Arbeitswelt

Kleine Hilfen mit großem Effekt

Die Pojektbeteiligten (v. li.): Frank Kykal, Jörg Otto, Hans-Jürgen Eisel, Silke Menzel, Melanie Kowalski, Regina Guntermann und Georg Wöstmann.

Foto: Tim Gelewski

Die Pojektbeteiligten (v. li.): Frank Kykal, Jörg Otto, Hans-Jürgen Eisel, Silke Menzel, Melanie Kowalski, Regina Guntermann und Georg Wöstmann. Foto: Tim Gelewski

Stenglingsen.   Mit der assistierten Ausbildung wollen Jobcenter und Arbeitsagentur junge Menschen mit verschiedenen Hemmnissen in eine Ausbildung bringen.

Mohammad muss dann mal weg. Nur ganz kurz allerdings, er muss das alle 40 Minuten so machen. Weg von den Kontrollarmaturen „seiner“ Maschine, einmal rum, Klebstoff nachfüllen, sonst wird das nichts in Sachen „Permat“, einer Art Kunststoffmatte, die hier bei der Blanke GmbH in Stenglingsen produziert, und später unter Fliesen verbaut wird, um Risse und andere Schäden zu verhindern. „Das sieht ja richtig nach Arbeit aus“, frotzelt Regina Guntermann, die dem jungen Mann im Betrieb unterstützend zur Seite steht.

Mohammad Khaswan, so sein voller Name, ist ein junger Mensch, dem man im Bürokratendeutsch für seinen weiteren Karriereweg gewisse „Hemmnisse“ bescheinigen würde. In seinem Fall klingen die so: Elastizitätsgrenze, Belagsabschluss, Viertelkreisprofil, Trittschalldämmung.

Aufholen, was Betrieb und Berufsschule nicht können

Mohammad, 18, wurde in Syrien geboren, lebt seit 2015 in Deutschland, und hat am 1. August dieses Jahres eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlageführer bei der Blanke GmbH begonnen. Mohammad spricht gutes Deutsch, kann sich verständigen. Es hapert allerdings beim Fachvokabular. Deutsche Sprache, schwere Sprache.

Hier kommt die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) mit Sitz im Dröscheder Feld ins Spiel. Dort nämlich werden die Schwachstellen des jungen Syrers im Rahmen der sogenannten assistierten Ausbildung einmal in der Woche gezielt angegangen. So soll das aufgeholt werden, was in Berufsschule und Betrieb nicht geleistet werden kann. „Phase eins der Unterstützung, die Hilfe bei der beruflichen Orientierung, beginnt normalerweise schon vor, Phase zwei mit Beginn der Ausbildung“, erklärt Georg Wöstmann, pädagogischer Mitarbeiter bei der DAA.

Die assistierte Ausbildung ist ein gemeinsames Angebot des Arbeitgeberservice von Jobcenter und Arbeitsagentur. Die DAA fungiert als einer von mehreren Bildungsträgern. „Wir möchten dieses Instrument gerne noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit bringen“, erklärt Jörg Otto, Sachgebietsleiter Markt und Integration beim Jobcenter des Märkischen Kreises. „In der Unternehmerschaft ist das Konzept noch nicht so etabliert.“

Zielgruppe sind junge Leute mit Karriere-Hemmnissen

2015 initiiert, werden seit dem vergangenen Jahr 27 Plätze im Kreis angeboten. Flüchtlinge belegen nur drei davon. Die Zielgruppe sind junge Menschen mit Lerndefiziten oder Karriere-Hemmnissen wie etwa schlechten Zeugnissen, fehlendem Schulabschluss oder auch Vorstrafen.

Bei der assistierten Ausbildung wird der teilnehmende Betrieb vor und während der Ausbildung begleitet. Sowohl Unternehmen als auch Auszubildende erhalten Unterstützung – individuell an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst.

Lagerlogistiker, Industriekaufleute oder auch angehende Einzelhandels-Fachkräfte – „für die Unterstützung kommen im Prinzip alle dualen Berufsbilder in Frage“, erklärt Jörg Otto weiter.

Im Falle von Mohammad war die DAA bei der beruflichen Orientierung, eingangs erwähnter „Phase eins“, noch nicht an Bord. Seinen Ausbildungsplatz erhielt der 18-Jährige, nachdem er ein Praktikum bei Blanke absolvierte, dann als Aushilfe – und nun als „Azubi“ eingestellt wurde.

Ins Praktikum wurde er durch ein Sprachförder-Projekt des Märkischen Arbeitgeberverbandes vermittelt. Eine „Win-Win-Situation“, wie Frank Kykal, technischer Leiter bei Blanke meint: Ein engagierter Auszubildender für den Betrieb, „und wir kommen so auch unserer sozialen Verantwortung als Unternehmen nach“.

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