Ökumenische Kooperation

Mit dem Gemeindebus zum Impfen von Letmathe nach Lüdenscheid

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Daniela Westermann (v. li.), Michael Hillebrand, Margret Hartmann, Günter Verrieth, Klaus Zschaler und Pfarrer Volker Horst, hier vor der Christuskirche, sind ein Teil des ökumenischen Impftaxi-Teams.

Daniela Westermann (v. li.), Michael Hillebrand, Margret Hartmann, Günter Verrieth, Klaus Zschaler und Pfarrer Volker Horst, hier vor der Christuskirche, sind ein Teil des ökumenischen Impftaxi-Teams.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Roden.  Die Christusgemeinde und die Gemeinde Herz Jesu haben ein Hilfsangebot für impfberechtigte Senioren auf die Beine gestellt.

Das Dröscheder Modell macht Schule: Jetzt haben auch die evangelische Christus-Kirchengemeinde und die katholische Gemeinde Herz Jesu einen kostenlosen Fahrdienst zum Impfzentrum in Lüdenscheid auf die Beine gestellt. Dazu wird ein Transporter der Christusgemeinde genutzt, ein Pool von derzeit elf Ehrenamtlichen steht zum Fahren bereit.

„Die Idee wurde aus dem Kreis der Ehrenamtlichen an mich herangetragen“, sagt der evangelische Pfarrer Volker Horst zur Vorgeschichte. Eine der Ehrenamtlichen ist Daniela Westermann, die durch Medienberichte auf die Schwierigkeiten aufmerksam wurde, vor denen viele über 80-Jährige bei der Impfung stehen: „Ich war in Kurzarbeit und hatte Zeit, mir Gedanken zu machen. Da habe ich zum Hörer gegriffen und Volker Horst angerufen, um zu fragen, ob wir nicht etwas tun können.“ Dieser wiederum berichtet, innerhalb kürzester Zeit hätten sich sieben Fahrer gefunden.

„Wir haben dann abgeklärt, dass Fahrer und Passagiere unfallversichert sind und uns ein Bild vom Bedarf gemacht“, berichtet Pfarrer Horst – bei älteren Menschen in Lössel, Roden und Dahlsen schellte daraufhin das Telefon. Ergebnis: Die meisten Betroffenen bewältigen das Transportproblem innerhalb der Familie – aber eben nicht alle: „Wir haben schon zehn Personen, die unser Angebot dankend annehmen.“

Margret Hartmann, Vorsitzende der Caritas Herz Jesu Grüne, hatte zuvor unabhängig von den Plänen der Christusgemeinde herumgefragt, wie ein Fahrdienst organisiert werden könnte. Dabei hätten sich erhebliche Hürden gestellt: „Aus Datenschutzgründen haben wir keine Kontaktdaten bekommen, und Paderborn wollte das Versicherungsrisiko nicht übernehmen.“ Dann aber hörte sie von den Vorbereitungen der evangelischen Gemeinde und bot Ehrenamtliche aus den eigenen Reihen an, um den Fahrerpool zu vergrößern. „Ökumenische Zusammenarbeit ist wichtig“, ist Hartmann überzeugt, und in Zukunft werde sie eine noch größere Rolle spielen.

Der Fahrdienst ist für Impflinge kostenlos, wer kann und möchte, darf natürlich etwas spenden und sich so an den Treibstoffkosten beteiligen. Volker Horst stellt klar, dass die Zielgruppe eng umrissen ist: „Wer privat gefahren werden kann oder von der Krankenkasse Geld für ein Taxi bekommt, sollte das auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Wir wissen aber, dass manche Menschen durchs Raster fallen, und denen möchten wir helfen.“

Die Helfer erkennen ihre eigenen Grenzen an

Dabei sind sich die Helfer ihrer Grenzen bewusst und richten das Angebot bewusst nur an den Einzugsbereich der Gemeinden. Auf die Kirchenmitgliedschaft komme es im Einzelfall aber nicht an: „Danach werden wir niemanden fragen“, verspricht Volker Horst. Eine praktische Grenze stellt der Transport von Menschen dar, die nur noch mit Rollstuhl mobil sind: „Das funktioniert leider nicht mit unserem Fahrzeug. Rollatoren kriegen wir aber noch in den Kofferraum.“

Für Hygiene sorgen Masken der Passagiere – wer am Steuer sitzt, dürfe aus polizeilichen Gründen wohl keine tragen – und gründliche Desinfektion. Transportiert werden kann jeweils nur eine Person und gegebenenfalls ein Begleiter. „Das Angebot ist als Ergänzung gedacht. Dröschede zum Beispiel ist ja teilweise schon über den Sportverein abgedeckt“, sagt Pfarrer Horst und verweist damit auf ein Vorbild.

Dort sei das Hilfsprojekt gut angelaufen, berichtet Gero Denninger, der die Abteilung Breitensport bei Borussia Dröschede leitet: „Drei Fahrten haben wir schon gemacht und in der nächsten Zeit noch drei weitere Termine für Erstimpfungen.“ In Gesprächen mit Betroffenen sei deutlich geworden: „Viele haben Probleme mit der Terminvergabe und sind mit der ganzen Sache überfordert.“

Der Bus der Christusgemeinde wird am 3. März zu seiner „Impf-Jungfernfahrt“ aufbrechen, mit einem Ehepaar aus Lössel an Bord.

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