Marienhospital

Krankenhaus-Rettung für die Stadt jetzt noch schwieriger

Landrat Thomas Gemke (CDU) eröffnet die Sitzung des Kreisausschusses, auf der Dr. Thorsten Kehe die schlechten Nachrichten überbringt.

Landrat Thomas Gemke (CDU) eröffnet die Sitzung des Kreisausschusses, auf der Dr. Thorsten Kehe die schlechten Nachrichten überbringt.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Die Iserlohner Verwaltung will die Rettung des Marienhospitals trotz wohl früherer Schließung und höherem Defizit vorerst nicht aufgeben.

Wie viel Hoffnung besteht noch für das Marienhospital? Der Bericht von Dr. Thorsten Kehe, Geschäftsführer der Märkischen Gesundheitsholding, hat am Donnerstag im Kreisausschuss in Lüdenscheid pessimistische Befürchtungen bestätigt: Demnach rechnet der bisherige Träger nicht damit, dass der Krankenhaus-Betrieb über den 31. Oktober hinaus gewährleistet werden kann – es sei denn, die dann wegfallenden Stellen in der Radiologie können neu besetzt werden.

Das gilt als unwahrscheinlich: „Der Stellenmarkt ist leergefegt“, erklärte der Geschäftsführer auf eine Nachfrage des Iserlohner Kreistagsabgeordneten Manuel Huff (Die Linke), ob die Engpässe nicht mit Hilfe eines Personaldienstleisters überbrückt werden könnten. „Wir haben bei acht bis zehn Agenturen angefragt“, beteuerte Kehe. Die Schieflage von Angebot und Nachfrage gerade bei Fachkräften wie Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten (MTRA) sei jedoch zu groß. Die Märkischen Kliniken bauten daher in Lüdenscheid eine Schule auf, um solche selbst ausbilden zu können. Diese werde aber nicht vor August 2020 in Betrieb gehen.

Krankenhäuser müssen rund um die Uhr röntgen können

Reicht die personelle Besetzung nicht mehr aus, um das Röntgengerät rund um die Uhr einsatzbereit zu halten, kann das Marienhospital seine Rolle als Notfallversorger nicht mehr vorschriftsgemäß erfüllen. Neben zwei MTRA und einem Chefarzt hätten im August vier Ärzte in der Abteilung für Innere Medizin gekündigt oder stünden gerade in Verhandlungen über Auflösungsverträge, so Kehe. Im Ergebnis konnte das Marienhospital von den 113 Betten, die planmäßig vorzuhalten wären, zuletzt nur 61 anbieten – belegt waren im August 41. Die rückläufigen Patientenzahlen würden die Bilanz der angeschlagenen Klinik zusätzlich belasten; zu dem bestehenden Defizit käme ein weiteres Minus von mindestens einer Million Euro hinzu, erklärte der Geschäftsführer.

Die Bombe ließ der Konzern auch gegenüber der Iserlohner Verwaltung erst am Donnerstag platzen. Der Erste Beigeordnete Martin Stolte erklärte am Freitag gegenüber unserer Redaktion, „kurz vor der Sitzung des Kreisausschusses“ in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Eine vorzeitige Schließung mache die Perspektive, das Marienhospital als Krankenhaus weiter zu betreiben, aber nicht zwangsläufig zunichte, betonte Stolte: „Wir lassen unseren Berater weiter arbeiten.“ Mit einer Beschleunigung dieser Vorgänge sei nicht zu rechnen, das sei auch nicht Bestandteil des Mandats. „Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, zur nächsten Sitzung im Oktober Ergebnisse vorzulegen“, zitiert Stolte den geltenden Beschluss. Dass schon vorher spruchreife Erkenntnisse vorliegen, hält der Beigeordnete derzeit für unwahrscheinlich.

Iserlohner Verwaltung kurz vor der Sitzung informiert

Zu den Bemühungen der Stadt erklärte Martin Stolte, in Letmathe eine Kombination aus medizinischer Grundversorgung und einem „Leuchtturm“ wie der Schmerzklinik realisieren zu wollen. Erstere sei die Verwaltung den Bürgern schuldig, ohne letztere sei an einen wirtschaftlichen Betrieb nicht zu denken. Grundsätzlich könne die Stadt, ohne Eigentümer zu sein, aktuell nicht mehr tun als der Kreis und die Gesundheitsholding. Auch auf dieser Ebenen laufen Bemühungen, berichtete Thorsten Kehe im Kreisausschuss: Zwölf umliegende Krankenhäuser seien angeschrieben worden, um mögliche Kooperationen oder alternative Versorgungsmodelle zu erörtern. Daraus hätten sich drei Gespräche ergeben. Mitte Juli habe sich eine „Managing-Agentur aus Hessen“ gemeldet, die im Gesundheitssektor tätig ist. Dieser Interessent habe seit dem Gespräch allerdings keine Schritte unternommen, die Geschäftszahlen einzusehen.

Mitte Juli hat Ingo Jakschies, Geschäftsführer des „Gesundheitscampus Sauerland“ in Balve, der Stadt Iserlohn im Beisein von Vertretern des Kreises seine Idee eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit niederschwelligen Beobachtungsbetten als Alternative für ein vollwertiges Krankenhaus vorgestellt. Ein solches Angebot wäre auch für die Bezirksregierung Arnsberg völlig neu, deshalb gelte es viele offene Fragen zu klären, sagte Volker Schmidt, Fachbereitsleiter Gesundheit und Soziales, und verwies auf eine Machbarkeitsstudie, an der Jakschies derzeit arbeite. Dabei geht es darum, wie ein solches „MVZ Plus“ in einem Neubau auf dem Gelände des Marienhospitals umgesetzt werden könnte.

Bislang keine Reaktion von der katholischen Kirche

Als weitere Zwischenergebnisse referierte Thorsten Kehe dem Kreisausschuss eine Einigung mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich, die Aufnahme von Verhandlungen über einen Sozialplan, die Einleitung eines Planungsverfahrens zur Schließung des Krankenhauses in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg, die Kündigung der Verträge aller Dienstleister und Lieferanten und die Ermittlung der Schließungskosten. Im Oktober sollen dafür Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds beantragt werden: „Neunzig Prozent der Schließungskosten, auch Abrisskosten, können vom Land übernommen werden“, konstatierte Kehe. Dazu müssten allerdings die Grundstücksverhältnisse geklärt sein.

Dazu sei ein Dialog mit dem Erzbistum Paderborn und der katholischen Kirchengemeinde Letmathe aufgenommen worden, die dem Kreis 1986 Grundstück und Hauptgebäude zur Krankenhausnutzung übertragen hat und gemäß der vertraglichen Bestimmungen das Recht hat, diese wieder in Besitz zu nehmen, sobald dort keine Klinik mehr betrieben wird. Nicht davon betroffen ist das Seniorenzentrum Letmathe, das durch eine Vertragsklausel einem Krankenhaus gleichgestellt ist. Für die ambulante Dialyse, die ebenfalls zur Märkischen Gesundheitsholding gehört und weiter betrieben werden soll, erwägt der Konzern einen Neubau zwischen Hospiz und Seniorenheim. „Wir haben von der Kirche noch keine Rückmeldung“, erklärte Thorsten Kehe am Donnerstag.

Auf Nachfrage der Kreistagsabgeordneten Petra Gossen (SPD) bekräftigte der Geschäftsführer, den Mitarbeitern stehe es frei, an einem der anderen Klinikstandorte weiter beschäftigt zu werden. Dass das für viele nicht attraktiv ist, räumte er ein: „Für Iserlohner ist Lüdenscheid schon ziemlich weit weg.“

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