Amtsgericht

Mit 160 Stundenkilometern durch die Stadt gerast

Dem Blitzer an der Igelstraße wichen die Raser kalkuliert aus – auf die Gegenfahrbahn.

Dem Blitzer an der Igelstraße wichen die Raser kalkuliert aus – auf die Gegenfahrbahn.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Urteil im Raserprozess: Zwei Taxifahrer müssen Geldstrafen bezahlen und ihren Führerschein für weitere vier Monate abgeben

Das Amtsgericht Iserlohn hat ein Urteil gegen zwei Taxifahrer ausgesprochen, die sich Anfang November 2018 ein Rennen durchs Stadtgebiet lieferten: Neben Geldstrafen wurde das bestehende Fahrverbot für beide um weitere vier Monate verlängert.

Die verurteilten Männer sind heute 47 und 58 Jahre alt und kennen sich schon länger. In der Nacht auf Mittwoch, 7. November, beschließen die beiden ohne besonderen Anlass, mal richtig Gas zu geben. Nicht bestätigen wird sich die zu Beginn des Verfahrens im Raum stehende Vermutung, sie könnten um die Wette gefahren sein, um als erster einen Fahrgast einzusammeln. Offenbar um den Rausch der Geschwindigkeit zu spüren rasen die beiden über etwa drei Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern durch Iserlohn. Auf der Karl-Arnold-Straße in Richtung Letmathe werden sie von einer Zivilstreife beobachtet, die sofort die Verfolgung aufnimmt und das Vergehen dokumentiert. Als Spitzengeschwindigkeit geben die Beamten später 160 Stundenkilometer an. Die Rennstrecke der Taxifahrer führt auch über die gefährliche Kurve der Igelstraße, wo die beiden kalkuliert vorgehen und den „Starenkasten“ umfahren, indem sie mit unverminderter Geschwindigkeit auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Gegen ausdrückliche Überholverbote verstoßen die beiden mehrfach. Langsamer werden die beiden erst, als sie auf eine rote Ampel zufahren. An der „Ellebrecht-Kreuzung“ werden die Taxifahrer schließlich von der Polizei eingeholt.

Vor Gericht sind die Raser geständig und versuchen nicht, ihr Verhalten zu rechtfertigen. Der Entzug des Führerscheins trifft besonders den 47-Jährigen hart, der seine Stelle verliert und jetzt von Sozialhilfe lebt. Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro bezahlen. Der 58-Jährige kann von Glück reden, im Betrieb seiner Ehefrau zu arbeiten, ihn verurteilt das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3000 Euro. Anwendung findet der neue Strafrechtsparagraf 315d, konkret das dritte darin benannte Kriterium: Schuldig ist demnach, wer sich „grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.“

Der Strafrahmen sieht in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. Das Gericht legte den Taxifahrern jedoch neben ihren Geständnissen das Fehlen von Vorstrafen positiv aus. Prinzipiell könnten Richter auch Berufsverbote verhängen, erklärte ein Gerichtssprecher auf Anfrage: „Das ist in solchen Fällen allerdings ungewöhnlich.“ Ob sich die beiden einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), dem so genannten „Idiotentest“ unterziehen müssen, habe die Zulassungsbehörde zu entscheiden, erklärte der Sprecher.

Seit der Verschärfung des Strafrechts haben sich in Iserlohn mehrere schwere Raserunfälle ereignet, deren juristische Aufarbeitung noch aussteht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen die Beteiligten der Unfälle von der Hans-Böckler-Straße im März und der Mendener Straße im April dieses Jahres.

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