Wirtschaft

„Letmathe ist eigentlich ausgelastet“

Sehen die Sache entspannt, lehnen sich aber nicht zurück: Rainer Großberndt (links) und Ulrich Luther finden, dass es Letmathe besser geht, als es oft dargestellt wird.

Foto: Oliver Bergmann

Sehen die Sache entspannt, lehnen sich aber nicht zurück: Rainer Großberndt (links) und Ulrich Luther finden, dass es Letmathe besser geht, als es oft dargestellt wird.

Letmathe.   Rainer Großberndt und Ulrich Luther äußern sich im Interview mit der Heimatzeitung zur Situation auf der Hagener Straße.

Die Diskussion um die Situation auf der Hagener Straße hat in den vergangenen Tagen die Gemüter erhitzt. Die leerstehenden Ladenlokale lassen sich zwar nicht übersehen, die Gründe mögen vielfältig sein. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang die Werbegemeinschaft genannt. Für ein Gespräch standen neben dem zweiten Vorsitzenden Rainer Großberndt auch der frühere Vorsitzende Ulrich Luther zur Verfügung, auch wenn der in weiteren Verlauf wegen eines dringenden Termins die Runde verlassen musste.

Herr Luther, Herr Großberndt, wie beurteilen Sie die Situation auf der Hagener Straße?

Großberndt: Wir sind nicht so zufrieden, wie es eigentlich sein sollte, dass also alles voll ist. 100 Prozent gibt’s sowieso nicht, außer bei der SPD. Wir meinen aber, die restlichen zehn Prozent leerstehender Ladenlokale mit positiverer Berichterstattung auf drei, vier Prozent herunter zu bekommen sind. Die Leerstände in Letmathe sind so gering wie sonst nirgendwo. Deswegen: Selbst wenn die Läden zu 90 Prozent belegt sind, dann ist Letmathe eigentlich ausgelastet. Es muss ja auch mal ein Ladenlokal frei sein – um jemanden die Chance zu geben, hierhin zu kommen.
Luther: Ich habe viele Kunden, die nicht aus Letmathe kommen, sondern auch aus Nachrodt, Altena oder Sümmern. Und ich kann sagen: Die kommen alle gerne, nicht nur zu mir. Die kommen alle gerne nach Letmathe und bringen alle Geld – zu mir, in die Eisdiele, und in alle anderen Geschäfte. Und das nur, weil Letmathe niedlich ist – im positiven Sinn. Es ist übersichtlich, relativ sauber und attraktiv. Wir können draußen sitzen, es ist auf der Straße immer was los. Selbst die Politik belebt während des Wahlkampfes die Innenstadt.

Also muss man sich keine Sorgen machen?

Großberndt: Letmathe hat als frühere selbstständige Stadt enorm an Kraft verloren. Einmal verwaltungsmäßig – das Bauamt und andere Ämter waren hier. Dann gab es in der Grüne die Kreisbahn mit allem drum und dran. All das ist nach Iserlohn gezogen worden.

Aber das sind doch Fakten von vorgestern . . .

Ja, aber das sind die Ergebnisse, die heute auf dem Tisch liegen. Die Krankenkassen, die Banken – alles ist aus Letmathe herausgezogen worden und man fragt sich, was hier los ist. Der ganze Wandel, der in den letzten 20, 30, 40 Jahren vollzogen wurde, der wirkt sich irgendwann aus, wobei – und da sind wir hier einer Meinung im Gegensatz zu den Artikeln über die Leerstände, dass wir erheblich gut dastehen. Trotz der Auszüge ist die Stadt noch mit 105 Geschäften gefüllt. Wir sind nach wie vor eine blühende Stadt und hoffen, dass das so bleibt.

Luther: Letmathe ist eher im Umbruch, denn es tut sich überall etwas. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass aus den vier zu Hausnummer 14 gehörenden Ladenlokalen zwei gemacht werden sollen, dann ist das zunächst einmal toll. Ein Investor, oder wer auch immer, will Läden modernisieren. Bis auf wenige Ausnahmen haben es die Hausbesitzer versäumt, zu sanieren. Das sind diejenigen, die jetzt sagen: Ich bin so unverschämt, ich will pro Monat 3000 Euro für meinen Laden haben, und wenn ich nur 2500 bekomme, dann vermiete ich eben nicht.

Ist es nicht an diesem Punkt nicht auch die Aufgabe der Werbegemeinschaft, im Sinne des heimischen Einzelhandels mit den Eigentümern das Gespräch zu suchen?

