Gymnasium

Krumm ist besser: Die 67,5-Minuten-StundeMehr Frische in der Schulmensa

Schulleiter Peter Wiedemeier, umrahmt von seinen Kollegen Sigfried Buß und Tobias Hommel (re.) stellen die neue Küche des Gymnasiums Letmathe vor.

Schulleiter Peter Wiedemeier, umrahmt von seinen Kollegen Sigfried Buß und Tobias Hommel (re.) stellen die neue Küche des Gymnasiums Letmathe vor.

Foto: IKZ

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Wer sagt denn, dass eine Schulstunde 45 Minuten lang sein muss? Niemand. Die strenge Regel aus alter Zeit gilt nicht mehr. In Ganztagszeiten mit Mittagsverpflegung in den Schulen darf experimentiert werden, um ein Maß zu finden, das den neuen Anforderungen besser gerecht wird. Einige Schulen haben schon die 90- oder 60-Minuten-Stunden eingeführt. Das Gymnasium Letmathe hat sich jetzt - als erste Schule in Iserlohn - sogar für ein „krummes Maß“ entschieden. Vom neuen Schuljahr an, das morgen beginnt, dauert jede Unterrichtsstunde 67,5 Minuten.

So seltsam diese ungerade Zahl anmutet, sie beruht auf einer ganz einfachen Rechnung. Man nimmt drei normale Schulstunden von herkömmlicher Dauer, also drei mal 45 Minuten. Die 135 Minuten, die dabei herauskommen, werden dann halbiert. Das Ergebnis: 67,5 Minuten. Einfacher ausgedrückt: Aus drei mach zwei.

Der neue Schulalltag am Gymnasium Letmathe gliedert sich damit wie folgt: Von 7.55 bis 12.55 Uhr ist zeitlich Raum für vier 67,5-minütige Unterrichtsstunden. Dazwischen liegen zwei kleine Pausen von je sechs Minuten und eine große Pause von 20 Minuten. Anschließend gibt es eine 67,5 Minuten lange Mittagspause, an die sich die fünfte Unterrichtsstunde anschließen kann.

Das neue System ist aus der Sicht von Schulleiter Peter Wiedemeier „organisatorisch wie auch pädagogisch ein Gewinn“. Sowohl gegenüber dem traditionellen System von 45-minütigen Schulstunden als auch gegenüber dem heute bevorzugten Modell von 90-minütigen Einheiten sieht der Direktor erhebliche Vorteile.

In 90 Minuten haben Lehrer und Schüler viel Zeit, sich ausgiebig in ein Thema zu vertiefen. Andererseits ist es aber nicht immer einfach, über einen so langen Zeitraum die volle Konzentration und Aufmerksamkeit zu bewahren. Warum also nicht einen Kompromiss zwischen 45 und 90 Minuten suchen?!

Das 90-Minuten-System hat sich auch aus anderen Gründen nicht so gut bewährt. Es gibt Fächer, für die ein Wochenpensum von drei Stunden à 45 Minuten vorgeschrieben ist. Diese drei Stunden können nur so aufgeteilt werden, dass das Fach im wöchentlichen Wechsel, mal mit zwei, mal mit einer Doppelstunde unterrichtet wird. Dadurch ergeben sich wechselnde Stundenpläne.

Eine solche Zweiteilung wird durch den 67,5-Minuten-Rhythmus überflüssigg, der Stundenplan ist immer gleich. Auch die vorgeschriebene Mittagspause passt vortrefflich in den Rhythmus. und selbst der Fahrplan der Busse kann beibehalten werden. Auf diese Weise schafft die Schule es, dass alle Schüler (bis auf die Oberstufe) vor 16 Uhr nach Hause gehen können.

Weiter stellt Wiedemeier fest: „Das 67,5-Minutenmodell erlaubt uns in der vorliegenden Form, die durch die Stundentafel des Landes NRW gegebenen Vorgaben ohne Kürzungen umzusetzen und gleichzeitig im Stundenplan der unteren Klassen Lernzeiten und Förderbänder zu integrieren“ Damit sind die Lernzeiten in den Jahrgangsstufen 5 und 6 in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik dauerhaft gesichert, ohne dass Unterrichtskürzungen stattfinden müssen.“

Dann ist da noch ein weiterer Vorteil gegenüber dem 90-Minuten-System: ein pädagogischer Vorteil. „Statt zwei Doppelstunden gibt es drei Einzelstunden pro Woche“, nennt Wiedemeier ein Beispiel. „Das heißt, Lehrer und Schüler sehen sich öfter“. Es wird in höherem Maße Kontinuität gewahrt.

So krumm die Zahl klingt - das 67,5-Minuten-System ist laut Wiedemeier „kompakter und verwaltungstechnisch einfacher zu handhaben als bei 90 Minuten“. Das gilt auch, wenn etwa bei Fragen der Lehrerbesoldung oder des NRW-weit vorgegebenen Stundensolls das ganze System wieder aufs 45-Minuten-Maß zurückgerechnet werden muss. Solche mathematischen Operationen fallen an einem Gymnasium ja nicht schwer.

Eine Abordnung der Schule hatte sich vor einiger Zeit am Gymnasium Rüthen umgesehen, wo das Modell mit den 67,5 Minuten bereits mit Erfolg umgesetzt wird. Die Letmather Schulkonferenz hat dann mit Mehrheit beschlossen, dieses Modell nun zunächst für zwei Jahre auch in Letmathe zu praktizieren. Danach soll es ausgewertet werden. Die Bedenken gegen den neuen Rhythmus halten sich in Grenzen, aber sie sind auch nicht von der Hand zu weisen. So wurde beispielsweise kritisiert, dass 67,5 Minuten zu kurz seien für bestimmte Unterrichtsthemen und Fächer, beispielsweise für den Besuch eines Schwimmbads.

Übrigens: Zum neuen Schuljahr beginnt der Unterricht am Mittwoch um 7.55 Uhr für alle Schüler ab Klasse 6. Für die Jahrgangsstufen 6 und 7 endet er um 12.55 Uhr. Die 94 neuen Fünftklässler sind zum Einschulungsgottesdienst um 10.30 Uhr in die Friedenskirche eingeladen. Um 11.45 Uhr beginnt ihr erster Schultag in der Aula.

Zum Ganztag gehört gutes Essen. Die neue Schulküche am Gymnasium Letmathe ist fertig. Und damit verbessert sich auch das Angebot in der Mensa. „Mit Beginn des neuen Schuljahrs werden die Speisen nach dem Prinzip „Cook and Chill“ zubereitet und am Büffet bereitgestellt. Das heißt: Wie bisher werden die Gerichte im Seniorenzentrum Waldstadt Iserlohn zubereitet, aber sie werden nicht mehr direkt angeliefert, sondern nach dem Kochen zuerst runtergekühlt und dann in der neuen Küche des Gymnasiums wieder aufbereitet. So wird auf dem Transportweg die Qualität besser erhalten. „Und das Essen kommt frischer beim Schüler an“, ist Direktor Peter Wiedemeier überzeugt. Außerdem bietet die umfangreich ausgestatette Küche, in der bis zu drei Kräfte beschäftigt sein sollen, die Möglichkeit, die gelieferten Speisen um frische Zutaten wie Salat zu bereichern.

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