Kunst

Letmather Künstler lässt den Bleistift nicht ruhen

Künstler Josef Spieß hat sein Leben der Kunst gewidmet. Bekannt ist er besonders durch die Dechenhöhlen-Stelen. Auf dem Iserlohner Schillerplatz malte er sein größtes Werk.

Künstler Josef Spieß hat sein Leben der Kunst gewidmet. Bekannt ist er besonders durch die Dechenhöhlen-Stelen. Auf dem Iserlohner Schillerplatz malte er sein größtes Werk.

Foto: Michael May

Letmathe.  Josef Spieß hat seinen 90. Geburtstag gefeiert. Der Letmather Maler und Bildhauer ist besonders für seine Dechenhöhlen-Stelen bekannt.

„Ich möchte auf jeden Fall 104 Jahre alt werden“, sagt Josef Spieß und lächelt. Der in Letmathe und Iserlohn bekannte Maler und Bildhauer sitzt auf seinem Bett im Altenheim und freut sich über den Besuch der Heimatzeitung. Es ist sein 90. Geburtstag. An den Wänden hängen viele Bilder, die er im Laufe seines Lebens gemalt hat. Und er hat viel gemalt. „Um die 500 Bilder werden es schon gewesen sein“, schätzt er.

Auf seinem Nachttisch steht ein Becher gefüllt mit Bleistiften, daneben stapeln sich postkartengroße Zettel. Auch heute noch malt der 90-Jährige täglich. Das Zeichnen macht ihm noch immer sichtlich Spaß, auch wenn es gesundheitlich manchmal schwer fällt. Sein Rheuma erschwert es ihm ab und zu, den Stift ruhig zu führen. „Wenn ich anfange zu zittern, muss ich schnell aufhören, um das Bild nicht zu zerstören“, erklärt er. Auf dem kleinformatigen Zeichenpapier malt er zunächst mit Kohle die Skizzen, die Schattierungen erledigt er mit dem Bleistift. Seine derzeitigen Lieblingsmotive sind Engel, sonst finden sich hauptsächlich menschliche Darstellungen in seinen Werken wieder. „Die Ideen hab’ ich immer, und dann muss ich sie sofort aufzeichnen, sonst sind sie verloren“, berichtet er.

Auch in der Iserlohner Innenstadt hat Josef Spieß zeitweise seine Kunst auf die Straße gebracht. 2009 malte er sein größtes Werk auf den Schillerplatz: eine Frau, die über ihrem Kopf eine Weltkugel in den Händen hält. Keine einfache Aufgabe, wie er berichtet. Ganze zwei Tage hat er an dem Bild gearbeitet. Doch dann sei ihm vom Ordnungsamt untersagt worden, die Stadt mit seinen Kunstwerken zu bereichern. „Es war einfach nicht mehr erwünscht“, bedauert der 90-Jährige.

Dechenhöhlen-Stelen undBüsten stehen in Letmathe

Den Letmathern wird der Künstler jedoch besonders durch die Dechenhöhlen-Stelen und die zwei Bronzebüsten, die an Jobst Edmund von Brabeck und August Overweg erinnern, bekannt sein. Der aus dem Allgäu stammende Künstler war seit 1956 als freier Stein- und Holzbildhauer tätig. Die zwei Büsten, die vor der Treppe von Haus Letmathe stehen, gehörten zu seinen ersten Auftragsarbeiten in der Region.

Für den gelernten Maler und Bildhauer sind die Skulpturen immer ein wenig faszinierender gewesen als seine gemalten Bilder. „Skulpturen kann man besser formen, und man kann sie von allen Seiten betrachten“, erklärt der Künstler, der sich auch Seppino nennt. Anfangs hat Josef Spieß seine Figuren aus Holz geschaffen, später kamen dann aus Stein gehauene Figuren dazu. Viele seiner Werke stehen heute noch in verschiedenen Kirchen in Dortmund.

Wie viele andere Künstler auch zog es Josef Spieß nach Italien, genauer nach Pino am Lago Maggiore. Aber auch in Florenz und Venedig ließ er sich von den historischen Kunstwerken inspirieren. Zudem bereiste er Australien, Frankreich, Amerika und Kanada. Er ist froh, dass er die Reisen unternommen hat. „Ich war niemals ein Stubenhocker “, sagt er.

Jetzt genießt er vor allem die Ruhe in seinem Zimmer im Seniorenheim. Bis zu seinem 104. Geburtstag sind es noch 14 Jahre. „Das ist reichlich Zeit, um noch sehr viele Bilder zu malen“, stellt er fest und lächelt zufrieden.

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