Wirtschaft

Letmathes Eiskönigin sagt „Ciao“

Schöne Erinnerung: Zum Jubiläum 2005 schaute auch Bürgermeister Klaus Müller (zweiter von links, neben Gian Italo Panciera) bei Erika Panciera (ganz rechts, neben ihrer Schwester Sarah) vorbei und feierte mit.

Schöne Erinnerung: Zum Jubiläum 2005 schaute auch Bürgermeister Klaus Müller (zweiter von links, neben Gian Italo Panciera) bei Erika Panciera (ganz rechts, neben ihrer Schwester Sarah) vorbei und feierte mit.

Letmathe.   Erika Panciera hört auf. Das älteste Eiscafé vor Ort verschwindet damit nach 63 Jahren von der Bildfläche.

Der gelbe Vorhang hinter der Schaufensterscheibe des Eiscafés Panciera ist zugezogen. Die Letmather kennen das. Es ist das Signal, dass die Zeit des Sommers und der warmen Tage endgültig vorbei ist. Doch diesmal steckt mehr dahinter. Nicht nur die Eissaison ist zu Ende, sondern eine ganze Ära. Letmathes älteste Eisdiele, 1955 von Erika Pancieras Großeltern an der Hagener Straße 61 eröffnet, wird geschlossen bleiben. Das hat die langjährige Inhaberin nun gegenüber der Heimatzeitung schweren Herzens bestätigt.

„Ich konnte meinen Gästen noch nicht einmal vernünftig auf Wiedersehen sagen und mich für die langjährige Treue und das Vertrauen in unsere Arbeit bedanken“, bedauert sie. Auch sei sie traurig, nach so vielen Jahren diese Entscheidung getroffen haben zu müssen. „Ich bin ja schließlich mit dem Eiscafé aufgewachsen.“

Gesundheitliche Probleme hätten den Entschluss letztendlich herbeigeführt, der zu Beginn der bevorstehenden 20er Jahre aufgrund des auslaufenden Mietvertrages für das Ladenlokal ohnehin vollzogen worden wäre. „Keine Angst, es ist nichts Dramatisches, und ich werde daran auch nicht sterben, aber diese Sache möchte ich jetzt erstmal in den Griff bekommen“, erklärt sie in aller Offenheit. Es sind die Füße, die ihr zu schaffen machen – eine Folge des Jahrhundert-Sommers. „Es wird immer schwieriger, vernünftiges Personal zu finden, das bleibt. Schon in diese hinter uns liegenden Top-Saison sind wir mit sehr wenig Personal gegangen. Das hat mir auf die Gesundheit geschlagen.“ Dass es von April bis Oktober nur gefühlt fünf verregnete Tage bei Temperaturen stets jenseits der 20-Grad-Marke geben würde, konnte niemand ahnen.

Dass ihre Entscheidung die Gerüchteküche brodeln lässt, ist ihr nicht entgangen. So ist verbreitet worden, dass sie das „San Remo“ in den Dom-Arkaden übernehmen würde. „Nein, es gibt keine Übernahme. Erstmal möchte ich meine Gesundheit wieder in den Griff bekommen.“ Das ist auch der Grund, weshalb sie noch keine konkreten Pläne für ihre Zukunft hat. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass das Gebäude an der Hagener Straße 61 abgebrochen und neu aufgebaut werden soll. Die Beteiligten schweigen, aber Tatsache ist, dass dem Bauordnungsamt bis zum 7. November kein entsprechender Antrag vorgelegen hat.

Letzte Öffnung am Tag nach ihrem Geburtstag

Dass die 63 Eiscafé-Jahre zunächst still und leise zu Ende gegangen sind, bedauert die Inhaberin. Doch bis zum 14. Oktober, dem Tag, an dem sie letztmals ihre Gäste bediente, sei noch gar nicht zu hundert Prozent klar gewesen, was die Stunde geschlagen hat. „Die Entscheidung ist erst im Oktober getroffen worden“, beteuert Erika Panciera, die vor knapp drei Wochen ihren 50. Geburtstag gefeiert und das Geschäft zu Beginn der 90er Jahre übernommen hat. Dass die zweifache Mutter die letzte Panciera sein würde, zeichnete sich seit längerer Zeit ab. „Die Kinder haben andere Pläne“, erklärt sie, ohne dass ein Vorwurf daraus zu hören ist.

Unweigerlich geht der Blick zurück auf die Jahre ab 1955, als sich Italo Panciera mit seiner Frau Isolina aus dem Dolomiten-Örtchen Forno di Zoldo aufmachte, um den Letmathern kulinarisch den Kopf zu verdrehen. Aus Erzählungen weiß die Enkelin, was damals auf der Hagener Straße losgewesen ist. „Die Eisdiele war ein Riesen-Ereignis, ein Treffpunkt für alle Leute.“ Und sie waren glücklich, obwohl es mit Zitrone, Schokolade, Erdbeere und Vanille nur vier verschiedene Sorten zur Auswahl gab. An die 30 Varianten sind es zuletzt gewesen. Doch nicht nur diese Zahl ist gewachsen, sondern auch die Zahl der Standorte.

Viele schöne Erinnerungen an das Jubiläumsfest 2005

Originales Panciera-Eis, das nach einem alten, geheimen Familienrezept hergestellt wird, gab es im Laufe der Jahre auch in Hohenlimburg und Iserlohn, 1968 folgte der zweite Standort in Letmathe-Mitte. Tradition hatten die immer wieder neuen Kreationen zum Brückenfest, an denen sie leidenschaftlich gerne tüftelte – und den Geschmack ihrer Gäste traf. Unvergessen ist ihr außerdem die Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen geblieben, die 2005 stieg: „Es gab Tanz und Musik und wir hatten damals die Kugel für 30 Cent verkauft. Abends war das Eis komplett ausverkauft.“

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