Hotellerie-Neustart

Minibars aus den Zimmern verbannt

Die Damen an der Rezeption des Hotel-Restaurants Neuhaus freuen sich auf die Rückkehr der Hotel- und Restaurantgäste.

Die Damen an der Rezeption des Hotel-Restaurants Neuhaus freuen sich auf die Rückkehr der Hotel- und Restaurantgäste.

Foto: Cornelia Merkel

Lössel.  Der Tourismus-Neustart im Hotel-Restaurant Neuhaus nach dem Corona-„Lockdown“ fällt buchungsmäßig zaghaft aus,

Bevor der Hotelgast das Romantikhotel Neuhaus betritt, muss er klingeln und warten, bis ihn das Servicepersonal des Hauses in Empfang nimmt, seine Kontaktdaten und die Ankunftszeit notiert, um ihn dann auf die Maskenpflicht in den Fluren und die Handdesinfektion hinzuweisen.

Das Telefon steht nicht still am Tag des Neustarts im Hotelbetrieb und dem Beginn der zweiten Woche des Restaurantbetriebes. Das sind nicht alles Tischreservierungen oder Hotelbuchungen, weiß Geschäftsführerin Aysun Neuhaus. Viele Kunden hätten erstmal Fragen, was sie dürfen und was sie beachten müssen. Nach der ersten Woche Restaurantbetrieb freuen sich die Lösseler Gastronomen über positive Rückmeldungen: „Unsere Gäste fühlen sich wohl und freuen sich alle, dass sie wieder zu uns kommen können. Alle hatten eine schwere Zeit.“ Frederic Neuhaus berichtet von Fans, die sich seit dem Neustart bereits zum dritten Mal von der Küche verwöhnen ließen. Im Restaurant, im Bistro „Julius“, dem Kaminzimmer und auf der Terrasse sind weniger Tische aufgebaut, so dass mehr Platz für die Abstandsregeln entstanden ist.

„Sicherheit und Hygiene steht über allem“, betont der Geschäftsführer. Mitarbeiterinnen an der Rezeption tragen wie die übrigen Servicekräfte Masken und sitzen hinter Plexiglasscheiben. „Unser Hygieneschutzkonzept wurde von der Stadt abgenommen und als vorbildlich gelobt“, erzählt Frederec Neuhaus. „Wir wollen zeigen, dass wir es ernsthaft und seriös machen können. Wenn jemand die Regeln einhalten kann, dann ist es die Gastronomie. Wir sind unseren Stammkunden dankbar, dass sie uns unterstützen“, sagt Geschäftsführer Frederec Neuhaus. Dass sich die Gäste selber um die Garderobe kümmern müssen, stoße auf Verständnis.

Neuhaus berichtet von aktuell fünf Hotelgästen. Die Buchungslage beschreibt er als „sehr zaghaft, kein Vergleich zum Vorjahr“: „Im Mai waren wir sonst zu 80 Prozent ausgelastet, jetzt sind es zwischen fünf und zehn Prozent.“ Er stelle sich auf einen langsam wieder anwachsenden Prozess ein.

Der Hotelier wünscht sich neben einem zweiten Rettungsschirm für Gastronomie und Hotelgewerbe durch die Bundesregierung mehr Tourismuswerbung für die Region. „Als Waldstadt haben wir so viele Möglichkeiten direkt vor der Haustür.“

Neuhaus beschreibt die unklare Lage: „Wir leben von Woche zu Woche und wünschen uns mehr Planbarkeit, auch für unseren Personaleinsatz.“ Das betreffe vor allem Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage. Die Vorgaben, dass nur Angehörige aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen, mache vieles schwierig. In puncto Abstandsregeln werde mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Beispielsweise hatte er gerade eine Anfrage wegen einer Hochzeit Mitte Juli. Da habe er immer noch keine Auskunft geben können, wie viele Gäste kommen können. Diese Unsicherheit sei groß. „Eine klare Linie würde uns helfen.“ Die befristeten Steuererleichterungen böten keine wirkliche Perspektive. Die brauche er aber für seine 34 Angestellten und acht Auszubildenden mit ihren Familien.

Die wegbrechenden Zuschläge und Trinkgelder zwischen 50 und 60 Prozent könne er nur über einen gewissen Zeitraum auffangen. Die Kurzarbeitsregelungen gingen an der Realität vorbei. Neuhaus berichtet von aktuell „80 Prozent der normalen Kosten bei nur 20 bis 30 Prozent des normalen Umsatzes“.

Seine Frau unterstreicht im Gespräch: „Wir sind dennoch geduldig, fokussiert und positiv.“ Ihre Devise sei nach wie vor: „Unsere Gäste und unsere Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen.“ Auch bei Corona-bedingten Sicherheitsabläufen und verstärkten Hygienemaßnahmen: Das Hotel hat alle Minibars aus den Zimmern verbannt, weil es zu aufwändig wäre, nach jedem Gast alle Flaschen zu desinfizieren. Dafür wurde der Zimmerservice erhöht und alle Zimmer mit ihren Ausstattungen und Schlüsseln immer wieder desinfiziert.

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