Innenstadt

Linda Hack übernimmt – Letmathe behält „Kleine Buchhandlung“

Die 22-jährige Linda Hack will „Die Kleine Buchhandlung“ im Sinne ihres verstorbenen Vaters weiterführen und wächst gerade in ihre neue Rolle als Chefin hinein.

Die 22-jährige Linda Hack will „Die Kleine Buchhandlung“ im Sinne ihres verstorbenen Vaters weiterführen und wächst gerade in ihre neue Rolle als Chefin hinein.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  „Die Kleine Buchhandlung“ soll nicht mit ihrem langjährigen Inhaber Roland Hack sterben. Seine 22-jährige Tochter Linda übernimmt.

Es wird weitergehen mit „Die Kleine Buchhandlung“ an der Hagener Straße: Die Geschäftsführung übernimmt Linda Hack, die jüngste Tochter des langjährigen Inhabers Roland Hack. Dieser war im Januar gestorben, was viele Letmather mit großer Anteilnahme zur Kenntnis genommen haben. Das kleine Team bekommt seitdem auch die Sorge über die Zukunft des einzigen Buchhändlers in der Innenstadt zu spüren.

„Wirklich jeder fragt“, kommentiert die Angestellte Anne Giesecke, die zusammen mit ihrer Kollegin Sabine Lontke schon die gesamte Belegschaft bildet. Sie hat sich noch nicht daran gewöhnt, in der Pause allein vor dem Eingang zu sitzen, wie sie bedrückt berichtet. Mit Zeitung und Kaffee saß Roland Hack oft vor seinem Laden – ein Bild, dass sich in die Erinnerung von Innenstadtbesuchern eingebrannt hat und heute als Foto mit Trauerhinweis neben der Eingangstür hängt.

Tochter Linda hat ihrem Vater beim Schulbuchverkauf geholfen, seit sie groß genug war und auch schon als Aushilfe im Laden gearbeitet. Die 22-Jährige studiert gerade in Bochum Sprachwissenschaften, aber ihre Prioritäten sind klar: „Ich konzentriere mich jetzt aufs Geschäft.“ Auch wenn für die Mitarbeiter offenbar kaum ein Zweifel daran bestand, welcher der Sprösslinge für die Übernahme in Frage kommt, habe es dazu im Vorfeld keine explizite Absprache gegeben, erklärt Linda Hack, die ihrem Vater gleichwohl stets über die Schulter geschaut hat und zuversichtlich wirkt, in ihre neue Rolle als Chefin hineinzuwachsen.

Die Trauer wiegt noch schwer und die vielen Beileidsbekundungen überwältigen die junge Frau ein wenig, auch weil sie plötzlich mit Roland Hack als stadtbekannte Persönlichkeit konfrontiert wird. „Ich habe in den letzten Tagen so viele Geschichten über ihn erzählt bekommen, die ich nicht kannte. Ich muss das gerade alles zusammenbringen, denn für mich war er einfach immer mein Vater“, versucht sie zu erklären, was in ihr vorgeht.

Geschäft soll als Fachhandel für Bücher erhalten bleiben

Der 1950 geborene Roland Hack war Buchhändler mit Leib und Seele. „Die Kleine Buchhandlung, das war sein Leben“, sagt seine Tochter und Anne Giesecke nickt wissend. Beruflich habe er vielseitig experimentiert und unter anderem in einer Schirmfabrik gearbeitet. In der Iserlohner Innenstadt verkaufte er zunächst politisch links orientierte Literatur, bevor es 1985 nach Letmathe ging – bis vor sechs Jahren noch quer gegenüber an der Hagener Straße. Der gebürtige Iserlohner ging in der 68er Bewegung auf, liebte die Literatur von Hermann Hesse und identifizierte sich mit alternativen Strömungen. „Im Grunde verstand er sich selbst als Hippie“, sagt Linda Hack, in der Erziehung seiner Kinder sei er entsprechend „locker“ vorgegangen.

Auch mit seiner eigenen Krankheit ging der Buchhändler auf eine für andere bisweilen verblüffenden Gelassenheit um. Anne Giesecke gibt gerührt eine Anekdote zum besten: „Als ich ihn im Krankenhaus besucht habe, hat er mich so angeguckt“ – sie legt den Kopf schief und zieht eine Augenbraue hoch – „und gefragt: Du siehst aber nicht gut aus, wie fühlst du dich?“

Linda Hack will den Betrieb im Sinne ihres Vaters weiterführen, „so lange wie möglich“. Die Kleine Buchhandlung soll ein Fachgeschäft bleiben und nicht etwa anfangen, „Ramsch“ zu vertreiben, wie die neue Chefin es ausdrückt. Dabei helfen die treuen Kunden, die hier Romane genau so wie Ratgeber erwerben. „Gesundheitsthemen sind stark nachgefragt, und als Geschenk sind Bücher noch immer sehr beliebt“, weiß die 22-Jährige. Die Kunden hätten ihr die Entscheidung leichter gemacht, betont sie: „In Letmathe ist es so entspannt und familiär, das ist einfach schön.“

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