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Kolpingsfamilie stellt sich neu auf

Alfons Kersten ist das Gesicht der Kolpingsfamilie Letmathe. Seit 1989 ist er dessen Vorsitzender, aber nur noch bis zur Jahreshauptversammlung am 11. März.

Alfons Kersten ist das Gesicht der Kolpingsfamilie Letmathe. Seit 1989 ist er dessen Vorsitzender, aber nur noch bis zur Jahreshauptversammlung am 11. März.

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Alfons Kersten hört auf – gleichzeitig will er den Verein für die Zukunft rüsten. Das und Vieles mehr hat er im Interview mit der Heimatzeitung erzählt.

Eine richtungsweisende Jahreshauptversammlung steht der Kolpingsfamilie Letmathe bevor: Am Sonntag, 11. März, wird sich Alfons Kersten nicht mehr zur Wiederwahl aufstellen lassen. Der 79-Jährige steht dem Verein seit 1989 vor. Als sei das nicht schon Zäsur genug, soll auch noch die Satzung geändert werden. Darüber hat die Heimatzeitung mit dem wohl letzten Vorsitzenden gesprochen.

Herr Kersten, ist die Kolpingsfamilie intakt?

Sehr intakt, würde ich sagen. Das sieht man daran, wie aktiv unsere einzelnen Gruppen sind, seien es die Kolping-Senioren, der Chor oder unsere Frauengruppe, die sich monatlich treffen. Den größten Teil macht aber unser Musikverein aus. Aber das große Thema ist zur Zeit unsere Jahreshauptversammlung, bei der ich, wie 2017 angekündigt, nicht mehr als Vorsitzender kandidieren werde. Und wir wollen die Versammlung dazu nutzen, uns neu aufzustellen.

Das klingt nach einem Plan.

Das Kolpingwerk hat zwei Satzungstypen vorgegeben. Das Vorsitzenden-Modell, und das Leitungsteam-Modell, das wir bei uns einführen wollen. Es wird nämlich immer und fast überall schwieriger, einen Vorsitzenden, also jemanden, der Verantwortung übernimmt, zu finden. Jetzt müssen junge Leute in den Vorstand. Überlegen Sie mal: Frank Stenger macht die Senioren, Gisela Sauren die Frauen, Markus Plum den Chor, Klaus Bergmann und Seppi Hohnert führen den Musikverein. Und bis auf Markus Plum, der ja noch jung ist, machen die anderen vielleicht nur noch ein, zwei Jahre. Aber im Musikverein haben wir die jungen Leute.

Was ändert sich konkret, wenn das Leitungsteam-Modell kommt? Oder bekommt das Kind einfach nur einen anderen Namen?

Nein, das wäre zu kurz gedacht. Es gibt dann keinen Vorsitzenden mehr. Die Aufgaben werden verteilt und mehr Mitglieder als bisher hinzugezogen. Die Verantwortung ruht auf mehreren Schultern, wobei es Posten wie den des Kassieres, des Schriftführers und so weiter auch künftig geben wird. Tendenziell arbeitet unser Musikverein bereits nach diesem Modell, das Thema ist für die also nicht neu.

Beschlossen ist die Satzungsänderung noch nicht. Befürchten Sie nicht, dass das alte Modell abgeschafft wird?

(Lacht) Das glaube ich nicht. Ich müsste nur fragen, wer Interesse am Amt des Vorsitzenden hat. Damit würde die Sache klar sein.

Wohl dem, der eine starke Abteilung wie den Musikverein in seinen eigenen Reihen hat.

Und ob. Gucken wir nach Hennen – die dortige Kolpingsfamilie ist dank Sport und Karneval fast so stark wie wir. Hätten wir die Musik nicht, könnten wir uns ausrechnen, bis wann die Familie nicht mehr da ist. Jüngere Menschen kommen einfach nicht nach, wenn es keine Besonderheiten gibt. Aber ganz wichtig ist, dass der Kolping-Gedanke dabei nicht zu kurz kommt.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht mehr Vorsitzender sind?

Auf keinen Fall werde ich mich komplett verabschieden. Um die Namibia-Hilfe kümmere ich mich auch weiterhin. Ich bin und bleibe auch noch Vorsitzender des Kolpinghaus e.V.. Das ist auch eine ganz wichtige Sache. Welche Kolpingsfamilie hat denn heute noch ein eigenes Haus? Es ist die Heimstätte für alles, was Kolping betrifft und will bewirtschaftet werden. Und glauben Sie mir: Das ist mit der Zeit eine Herausforderung geworden, obwohl wir einen Teil an das „Restaurant Am Dom“ verpachtet haben. Weiter haben wir hier schöne Säle, die wir noch stärker aktivieren wollen. Denn allein mit der Nutzung durch Gruppen und Chöre lässt sich das Haus nicht halten oder bewirten. Ich nenne mal ein Beispiel: Im Kolpingsaal möchten wir einen neuen Teppichboden verlegen. Da sind wir schnell bei 5000, 6000 Euro – ein ordentlicher Batzen Geld für uns.

Das Leitungsteam könnte jemanden mit Ihrer Erfahrung bestimmt auch gut gebrauchen. Jemanden der sagt: Ich zeige Euch gerne, wie Vereinsarbeit funktioniert.

Genau so stelle ich es mir vor. Nur der große Macho ist dann nicht mehr da. Ich höre aus Altersgründen auf und möchte nicht versäumen, die Arbeit an Jüngere weiter zu geben. Es ist doch viel zu häufig der Fall, dass Leute gehen und alles mitnehmen, was sie wissen. Ich mache mir diesbezüglich aber überhaupt keine Sorgen. Im Chor hat es schließlich auch funktioniert. Dort gab es vor zwei Jahren den Wechsel von Kersten zu Plum. Der Alte fummelt dem Jungen nicht in der Arbeit herum, ist aber zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Aber: Auch der Musikverein muss jetzt spüren, dass er gebraucht wird.

Sie haben den Kolping-Gedanken angesprochen. Ist der jungen Menschen zu vermitteln, oder kommt er mit dem Alter?

Durchaus, da muss man hineinwachsen. Aber das hat beim letzten Norderney-Aufenthalt mit dem Kolping-Jugendorchester erstaunlich gut funktioniert. Da haben wir ein Morgenlob gemacht. Und wissen Sie was passiert ist? Die Halle war voll. Unser Glück ist, dass wir mit Peter Trotier als unserem Präses einen geistlichen Beistand haben. Er macht das, obwohl er als Diakon schon viele andere Aufgaben übernimmt.

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