Werbegemeinschaft

Neue Ideen für den Handel auf der „Hagener“

Paul Nowak ist noch nicht lange in Letmathe dabei. Aber sein Interesse daran, dass es dem Stadtteil langfristig gut geht, ist riesig.

Paul Nowak ist noch nicht lange in Letmathe dabei. Aber sein Interesse daran, dass es dem Stadtteil langfristig gut geht, ist riesig.

Foto: Oliver Bergmann

Stübbeken.   Die Jahreshauptversammlung der Letmather Werbegemeinschaft war vom Austausch über Stärken und Schwächen des heimischen Handels geprägt.

Begrüßungen, Berichte, die Änderung der Satzung, die mit kleinen Veränderungen auch verabschiedet worden ist, und Verschiedenes – die Tagesordnung zur Jahreshauptversammlung der Letmather Werbegemeinschaft, die am Mittwoch in der Rübezahl-Baude abgehalten wurde, ließ nicht erahnen, dass der Abend noch ein wegweisender werden kann. Das Ausmaß lässt sich vielleicht sogar erst in einigen Jahren beurteilen.

Ausgangspunkt war die Kritik des zweiten Vorsitzenden, Rainer Großberndt, an der Berichterstattung in der Heimatzeitung über die Leerstände vor einigen Wochen. Das laut Großberndt vermittelte Bild, das Letmathe aussterben würde, sei „an den Haaren herbeigezogen“. Die Diskussion, die sich daran anschloss, zeigte allerdings, dass ein Ruck durch die Geschäftswelt gehen muss, falls Letmathe auch zukünftig eine attraktive Einkaufsstraße haben soll.

Anregungen kamen von Lebensmittel-Kaufmann Paul Nowak. Ihm sind im Laufe der knapp zehn Monate, in denen er mit seinem Edeka-Markt am Anfang der Hagener Straße vertreten sind, Stärken und Schwächen der Letmather Geschäftslandschaft aufgefallen. „Positiv ist, dass hier viele selbstständige Einzelhändler vor Ort sind, denn die kümmern sich ganz besonders um ihre Kunden. Nicht so wie in Hamburg, Berlin oder München.“

Nowaks Anregung: samstags länger die Läden öffnen

Mit seinem typischen Paul-Nowak-Humor kritisierte er eine bekannte Parfümerie-Kette. „Dort sind die Verkäuferinnen grundsätzlich blond, alle haben rote Lippen. Und wenn man näher herkommt, stellt man fest, dass sie auch noch alle gleich riechen.“ Das brachte die Versammlung natürlich zum Lachen, trotz des Ernstes, mit dem Nowak sprach und feststellte: „Allerorts werden wir uniformiert.“ Speziell an die Adresse seiner Kollegen von der „Hagener“ und ihren Nebenstraßen ging die Anregung, das Potenzial stärker zu nutzen, das die Samstage hätten: „Wenn um 13 Uhr alle schließen, dürfen wir uns über Leerstände nicht wundern. Öffnungszeiten bis 16 oder auch mal bis 18 Uhr müssen wir hinbekommen.“ Verständnis, diesen Weg nicht mitzugehen, äußerte er bereits jetzt für diejenigen, die keine Angestellten hätten. „Ich alleine könnte mein Geschäft dann auch nicht länger öffnen. Aber unsere Einzelhändler müssen richtig Bock haben, die Kunden mit ihren Angeboten zu begeistern.“

Begeistert von diesen leidenschaftlichen Ausführungen zeigte sich Gisela Wydra. „Sie haben es auf den Punkt gebracht“, sagte die Beisitzerin und fügte hinzu: „Die Werbegemeinschaft lockt die Kunden an, aber die Geschäftsinhaber müssen sie hierbehalten.“ Es war der Abend der flammenden Reden. Jan Zimmer machte in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Er brachte seine Sorge angesichts der aktuellen Leerstandssituation zum Ausdruck und äußerte Ideen zur längst begonnenen Zukunft. Zimmer möchte mit einigen Mitstreitern wie Jan Krämer und dessen Kollegen Tobias Kohl Gespräche mit allem Geschäftsleuten führen, dabei deren Sorgen und Nöte erfahren und Gegenmaßnahmen vorantreiben. Neue, junge Geschäftsinhaber sollten durch eine Art Starthilfe besonders gefördert werden. Der Schlagzeuger dachte an die Sparkasse, die im Bedarfsfall Kredite geben könnte, und an die Maklerin Cornelia Carle, die den Draht zu den Eigentümern der Immobilien hat. Aber das wäre nur ein Instrument.

Online-Kaufhaus für Letmathe soll eines Tages kommen

Spannender und öffentlichkeitswirksamer dürfte das „Letmathe-Intranet“ nach Attendorner Vorbild sein, das er ansprach. Dort habe sich ein Internet-Kaufhaus etabliert, in dem sämtliche Artikel gekauft, werden können, die in der in der Stadt verfügbar sind. Es sei eine Idee, die für Letmathe noch keine Marktreife besitzt, deren Notwendigkeit aber auf der Hand liege. „Wenn ich ohne Online-Angebot auf Dauer überleben möchte, muss ich entweder extrem gut oder extrem exklusiv sein“, sagte Jan Zimmer und erhielt Zuspruch von Katharina Köchling, Schatzmeisterin der Werbegemeinschaft und Direktorin des Privat- und Geschäftskundenbereichs der Sparkasse Iserlohn: „Kein Mensch unter 30 kennt noch eine Welt ohne Internet.“

„Mann-und-Mode“-Inhaber Frank Blumberg ließ mit einem Satz aufhorchen, der so wohl noch nicht ausgesprochen wurde: „Wird Letmathe noch attraktiver, steigen auch die Mieten.“

Die vielen Dinge, die in Iserlohns größtem Stadtteil bereits in die richtige Richtung laufen, erwähnte Rainer Großberndt in seinem Rückblick ebenfalls. Es waren wieder einmal die Veranstaltungen der Werbegemeinschaft, die dem Jahr 2017 seinen Stempel aufgedrückt haben. Großberndt stellte fest: „Alles, was Rang und Namen hat, kommt zu unserem Neujahrsempfang. Welche Werbegemeinschaft kann das sonst noch von sich behaupten?“ Er erwähnte die hervorragend besuchten Sommer-Veranstaltungen wie Cityfest, Brückenfest und Kilianskirmes und kündigte einige Neuerungen an.

Als nächste Veranstaltung steht demnach der „Tanz in den Mai“ im Saalbau an. „Das wird keine Rock- oder Disco-Veranstaltung, es geht um reinen Tanz. Wir wissen aber noch nicht, wie es ankommt.“ Die Premiere steigt – logischerweise – am 30. April. Der Kartenvorverkauf ist bereits gestartet. Auf den Tag genau zwei Monate später, also am 30. Juni, steigt dann auf dem Letnettiplatz der „Day of Song“. Treibende Kraft ist Paul Nowak. „Es gibt aus diesem Anlass 20 Bühnen in ganz NRW. Und ich finde, auch in Letmathe sollte eine stehen.“

Sicherheit auf Brückenfest ist schon jetzt ein heißes Thema

Am 7. und 8. September, dem Wochenende nach dem Brückenfest, wird wieder die SIHK-Aktion „Heimatshoppen“ groß geschrieben. 25 Geschäfte machen bislang mit.

Das Brückenfest, jedenfalls das vergangene, war dann der letzte Themenschwerpunkt des Abends. Tief sitzt noch immer der Ärger über die durch zahlreiche Lkw-Sperren zur „Festung“ gewordenen Innenstadt. Insbesondere dass der Lange Kummer und die Fingerhutsmühle durch die Barriere am Lennedamm-Kreisverkehr schwierig zu erreichen oder zu verlassen waren, wirkt noch nach. Groß ist die Hoffnung, dass die Sperre beim nächsten Fest wieder auf dem Lennedamm – hinter der Zufahrt zu den beiden Straßen aufgestellt wird. Das sei allerdings nicht die Idee der Werbegemeinschaft gewesen, beteuerten Großberndt und Rainer Gloede, der Vorsitzende. Sie versprachen aber, dass sie versuchen werden, die Sperre wieder anliegerfreundlicher errichten zu lassen.

Einen kleinen Zwischenfall gab es in der Nacht zum Festsonntag bei geöffneter Sperre tatsächlich: Ein Lkw-Fahrer, der ein Geschäft mit Lebensmitteln beliefern wollte, bemerkte im Bereich der Autoschau zu spät, dass er mit seinem Brummi nicht zwischen der Bühne und einen Ausstellungsauto hindurchpasst. Der Schaden sei jedoch gering gewesen, erklären die betroffenen Autohäuser und die Polizei. Es habe sich keineswegs um ein versuchtes Attentat gehandelt. Auch sei der Fahrer nicht alkoholisiert gewesen, sagte Polizeisprecher Dietmar Boronowski.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben