Kilianskirmes

Letmathe hat was von der Kirmes – nicht nur Vergnügen

Vertreter politischer Parteien lassen Luftballons beim Aktionsstand der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) auf der Kilianskirmes steigen. Beide Krankheiten sind in Deutschland heute eine Ausnahmeerscheinung, in Entwicklungsländern aber noch ein reales Problem.

Vertreter politischer Parteien lassen Luftballons beim Aktionsstand der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) auf der Kilianskirmes steigen. Beide Krankheiten sind in Deutschland heute eine Ausnahmeerscheinung, in Entwicklungsländern aber noch ein reales Problem.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Die Schausteller haben sich mit einer großen Geste bedankt. Beim Frühschoppen und der Aktion der Leprahilfe wurde ebenfalls eifrig gespendet.

Dem Besucher bietet die Kilianskirmes Zerstreuung, Auszeit vom Alltag, Raum für geselliges Miteinander. Dafür geben Kirmesgänger aus Letmathe und Umgebung eine Menge Geld aus, das die Schausteller zum Leben brauchen. Ein reines Dienstleistungsverhältnis? So manches, was sich am Rande der Traditionsveranstaltung zuträgt, wirft im positiven Sinne Zweifel auf.

Sparbuch mit 900 Euro blieb jahrelang vergessen

Die vielleicht schönste Geschichte ist die von Rudolf „Rudi“ Isken, der mit seinem Autoscooter von der Kirmes kaum noch wegzudenken ist. Dieser hat durch Zufall einen kleinen Schatz wiederentdeckt , der vergessen vor sich hin schlummerte. „Ich bekam vor einigen Tagen Post von der Sparkasse mit dem Hinweis auf ein schon länger ruhendes Konto. Dabei ist mir eingefallen, dass auf meinen Namen noch das alte Sparbuch für das Abschlussfeuerwerk läuft“, berichtet der 75-Jährige. Hintergrund: Bis vor gut 20 Jahren finanzierten die Schausteller das Feuerwerk, Rudi Isken lief dafür stets die Budengasse mit dem Klingelbeutel ab. Blieb etwas übrig, kam der Betrag aufs Sparbuch.

Als die Stadt als Organisator auch das Feuerwerk übernahm, geriet der Notgroschen in Vergessenheit. Bis vor wenigen Tagen. Für Isken war die Geschichte zunächst mit etwas Aufregung verbunden: „Ich fand das Sparbuch nicht und befürchtete, es wäre weggekommen. Ich habe es dann sofort sperren lassen“, erzählt er weiter. Schließlich fiel es ihm beim Durchwühlen von Schubladen doch noch in die Hände. Über die Jahre hatte sich eine beträchtliche Summe angesammelt: etwas über 900 Euro. Die hat Rudi Isken auf 1000 Euro aufgerundet und am Montag beim Bürgerfrühschoppen im Festzelt der Werbegemeinschaft einer dankbaren Lucyna „Lucy“ Krzeminski vom Hospiz Mutter Teresa übergeben. „Wir möchten Letmathe etwas zurückgeben, und über das Hospiz habe ich nur Gutes gehört“, begründet Rudi Isken die Entscheidung im Namen der Schausteller.

Besucher des Frühschoppens spenden spontan 830 Euro

Die Frühschopper ließen sich anstecken und gaben so eifrig in die Spendendose, dass zum Nachmittag hin weitere knapp 830 Euro zusammengekommen waren, allein 340 Euro von einer Gruppe junger Besucher, was Schwester Lucy sichtlich rührte.

Eine Menge Geld für Bedürftige ist auch beim Aktionsstand der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zusammengekommen. Die Ehrenamtliche Sabine Schlücking berichtete am Montag von rund 1600 Euro, die als Erlös nach dem traditionellen Luftballonwettbewerb und dem Verkauf von Waffeln und Kerzen aus Wachsspenden zu Buche standen: „Wir haben 650 Luftballons auf die Reise geschickt und 17 Eimer Waffelteig verbacken.“ An der Aktion beteiligten sich unter anderem Vertreter aus der Politik sowie die Ferienkinder der katholischen Jugendgemeinde. Die Ballons seien übrigens zu 100 Prozent kompostierbar, erklärte Sabine Schlücking: „Die Ballons selbst sind aus Naturkautschuk, für den Faden nehmen wir Baumwolle. Und die Karte ist aus Pappe.“ Die Frage, ob mit der Aktion nicht die umliegende Natur mit Plastikmüll verseucht würde, komme immer wieder mal.

Nachhaltigkeit ist auch für das städtische Organisatorenteam ein Thema. Wie Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke erläuterte, spiele etwa die Ausstattung mit energiesparenden Leuchtmitteln oder andere ressourcenschonende Maßnahmen von Buden und Fahrgeschäften durchaus eine Rolle bei der Auswahl: „Wenn zwei Kandidaten in etwa dasselbe bieten, kann das den Ausschlag geben.“

Enrico Sperlich, Betreiber des Riesenrads, hat bereits auf LED-Lampen umgestellt. Sein Fazit: „Das spart eine Menge Strom – weil die Anschlussgebühren so stark gestiegen sind, bezahlen wir aber nicht weniger als vorher. Dass wir auf diese Weise die Umwelt schonen, ist aber ein gutes Gefühl.“

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