Stadtentwicklung

Kleine Stadt als großes Zugpferd

Die Letmather Innenstadt soll in Zukunft noch viel mehr Zulauf bekommen. ­Rainer Großberndt fordert, dass Iserlohn am selben Strang zieht.

Die Letmather Innenstadt soll in Zukunft noch viel mehr Zulauf bekommen. ­Rainer Großberndt fordert, dass Iserlohn am selben Strang zieht.

Foto: Michael May

Letmathe.  „Letmathe hat was“, sagt die Werbegemeinschaft – mit Recht, findet ihr zweiter Vorsitzender Rainer Großberndt.

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Reisende sehen am Bahnhof, dass sie in „Iserlohn-Letmathe“ aussteigen. In dieser simplen Formulierung steckt Konfliktpotenzial – nicht jeder Letmather sieht sich als Iserlohner – aber auch Chancen für die Zukunft. Letzteres ist bei einem Treffen der Werbegemeinschaft Letmathe und des Stadtmarketings Iserlohn deutlich geworden. Die jeweiligen Vertreter, Rainer Großberndt und der „Neue“, Dirk Matthiesen, sind sich offenbar in einem Punkt einig: Die beiden Städte bzw. Stadt und Stadtteil sollten nicht völlig getrennt voneinander entwickelt und beworben werden.

„Leute, die von außen kommen, kriegen bisher nur gezeigt, was sie in Iserlohn machen können“, bemängelt Großberndt und ergänzt: „Dabei hat Letmathe ja wirklich etwas“ – damit referiert er auf das eherne Motto der Werbegemeinschaft, das in seinen Augen immer mehr vom Vorsatz zur Wirklichkeit wird. Das hat wesentlich mit den Projekten zu tun, die mit Fördermitteln der Regionale finanziert werden und zum Teil, wie die Lennepromenade, schon fertig sind.

Parkraum muss dringend noch erweitert werden

Auch wenn anderswo noch gebaut wird (R-Café) oder Visionen erst noch umgesetzt werden müssen (Neubau des Bahnhofs), hält Rainer Großberndt Letmathe schon jetzt für attraktiver, als oft eingestanden werde: gute Verkehrsanbindung, lebendige Innenstadt, kostenlose Parkmöglichkeiten. Letztere müssten freilich dringend ausgebaut werden: „Die verfügbaren Stellplätze sind jetzt schon voll, und das R-Café ist noch gar nicht fertig. An Pater und Nonne wäre Raum dafür und an der neuen Stadtspange.“ Das R-Café soll auch Jüngere anlocken.

In Sachen Einkaufsmeile hat der zweite Kopf der Werbegemeinschaft etwas zum Thema Leerstand zu sagen: „Darüber wird zu pauschal geredet. Es gibt Gründe für die Leerstände, in den meisten Fällen wird renoviert oder umgebaut.“ In einem kleineren Teil der Fälle seien Mietnomaden verantwortlich oder Besitzer, die ihre Pächter loswerden wollen, um zu verkaufen. Es gebe sogar Ladeninhaber, die ihre Miete zahlen, aber deren Geschäfte trotzdem seit Monaten geschlossen sind. In manchen Fällen sei auch die Miete zu hoch. Unterm Strich betont er aber: „Von knapp 100 Ladenlokalen sind 87 belegt, das kann sich sehen lassen.“ Was noch fehlt, seien ein Schuhgeschäft und eine Parfümerie.

Letmathe würde mehr Selbstbewusstsein gut zu Gesicht stehen, klingt in Rainer Großberndts Appell mit. „Die Leute haben gelacht, als ich 2009 meine Visionen für die Regionale gezeigt habe“, erinnert er sich noch genau. Auch über die Pläne zur Lennepromenade hätten sich viele lustig gemacht. „Und heute ist es wahr geworden, das ist gigantisch.“

Ohne Letmathe kann Iserlohn keine Fahrradstadt werden

Die Denkweise im Rathaus am Schillerplatz müsse sich ändern, denn die Mutterstadt sei in mehr als einer Hinsicht auf die kleine Schwester an der Lenne angewiesen. „Iserlohn kann ohne Letmathe keine Fahrradstadt werden“, nennt Großberndt ein Beispiel und betont die Bedeutung des Großprojekts Lenneschiene – und des R-Cafés: „Das ist offiziell in ganz Deutschland das einzige Café, das über einem Fluss gebaut wird.“

Er hält es sogar für möglich, dass Letmathe für Iserlohn so etwas wird wie Schalke für Gelsenkirchen: Ein Zugpferd und Aushängeschild. Dazu müsste aber noch die eine oder andere gedankliche Hürde überwunden werden, damit aus dem Nebeneinander noch mehr ein Miteinander wird. Rainer Großberndt hat nicht den geringsten Zweifel: „Letmathe ist eine Stadt mit Zukunft.“

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