Soziales

Neue THW-Vizepräsidentin kommt aus Letmathe

Die neue THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner.

Die neue THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner.

Foto: Privat

Letmathe/Bonn.  Sabine Lackner stellt sich während der Corona-Pandemie einer neuen Herausforderung.

„Ich bin dankbar, dass ich arbeiten gehen kann und darf. Und dass ich gesund bin“, erklärt Sabine Lackner im Telefon-Gespräch mit der Heimatzeitung aus ihrem Büro in Bonn. Innenminister Horst Seehofer hat die gebürtige Letmatherin zur Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerkes ernannt. Damit tritt die 53-Jährige die Nachfolge von Gerd Friedsam an, der Anfang des Jahres das Amt des THW-Präsidenten übernommen hat. „Wir arbeiten hier in Bonn sehr auf Abstand, viele Kollegen sind im Homeoffice“, berichtet sie von vielen Video- und Telefonkonferenzen. Das sei noch sehr gewöhnungsbedürftig.

Auch privat hält sie sich stark an die Kontaktbeschränkungen, auch weil ihr Mann aus gesundheitlichen Gründen vorbelastet sei. Sie vermisst die Kontakte, weil sie gerade vor sechs Wochen zurückgekommen ist an ihren früheren Studien- und Wirkungsort, wo sie einen guten Freundeskreis habe.

Sabine Lackner betont: „Ich bin ganz dankbar, dass zu gesundheitlichen Sorgen keine wirtschaftlichen Sorgen kommen. Mein Schwager ist selbstständig und hat eine Yogaschule. Das sieht da ganz anders aus.“ Da sie keine wirtschaftlichen Sorgen haben müsse, unterstützen sie und ihr Mann die lokalen Gastronomiebetriebe, Cafés und Restaurants: „Der Außer-Haus-Konsum hat zugenommen. Wir sehen das in der Nachbarschaft, viele Lokale haben zu kämpfen.“

Weiterhin ein offenes Ohr

Die Letmatherin ist beruflich schon viel im In- und Ausland herumgekommen. Sie bringt viele Jahre Führungs- und THW-Erfahrung mit und war zuletzt als Landesbeauftragte des THW Landesverbandes Bremen/Niedersachsen tätig. „Als Vizepräsidentin habe ich auch weiterhin ein offenes Ohr für die Belange der ehren- und hauptamtlichen THW-Kräfte und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit“, sagt Sabine Lackner jetzt zum Beginn ihrer Amtszeit.

„Ich freue mich, mit Sabine Lackner eine Vizepräsidentin an meiner Seite zu haben, die sehr viel Führungserfahrung mitbringt und das THW bereits erfolgreich durch viele Einsätze geleitet hat“, sagte THW-Präsident Gerd Friedsam und beglückwünschte sie auf Grund der aktuellen Lage via Telefon.

Denn die neue Vizepräsidentin tritt ihren Posten in einer herausfordernden Zeit an. Aktuell sind rund 1100 Männer und Frauen aus dem Ehren- und Hauptamt im Kampf gegen das Coronavirus eingesetzt.

In dieser Lage profitiert sie von ihrer langjährigen THW-Erfahrung. „Ich bin fast 19 Jahre hauptamtlich beim THW, seit Oktober 2001“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sie in Bonn gleich in die hauptamtliche Arbeit einstieg und nicht über das THW in ihrer Heimat: „Der THW-Ortsverband in Iserlohn-Kalthof ist die kleinste ehrenamtliche Basis von 668 in ganz Deutschland.“ Sabine Lackner erläutert die Struktur des THW: „Es ist eine Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. Es ist eine Behörde, sie hat ihre THW-Leitung in Bonn, hat insgesamt acht Landesverbände, wo einige Bundesländer gebündelt sind, so haben Bremen und Niedersachsen einen hauptamtlichen THW-Landesverband. Unter diesen Landesverbänden gibt es hauptamtliche 66 Regionalstellen. Und darunter dann 668 Ortsverbände bundesweit. Und die sind ausschließlich ehrenamtlich geführt, von Ehrenamt gelebt und belebt.“

Sabine Lackner erblickte im Letmather Marienhospital am 18. April 1967 als zweites von drei Kindern ihrer Eltern das Licht der Welt, machte 1986 ihr Abitur am Stenner-Gymnasium in Iserlohn und studierte danach Russisch, Französisch und Internationales Recht in Bonn. In dieser Zeit war sie ein halbes Jahr in Frankreich und drei Monate in Russland. Nach dem Studium organisierte sie den pädagogischen Lehreraustausch für die Kultusministerkonferenz und war drei Jahre als Englisch- und Deutsch-Lehrerin in Japan. Danach leitete in Bonn zunächst die gemeinnützige Organisation „The Experiment in international living“, die weltweit Erwachsenen- und Schüleraustauschprogramme organisiert.

Als erste Frau im Amt der Landesbeauftragten

2001 wechselte sie zum THW, wo sie zunächst den Bereich Auslandsprojekte verantwortete, später die Internationale Zusammenarbeit und die Referatsleitung im Bereich Ausbildung übernahm. 2016 startete sie als erste Frau auf dem Posten der Landesbeauftragten für den THW-Landesverband Bremen/Niedersachsen. Auch ihr neues Amt an der Spitze des THW war zuvor noch nie von einer Frau besetzt. „Als Vizepräsidentin möchte ich beispielhaft vorangehen und Frauen im THW fördern, damit weibliche Führungskräfte zur Selbstverständlichkeit werden“, bekräftigt Sabine Lackner.

Seit Mitte März ist der Pandemieplan des THW in Kraft, erläutert sie die aktuelle Lage. In der THW-Leitung laufe derzeit „Bereitschaftsstufe II“ für einen Leitungs- und Koordinierungsstab. Mitarbeiter wechseln aus dem Tagesgeschäft in die Stabsfunktion, in der sie die Lage dokumentieren, Einsätze vorplanen, das Innenministerium informieren und die Hauptaufgaben steuern.

„Unsere Hauptaufgaben sind derzeit logistische Unterstützung für den Bund. Das Bundesgesundheits- und das Bundesinnenministerium haben einen gemeinsamen Krisenstab. Das Bundesgesundheitsministerium organisiert die Schutzausstattung für Bund und Länder. Und das THW übernimmt die Verteilung an den Bund.“ Das THW leiste außerdem Amtshilfe in den Ländern: „Bayern hat ja sehr früh den Katastrophenfall ausgerufen, der immer noch gilt. Das THW Bayern ist die Logistikkomponente vor Ort, mit Transportfahrten von persönlicher Schutzausstattung. Wir transportieren auch Proben, derzeit besteht kein persönlicher Patientenkontakt, sondern von mobilen oder festen Entnahmestellen überbringen wir die Proben in die entsprechenden Labore und Institute.“ Weitere Schwerpunktaufgabe sei die Errichtung von Behelfskrankenhäusern, beispielsweise in Hannover. „Wir sind sehr dankbar, dass die Arbeitgeber die Ehrenamtlichen von der Arbeit dafür freistellen“, betont Lackner. „Die Unterstützung ist ganz großartig.“

Deutschland sei im Vergleich zu anderen Ländern in Katastrophenlagen und in der Corona-Pandemie gut aufgestellt: „Das THW kann mit seinen Kompetenzen im logistischen und technischen Bereich voll punkten. Da sind wir sehr stolz und zufrieden, dass wir in dieser Lage helfen können. Das läuft auch sehr gut in Zusammenarbeit mit anderen Katastrophenschutz-Organisationen, mit der Feuerwehr und anderen.“ Man habe auch in der Flüchtlingssituation 2015 sehr gut kooperiert. Das Spektrum und die Art der Einsätze ändere sich. Das habe sich auch 2018 bei dem Moorbrand in Meppen gezeigt, wo das THW erstmals eng mit der Bundeswehr zusammengearbeitet habe: „Organisationen lernen sich immer besser kennen. Das inte­grierte Schutzsystem in Deutschland ist schon eine unserer Stärken.“

Sabine Lackner berichtet weiter: „Die Ortsverbände des THW dürfen ab dieser Woche unter strengen Auflagen sukzessive wieder starten.“ Von den 80.000 ehrenamtlichen Kräften seien zu Spitzenzeiten bundesweit 29 Corona-Erkrankungen bekannt und bei den 1000 Hauptamtlichen zu Spitzenzeiten nur sechs betroffen gewesen. „Wir sind durch strenge Maßnahmen bisher gut durchgekommen. Das bestärkt einen, gerade wenn man jetzt die Nähe vermisst.“

Mit Blick auf ihre jüngere Schwester, die als Krankenschwester arbeitet, sagt sie: „Wir dürfen das Gesundheitssystem nicht überlasten. Im internationalen Vergleich haben wir es in Deutschland bisher gut hinbekommen.“

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