Abschied

Mit Musik geht alles leichter

Beim Sommerfest der „Arche Noah“ war Werner Kötteritz mit seinen Bewegungsliedern jetzt noch einmal voll in seinem Element. Morgen wird er verabschiedet

Beim Sommerfest der „Arche Noah“ war Werner Kötteritz mit seinen Bewegungsliedern jetzt noch einmal voll in seinem Element. Morgen wird er verabschiedet

Foto: Ralf Tiemann

Letmathe.   Werner Kötteritz verabschiedet sich nach 35 Jahren von der Evangelischen Kindertagesstätte „Arche Noah“.

Werner Kötteritz muss nicht lange überlegen. Wie aus der Pistole geschossen kommt ein sehr entschlossenes „Alles“ auf die Frage, was denn mit Musik eigentlich alles leichter geht. Er selbst ist der lebende Beweis dafür. Der Leiter des Evangelischen Kindergartens Arche Noah hat sich – das wird im Gespräch sehr schnell spürbar – bis zu seinem letzten Arbeitstag eine enorme Begeisterungsfähigkeit, Spaß an den Kindern und lachende Augen bewahrt. Das ist sehr beneidenswert und könnte tatsächlich damit zu tun haben, dass mit der Musik, die Kötteritz wohl wie kein zweiter in seinen Arbeitsalltag integriert hat, vieles tatsächlich leichter geht.

„Musik hilft, eine positive Beziehung zu den Kindern aufzubauen“, sagt Kötteritz. Auch die Eltern fänden es gut, wenn man mit den Kindern Musik macht. Der Kindergarten sei dann einfach positiv in den Köpfen der Eltern. Und richtig wichtig sei es für ihn, dass Kinder lernen, dass Musik von Menschen gemacht werden muss – anders geht es halt nicht.

Und damit hat Werner Kötteritz, der gestern offiziell seinen letzten Arbeitstag hatte und morgen im Gottesdienst feierlich verabschiedet wird, schon früh angefangen. Und zwar in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten im Turm der Friedenskirche, der Generationen von jugendlichen Musikern als erster Probenraum diente – so auch für Kötteritz, einem echten Letmather Jungen.

Erste Band im Turm der Friedenskirche

Das sei Ende der 60er Jahre gewesen, sagt der 65-Jährige, der damals so um die 15 Jahre alt war. Große Instrumentalkenntnisse habe im Grunde niemand gehabt, auch er als angehender Gitarrist nicht, seine erste Band, „Dom of Lazarus“, habe sich aber dennoch nicht nur auf den Spuren der Beatles bewegt, sondern auch sofort auf den experimentellen Pfaden von Bands wie „Can“.

Mit der Musik sei es dann aber erst einmal nicht so recht weiter gegangen. Stattdessen stand eine Ausbildung zum Industriekaufmann an – und danach der Wunsch, Sozialpädagogik zu studieren. Zum Einstieg in die Pädagogik absolvierte er aber erst die Ausbildung zum Erzieher. Dabei sei es dann aber geblieben, was vielleicht auch mit seinem Lehrer an der Berufsschule, Peter Bochynek, zu tun hat, der Generationen von Erziehern geprägt hat, und von dem, wie Werner Kötteritz sagt, auch er sehr viel gelernt habe. Sicherlich auch die große Begeisterung für seinen Beruf.

Der begann dann zunächst in Gerlingsen im „Haus für alle Kinder“, wo er in der integrativen Arbeit mit Kindern mit Handycap sofort sehr viel lernte, wovon er auch später in Letmathe noch profitierte. Eins hat er aber auch da schon und auf Anhieb vermisst: Kinderlieder, die zum Alltag im Kindergarten passen. Also fing er an, seine eigenen Lieder zu schreiben. Erst Bewegungslieder für die Kleinen, später auch inhaltsschwerere Lieder über Freundschaft und Kinderprobleme für die Älteren. Ein Volltreffer. 1984 – also genau vor 35 Jahren – konnte er in den Kindergarten „Arche Noah“ in seiner Letmather Gemeinde wechseln, wo er später auch Leiter wurde. Und im selben Jahr nahm er auch schon seine erste Platte „Raketaketong“ auf. Zusammen mit dem Letmather Musiker Otto Flanz bildete er ein kongeniales Duo: Kötteritz schreibt und singt, Flanz bearbeitet und arrangiert. Gemeinsam entstehen mehr als ein Dutzend CDs, und bis heute sind sie auf den Bühnen der Region unterwegs, um Spaß mit Kindern zu haben. Ein großer Erfolg, der viele viele Kinder in Iserlohn und Umgebung erreicht hat, allerdings ohne so hohe Verkaufszahlen, dass der Liedermacher das Liedermachen zum Hauptberuf gemacht hätte.

Zum Glück, denn mit diesem Spaß an den Kindern, der Kötteritz anscheinend im Blut liegt, war er im Kindergarten wohl am besten aufgehoben. Und das bis heute. „Ich mag Kinder“, sagt er. „Es macht mir nach wie vor riesigen Spaß. Ich bin immer noch neugierig, wie Kinder sind, wie sie reagieren und wie sie ticken.“

Dabei hätte auch er reichlich Gelegenheit gehabt, mal zerknirscht zu sein über seinen Beruf. Denn wie in allen pädagogischen Berufen sind die Veränderungen der letzten Jahrzehnte so mannigfaltig und tiefgreifend, dass sie kaum auf eine Zeitungsseite passen würden. Die Anforderungen seien größer geworden, auch durch die Pflicht zur Dokumentation. Pädagogische Konzepte haben sich verändert hin zum Kindergartenkind mit Mitspracherecht, die Ansprüche der Eltern seien gestiegen und die Kinder hätten sich auch verändert. „Wir haben für uns immer das Beste aus allen Neuerungen herausgepickt und sind unseren Weg gegangen“, sagt Kötteritz. Und das mit Erfolg. Die „Arche Noah“ hat sich in seiner Zeit von einem einfachen Kindergarten mit 75 Kindern in drei Gruppen zu einem Familienzentrum mit 100 Kindern mit Krippenplätzen und U3-Betreuung entwickelt. Viele Anbauten und Erweiterungen waren dafür notwendig.

Was sich in all den Jahren nicht geändert und was der erfahrene Erzieher eher mit Kopfschütteln zur Kenntnis nimmt, sei der Personalschlüssel. Wie vor 35 Jahren sind einer Regelgruppe mit 25 Kindern zwei Erzieherinnen zugeteilt. Auch das neue „Gute-Kita-Gesetz“ gebe das viele Geld lieber für geringere Beiträge für Besserverdiener aus, als für mehr Personal. Dabei sei gerade letzteres dringend nötig, sagt Werner Kötteritz, der eigentlich gar nicht über Politik sprechen möchte. „Ich habe immer die Bedingungen angenommen und mich neutral verhalten“, sagt er.

Generell müsse man sagen, dass sich schon in den 80er Jahren die Erkenntnis durchgesetzt habe, dass man die Chancengleichheit in der Bildung erhöhen müsse und dass das schon im Kindergarten anfange. „Das war und ist sehr richtig“, sagt er – auch gerade heute beim Thema Migration. Und vieles hätte sich dabei auch getan. Der Kindergarten sei enorm wichtig und sei auch deutlich aufgewertet worden. „Der Stellenwert des Kindergartens hat sich definitiv erhöht.“

Vor der Langeweile wird ihm nicht bange

Für Werner Kötteritz ist jetzt aber Schluss. Er wird seine Nachfolgerin Heike Simon noch einarbeiten. Und dann geht er in den Ruhestand, obwohl er sich noch nicht zu alt für den Job fühlt. „Ich höre auf, wenn mir die Kinder weglaufen“, habe er immer gesagt. „Noch kriege ich sie aber alle“, lacht er. Schließlich ist er nicht nur musik- sondern auch sportbegeistert und jagt in der Freizeit immer noch mit Begeisterung dem Tennisball hinterher. Und auch bei seinen eigenen Bewegungsliedern habe ihn noch kein Kind Opa genannt. Es reiche ja auch, dass sein eigenes Enkelkind „Opa Werner“ über den Hof ruft. Die Bewegung hält ihn jung.

Die Musik ist es aber wohl, die ihm auch den Schritt in den Ruhestand erleichtert. In der „Paul Meyer Combo“ ist er an der E-Gitarre aktiv. Mit Otto Flanz soll es mit Kinder- und Bewegungsliedern live auf der Bühne weitergehen. Und falls freitags im Wochenabschiedskreis ein erfahrener Kinderliedermacher erwünscht sei, würde er auf keinen Fall nein sagen. „Bange vor Langeweile ist mir nicht“.

Ein Geschenk des Himmels

So bezeichnet Burckhardt Hölscher seinen langjährigen Weggefährten: „Ein musikpädagogischer Volltreffer.“

Vor allem sei Kötteritz als Leiter des Kindergartens aber ein wichtiger Teil der Gemeinde. Und als solcher wird er am morgigen Sonntag um 10.15 Uhr im Familiengottesdienst in der Friedenskirche zusammen mit den Schulanfängern des Kindergartens verabschiedet.

Anschließend gibt es einen Empfang mit Grußworten und einem Imbiss.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben