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Mordrausch als unterhaltsame Kost

Rudi Müllenbach hat mit „Velottis Spiel“ seinen dritten Ruhrgebiets-Krimi geschrieben.

Rudi Müllenbach hat mit „Velottis Spiel“ seinen dritten Ruhrgebiets-Krimi geschrieben.

Foto: IKZ

Oestrich.   Das wird nichts für schwache Nerven: In Rudi Müllenbachs neuestem Revier-Roman geht es ordentlich zur Sache. „Velottis Spiel“ heißt das Buch.

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Ist es typisch, dass Männer aus Südosteuropa häufig über Schlepperbanden ins Ruhrgebiet geschleust werden? Werden sie als illegale Arbeiter insbesondere von Baufirmen ausgebeutet? Und neigen diese Illegalen zu brutalen Verbrechen? Ich weiß nicht, was die Kriminalstatistiken darüber sagen. Ich weiß nur: Rudi Müllenbach hat als Krimi-Autor keine Scheu, rumänische Arbeiter in Bottrop als skrupellose Gewalttäter darzustellen, die rauben und morden. Er schildert sie aber auch als Opfer geldgieriger Schleuser und Firmenbosse.

Will der Oestricher Autor damit indirekt skandalöse Missstände anprangern und legt bewusst den Finger in die Wunde? Oder nutzt er nur gängige Vorstellungen über die Kriminalität illegal eingereister Ausländer, um guten Stoff für seinen neuen Krimi zu haben?

Ungekünstelter Erzählstil, aber viel Schwarz-Weiß

Eines gewissen Eindrucks von Schwarz-Weiß-Malerei kann man sich kaum erwehren, wenn man den frisch erschienenen dritten Ruhrgebietskrimi „Velottis Spiel“ von Müllenbach liest. Der geldgierige Bauunternehmer, der machtbesessene Börsenspekulant, der Schlägertyp unter den Illegalen – sie haben alle nur denkbaren schlechten Eigenschaften und sind die Verkörperung des Bösen, während die Kripo-Kommissare auf der anderen Seite wenn nicht tugendhafte Helden, aber wenigstens clevere Typen sind, bei denen es allenfalls ein wenig menschelt – vor allem wenn es um Liebschaften geht. Vielleicht müssen Revierkrimis ja so sein.

Dabei sind die Krimis von Rudi Müllenbach angenehm zu lesen. Der 62-jährige Oestricher bedient sich in wohltuender Weise einer eingängigen Sprache. Er formuliert in kurzen Sätzen und in erfrischend ungekünsteltem Stil. Er erzählt prägnant und ohne Umschweife und verlässt das gute sprachliche Niveau auch dann nicht, wenn er mal hier und da umgangssprachliche Kraftausdrücke verwendet.

In „Vellotis Spiel“ kommt auf keiner der 165 Seiten Langeweile auf, weil fast in jedem Absatz etwas Neues passiert. Die Seiten sind mit Leichen, Anschlägen, Raubüberfällen, Verschwörungen und Racheakten fast schon gepflastert. Das Buch braucht keinen weitschweifigen szenischen Spannungsaufbau, keine langen Charakterbeschreibungen oder Nebenschauplätze. Es passiert so viel in so kurzen Abständen, dass man atemlos weiterlesen möchte.

Ein bisschen Humor ist in und zwischen den Zeilen zu spüren. Und mancher Leser wird sich an den Müllenbachschen Spielereien freuen. Offensichtlich hat sich der Oestricher, der ja auch als Musiker der Paul-Meier-Kombo bekannt ist, das Ziel gesteckt, möglichst viele Titel seiner mutmaßlichen Lieblingsgruppe „Supertramp“ in seinen Krimis unterzubringen. Und eine bestimmte Biersorte kommt auch immer wieder vor.

Dass zwei Namen wichtiger Charaktere in „Velottis Spiel“ am Schluss des Buches anders geschrieben werden als am Anfang, kann als kleiner Fehler notiert werden, verdirbt aber keinesfalls den Spaß an der Lektüre.

Das Buch setzt sich aus räumlich und zeitlich leicht versetzten Erzählszenen zusammen, wobei der gesamte Handlungsstrang aber stets mühelos erkennbar bleibt. „Velottis Spiel“ ist – unterm Strich – wenn auch mit Verbrechen fast schon überladen – gute Krimi-Unterhaltung. Von der Verbrechenshäufung fast schon erschlagen, kann man sich nach einem oder zwei Abenden müheloser Lektüre von „Velottis Spiel“ durchaus gut unterhalten fühlen.

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