Luther: Es hat Gespräche zwischen Werbegemeinschaft und Mietern gegeben. Aber letztendlich entscheidet der Vermieter, ob er ja oder nein sagt. Und darauf haben wir keinen Einfluss.



Großberndt: Kleines Beispiel: Nehmen wir „Sini’s Outlet Store“, das da auch schon eine Weile leer steht. Ich wollte wissen: Was ist da eigentlich los? Ich habe mich mal schlau gemacht, weil ich versucht habe, diesen Laden, zumindest so lange er nicht belegt ist, zu beleben – wie wir es früher im Lenne-Karree gemacht haben. Das war in diesem Fall aber schwierig. Niemand hat mehr eine Antwort gegeben, nachdem es zunächst fünf verschiedene Kontakte gegeben hat, die alle etwas mit dem Laden zu tun hatten – beim Hausmeister angefangen. Einer hat es dem anderen weitergegeben. Derjenige, der es scheinbar für den Besitzer vermarken soll, ist dann nicht mehr erreichbar. Wie soll das eine Werbegemeinschaft lösen?

Wofür steht denn die Werbegemeinschaft?

Letmathes Zukunft zu sichern, zu gestalten und eine lebenswerte Stadt zu erhalten, auch wenn es nur ein Stadtteil ist. Aber dadurch, dass die Innenstädte mehrere Kilometer auseinander liegen, ist natürlich das Gefühl der Eigenständigkeit da. Wir wollen die lebenswerte City erhalten und Verbindungen schaffen, dazu gehören auch Veranstaltungen für alle Bürger, von jung bis alt.

Verliert die Werbegemeinschaft nicht den Blick für das Wesentliche als ein Verein von heimischen Einzelhändlern vor Ort, die deren Interessen vertritt?

Das ist ja das Wesentliche: Dass Letmathe lebenswert ist. Die heimischen Einzelhändler existieren, wenn das Volk auch mitzieht und beteiligt ist. Ohne die Bürger kann kein Einzelhändler, kein Geschäft und kein Unternehmen leben. Deswegen ist es ganz wichtig, dass die Bevölkerung mit einbezogen wird und dass deswegen auch Veranstaltungen für sie gemacht werden, dass sie sich wohl fühlt in dieser Stadt und dass sie sagt: Die persönliche Verbindung ist oft wichtiger als der Artikel, den ich kaufe.

Sie werden auch angesprochen, wenn zu viel Schmutz auf der Straße liegt, oder wenn zu viele Graffitis an die Wände gesprüht werden. Das ist doch eigentlich nicht Ihre Aufgabe.

Das ist nicht die Aufgabe, aber es gibt Leute, die sich über etwas erregen. Nur: Wo können sie das Problem vorbringen? Wir haben uns gewünscht, dass es eine Anlaufstelle gibt, eine Art City-Platz für kleinere Beschwerden. Man sagt zwar, dass Iserlohn nicht weit ist. Der Bürgermeister hat ja auch seine Sprechstunde. Aber das kann auch ein Politiker aus Letmathe machen.

Wie kommt es, dass Mitglieder der Werbegemeinschaft mit eigenen Geschäften auf der Hagener Straße aus unserer Zeitung von den langen Samstagen vor Weihnachten erfahren haben? Wenn die Information nicht direkt von Ihnen kommt, dann stimmt doch etwas nicht.

Das ist der wunde Punkt. Woran es bei uns krankt, nicht nur in Letmathe, ist der Bezug zu neuen Medien. Nicht alle, wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte unserer Ansprechpartner sind per E-Mail erreichbar. Und wenn sie erreichbar sind, werden die Mails nicht gelesen. Man muss auch mal fragen, wann diejenigen zum letzten Mal bei uns gewesen sind. Ein Gespräch unter vier oder sechs Augen ist immer möglich. Deswegen gehe ich in die ganzen Geschäfte herein und höre mir Klagen und Sorgen an.

Ist die Werbegemeinschaft jetzt eine Vereinigung von heimischen Händlern oder eine Organisatorin die, das steht wohl außer Frage, herausragende Feste organisiert?

Das sieht man doch an den Mitgliedern: Unternehmer, Ärzte, Apotheker und freie Leute. Es ist querbeet. Alle haben das Ziel, Letmathe so zu erhalten oder noch schöner zu machen. Das läuft im Moment auch sehr gut. Deswegen ist es eigentlich traurig, dass es trotzdem Gruppierungen gibt, die sich nicht mal einen Schub geben. Stattdessen lösen sie sich, machen bei keiner Veranstaltung mit. Es geht nur gemeinsam. Es haben doch viele ihre Probleme, auch die Sportvereine. Aber jeder will sie alleine lösen.

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