Marienhospital Letmathe

„Nach Strich und Faden belogen“

Demo für den Erhalt des Marienhospitals am Samstag. Die Iserlohner Politik fühlt sich vom Kreis schlecht informiert.

Demo für den Erhalt des Marienhospitals am Samstag. Die Iserlohner Politik fühlt sich vom Kreis schlecht informiert.

Foto: Tim Gelewski / IKZ

Letmathe.  „Wir werden hier nach Strich und Faden belogen“, kritisiert Hans Immanuel Herbers, UWG-Piraten, die Informationspolitik des Kreises zur Lage.

Iserlohn und Letmathe sind zur Zeit offenbar ein zu heißes Pflaster für Offizielle des Märkischen Kreises: Der Platz eines Abgesandten von Landrat Thomas Gemke aus dem Lüdenscheider Kreishaus blieb leer, als sich der Arbeitskreis Gesundheitsversorgung im Ratssaal am Schillerplatz traf. Per Mail beantwortete man im Auftrag des Landrates die Fragen der Iserlohner Politik zur Vergangenheit und Zukunft des Marienhospitals. „Dieses Verhalten ist völlig inakzeptabel“, stellte Linken-Fraktionschef Oliver Ruhnert dem Kreis ein schlechtes Zeugnis aus „Die Antworten in diesem Schreiben bestätigen, was unser Eindruck war. Man hat beim Kreis das einzige Jahr mit einem Defizit im Betrieb des Marienhospitals genutzt, um jetzt den entscheidenden Schlag gegen dieses Krankenhaus zu führen.“

Es gehe, so betonte Ruhnert, nicht darum, Letmathe zu erhalten und Werdohl zu schließen. „Die Grundversorgung muss für alle gewährleistet sein. Das ist für mich nicht diskutabel.“

„Man habe schon erwartet, dass selbstverständlich ein Vertreter des Kreises zur Sitzung komme“, sagte SPD-Ratsherr und Vizebürgermeister Michael Scheffler. „Aber, das passt zum bislang intransparenten Verfahren. Damit hat sich der Kreis keinen Gefallen getan.“ Dieses Mal, so der Sozialdemokrat aus Letmathe, werde der Angriff gegen das Marienhospital ausgerechnet auch von denen geführt, die 1996 noch mitmarschiert seien, als Tausende im Stadtteil gegen die drohende Schließung damals zum Protest auf der Straße waren. „Dieser Angriff kommt von innen und diejenigen, die heute für eine Schließung sind, machen sich die Argumente zu eigen, gegen die sie vor 23 Jahren noch Widerstand geleistet haben.“ Der Nordkreis, so Scheffler, sei mit Betten unterversorgt. „Ist die Schließung von langer Hand geplant und haben wir es hier mit unterlassener Geschäftsführung zu tun?“, fragt Scheffler in Richtung Lüdenscheid. Dort sitzt der allmächtige Klinikchef Dr. Thorsten Kehe, dessen Schweigen vielsagend sei. Und während zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospitals hinten auf den Zuschauerplätzen des Ratssaales zuhören, sickert die Information durch, dass es handfeste Maßnahmen der Klinikleitung in Lüdenscheid gebe, um den Betrieb im Marienhospital zu sabotieren. Materiallieferungen würden zurückgehalten, Personal abgezogen – „man tut hier so, als sei die Schließung schon beschlossen“, ist SPD-Fraktionschef Peter Leye erzürnt, dabei gebe es nur eine Empfehlung des Aufsichtsrates, wie der Kreistag abstimme, sei völlig offen. Dabei hadert Leye mit seinen Genossen aus dem Südkreis. „Die haben keine Ahnung, wie es hier um die Gesundheitsversorgung bestellt ist.“ Für Hans Immanuel Herbers, Fraktionschef von UWG-Piraten, ist klar: „Wir werden in dieser Sache nach Strich und Faden belogen.“ Er meint damit die Iserlohner Politik, die aus Lüdenscheid nur Informationen zum Marienhospitals erreichen, deren Wahrheitsgehalt der Politiker bezweifelt. „Hier wird ein Krankenhaus systematisch bankrott gewirtschaftet.“

„Ich habe schon erwartet, dass Jemand vom Kreis hier erscheint“, ärgert sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Detlef Köpke. Er fordert „ein Gesamtkonzept, wie man die Kliniken in Werdohl, Lüdenscheid und Letmathe alle weiterführen kann.“

Ein „Anker für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region ist das Marienhospital für Vizebürgermeister Thorsten Schick (CDU). „Wenn man einen Leuchtturm wie die Schmerzklinik in Letmathe hat, dann muss man das stärken und nicht aufgeben.“

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