„Mein Iserlohn 2040“

Letmather nutzen die Gunst der Stunde

„Hier müssen wir ran", sagte Dr. Ing. Harald Blanke mit Blick auf die Situation zwischen Innenstadt und Bahnhof. Dafür erhielt er die uneingeschränkte Zustimmung seiner Zuhörer.  

„Hier müssen wir ran", sagte Dr. Ing. Harald Blanke mit Blick auf die Situation zwischen Innenstadt und Bahnhof. Dafür erhielt er die uneingeschränkte Zustimmung seiner Zuhörer.  

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   „Mein Iserlohn 2040“ hat am Samstag zu guter Beteiligung und vielversprechenden Ideen geführt.

„Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, und dennoch fängt für uns die Arbeit jetzt erst richtig an“, bilanzierte Stadtplaner Thorsten Grote am frühen Samstagabend in der Pausenhalle der Realschule Letmathe. Nicht nur hinter ihm lag ein anstrengender und intensiver Tag. Dass die von vielen mit Spannung erwarteten Quartiersspaziergänge im Rahmen von „Mein Iserlohn 2040“ zu einer Hitzeschlacht mutieren würden, konnte niemand ahnen, als die Aktion im Frühjahr geplant wurde.

Etwa 40 Personen erschienen um 15 Uhr allein am Treffpunkt Letnettiplatz, um sich dort einer von drei Gruppen anzuschließen, die sich einem speziellen Bereich oder einem speziellen Thema widmete. Die Gruppe „Letmathe“ nahm ganz allgemein den Innenstadtbereich unter die Lupe, die Gruppe „Genna“ zog los in den Stadtteil jenseits der Lenne, und die Gruppe „Verkehr“ erfuhr von Dr. Ing. Harald Blanke und seiner Mitarbeiterin, die Bauingenieurin Kerstin Rautenberg, aus erster Hand, wie man in Zukunft durch Letmathe und von A nach B kommt.

Vorschläge und Empfehlungen nach langer Beobachtungszeit

Beide arbeiten für das Bochumer Ingenieurbüro Blanke Ambrosius für Verkehrs- und Infrastrukturplanung, das über Monate hinweg genau beobachtet hat, woran es dem Letmather Fußgänger-, Straßen- und Radverkehr hapert. Dieser Gruppe schlossen sich die wenigsten Bürger an. Zeitgleich starteten auch Touren durch Lasbeck und Stübbeken. Die zentrale Zusammenkunft erfolgte 90 Minuten später in der Realschule, wo die Stadt eine Planungswerkstatt organisierte. Feststellungen, Wünsche, Anregungen – alles kam dort auf den Tisch und beschert den Stadtplanern nun diesen Haufen Arbeit, der Thorsten Grote und sein Team noch auf Jahre hinaus beschäftigen wird.

Die Verkehrsgruppe holte kaum zweimal Luft, da stand sie schon an der ersten Stelle, an der sich etwas verändern wird: Am Ende der Bahnhofstraße mit Blick auf den Bahnhof. Einen ausgewiesenen Übergang über die Gennaer Straße gibt es nicht – noch nicht. „Da müssen wir ran, es muss Orientierung geschaffen werden“, sagte Harald Blanke. Durch eine einheitliche Pflasterung soll die Verbindung des Bahnhofsvorplatzes zur Innenstadt auch optisch hervorgehoben werden. Doch so konkret wurde Blanke selten. Schließlich fließen in die endgültigen Vorhaben, die vom Stadtrat beschlossen werden müssen, auch die Vorstellungen der Bürger mit ein.

Lediglich als „wünschenswert“ bezeichnete er deshalb die Neuordnung des durch Genna fließenden Schwerlastverkehrs. Seine Empfehlung: alles auf die Bergstraße. Der Letmather Ortsunionsvorsitzende Karsten Meininghaus wies sogleich darauf hin, dass die schmale Bergstraße dazu ausgebaut werden müsste, was ein Vermögen kosten würde. „Wenn die Spedition Hermesmann tatsächlich aus Genna wegziehen sollte, hat sich das Lkw-Problem auf einen Schlag erledigt“, ist Bernd Pollmeier, Anlieger der Gennaer Straße, überzeugt.

Besser organisiert werden müsste der zahlreich durch Genna fließende Radfahrerverkehr. Weil die Lösung über die Gennaer Straße als suboptimal angesehen wird und der Stadtteil sehr eng bebaut ist, wird ernsthaft über eine eigene Trasse entlang des Lenneufers diskutiert. Eigentumsverhältnisse verhindern jedoch ein schnelles Vorankommen der Planung.

Letzte Station der Verkehrsgruppe war die Hagener Straße. Am Springbrunnen wurde über Optimierungsmöglichkeiten diskutiert, und das durchaus kontrovers. Unklar ist weiterhin, ob die Straße Richtung Westen wieder geöffnet wird und falls ja, wie der Verkehr fließen sollte. Nur was Verlagerung des Linienbusverkehrs angeht, legt Blanke Verwaltungsmitarbeitern und Politikern eine Ablehnung ans Herz. „Überall, wo die Busse aus der Innenstadt genommen wurden, ist die Kaufmannschaft todunglücklich, weil die so genannten Zufallskäufer fehlen, die die Geschäfte nur deshalb entdecken, weil sie mit dem Bus daran vorbeigefahren sind.“

Ergebnisse: Bescheidene Wünsche und große Pläne

In der Realschule wurden die Bürgervorschläge und Wünsche schriftlich festgehalten. Ein Blick nach Lasbeck: Für den VfR Lasbeck-Stenglingsen wird ein Rasenplatz gewünscht, ebenso stehen Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche auf der Liste. Das Vereinsheim des VfR ist von Schimmel befallen, und Grünanlagen sowie Gehwege wirken oft ungepflegt. Was den Verkehr betrifft, werden ein stationärer Blitzer und eine Feinstaub-Messanlage ins Gespräch gebracht. Im Stübbeken kam die Unzufriedenheit über das langsame Internet und den schlechten Zustand der Ortseinfahrt zur Sprache.

Auch an Optimierungsmöglichkeiten für die Stadtmitte mangelt es nicht. Gewünscht wird eine bessere Beleuchtung des Neumarktes, eine Aufwertung der Passage zwischen der künftigen Westspange und der Hagener Straße und zwei Themen, die noch für Diskussionen sorgen dürften: ein Parkhaus und ein dritter Zugang von der Innenstadt zur Lennepromenade.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben