Kunst

Mit Rückenwind ins Galeristen-Leben

Künstlerin Petra Lukoschek wirkte überwältigt von dem großen Zuspruch ihrer Gäste.

Künstlerin Petra Lukoschek wirkte überwältigt von dem großen Zuspruch ihrer Gäste.

Foto: Emily Karacic

Letmathe.  Petra Lukoschek und Christoph Wieloch haben die Eröffnung ihrer Galerie „Tunichtgut und Sorglos“ an der Hagener Straße gefeiert.

Petra Lukoschek strahlt mit der Abendsonne um die Wette. Die Künstlerin kommt aus dem Herzen und Küssen gar nicht mehr heraus. An der Hagener Straße 28 reicht die Schlange der Gratulanten bis auf den Gehsteig: Freunde, Bekannte und Förderer der Künste wollen der Malerin und Lyrikerin die besten Wünsche für den Start ins Galeristen-Leben mit auf den Weg geben.

Große Aufmerksamkeit aus der heimischen Künstlerszene

Zeitweise ist in der langen, schmalen Passage kaum ein Durchkommen mehr – ein gelungener Start für die Galerie „Tunichtgut und Sorglos“, ist der allgemeine Tenor. Der Besucher muss feststellen, dass auch Kunstfreunden die Schlacht am kalten Buffet bekannt ist. Dazwischen beherrscht Christoph Wieloch sozusagen das Chaos: Der Vorsitzende des Iserlohner Kunstvereins lässt mit lautem Knall die Korken fliegen. Als sich die erste Aufregung gelegt hat, gönnt sich Petra Lukoschek einen Moment der Ruhe und lässt in Gedanken den Weg vom ersten Blick ins leere Ladenlokal bis zur Galerie Revue passieren (wir berichteten).

50 Bilder und Skulpturen zeigt das Künstler-Duo ab sofort in Letmathe. „Es sind Werke aus sechs Jahren, manche sind aber auch erst kürzlich entstanden“, erklärt die Malerin und zeigt auf ein kleinformatiges Bild in grünen, blauen und weißen Farben. Es trägt den Titel „Antarktis“ und ist Lukoscheks Beitrag zur Debatte um die Klimakrise.

Ihren künstlerischen Stil beschreibt sie als „zum Teil figürlich, teils abstrakt“, während Christoph Wiesloch insgesamt abstrakter male. Oft finden sich Bezüge zur Heimat: Das Bild „Eisenwald“ von 2019 zeigt wie schwebend eine feengleiche weiße Frau im Wald mit einem Rehkitz, Danzturm und Bauernkirche bilden die Kulisse. Lukoschek will eine heimatverbundene Malerin „zum Anfassen“ sein: Die neue Galerie ist für sie gleichsam Ausstellungsraum und Atelier in einem. „Ich sehe diesen Ort als eine Möglichkeit, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen“, erklärt sie. Sie wolle die Kunst zu den Menschen bringen und nicht umgekehrt. Den Blick der Besucher über die Schulter empfinde sich nicht als störend: „Im Gegenteil“.

Ein Leerstand weniger an der Hagener Straße

Die große Unterstützung der Besucher hingegen mache sie sprachlos. „Das bedeutet für mich Rückenwind und künstlerische Inspiration“, freut sie sich. Um sich mit der Galerie breiter aufzustellen, bietet Petra Lukoschek zudem Malkurse für Gruppen, Einzelpersonen, Kinder und Erwachsene an. „Wir probieren verschiedene Techniken aus, erfinden Neues, lassen unser Inneres sprechen und arbeiten unter liebevoller Anleitung“, erklärt sie das Konzept.

Auch die Nachbarn im Bereich der Hagener Straße freut das neue Leben in den alten Räumen. Herrmann Esser von „Wohnkultur“ sagt: „Leerstand ist nie gut für eine Stadt. Ich wünsche der Galerie viel Erfolg!“ Vor der Tür läuten Sängerin Ann-Kathrin und Gitarrist Joel mit sanften Pop-Balladen den Abend ein. Petra Lukoschek und Christoph Wieloch haben noch lange nicht jede Hand geschüttelt. Trotzdem wird die Malerin morgen früh voller Freude die Tür aufschließen – zu ihrer eigenen Galerie.

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