfenster“ zum Altarraum. Hier sind in zwei Seitenaltären Reliquien der Päpste Pius X. und Johannes Paul II. sowie eine lateinische Zürcher-Bibel aus dem Jahr 1543 zu besichtigen. Vorbei an der Kanzel von 1878 geht es auf der anderen Seite zurück, am Wegesrand warten eine Figur des heiligen Kilian von 1845 und das Vesperbild „Schmerzhafte Mutter“, das auf 1700 datiert wird.

Orgel, Glocken, Sakristei und der Gang über dem Gewölbe können als einzige Stationen nur mit Führung aus der Nähe besichtigt werden und sind farblich hervorgehoben. Kurz vor Ende des Rundgangs wartet noch die Taufkapelle der Vorgängerkirche (Abriss 1917), die mit der Sanierung wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt worden ist. „Das war mir ein persönliches Anliegen“, sagt Trotier, der das Ergebnis lobt.

Der Pastoralverbund blickt mit Sorge auf Weihnachten und befürchtet infektionsbedingte Verbote von Präsenzgottesdiensten. In diesem Zusammenhang bittet Kirchenbaumeister Volker Bellebaum die Gemeinde um Geld für die installierte Technik zur Übertragung im Internet: „Wir sind dafür leider auf Spenden angewiesen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben