Kiliansdom

Neuer Glockenstuhl muss sich warmläuten

Durch Nachjustierung soll sich der Klang der Domglocken noch verbessern. Hier ein Foto von der Anlieferung Ende April.

Durch Nachjustierung soll sich der Klang der Domglocken noch verbessern. Hier ein Foto von der Anlieferung Ende April.

Foto: Archiv / Tim Gelewski

Letmathe.  Der Klang ist noch nicht perfekt, Glockenspezialisten nehmen am Dienstag Feinjustierungen vor. Der Kirchenvorstand verzeichnet mehr Besucher.

Im Kiliansdom sind heute noch einmal Glockenspezialisten im Einsatz. „Da sind noch Feinabstimmungen nötig. Die Schläge klingen nicht so gleichmäßig, wie wir uns das wünschen: Die große Glocke ist zu dominant und es gibt ungewollte Nebengeräusche“, erklärt Schreinermeister Volker Bellebaum kritisch, warum im Laufe des Tages mit außerplanmäßigem Geläut zu rechnen ist. Ein neues Gerüst müsse für diese Arbeiten nicht aufgebaut werden, beruhigt Bellebaum, die Außenansicht auf den frisch renovierten Dom bleibt also ungetrübt.

Glocken von 1948 zeugen von neuem Selbstbewusstsein

Um zu verstehen, warum der Glockenstuhl überhaupt ausgetauscht wurde, ist ein Blick in die Baugeschichte der Pfarrkirche nötig. Als die vier Stahlglocken 1948 beim Bochumer Verein in Auftrag gegeben wurden, stand der Wunsch nach einer Domähnlichen Geräuschkulisse im Vordergrund. Die Glocken fielen daher deutlich größer als ihre bronzenen Vorgänger aus, die damals übliche Aufhängung wurde gleichwohl nicht verändert. Dabei handelte es sich um so genannte gekröpfte Joche, wie Bellebaum ausführt: Stahlträger, geformt wie ein auf dem Kopf stehendes „U“, in denen die Glocke mittig hängt und sich beim Läuten um die eigene Querachse dreht. „Der Nachteil dieser Lösung ist, dass das gesamte Gewicht einer Glocke, bei uns bis zu 5,5 Tonnen, an dem ,U’ hängt. Das birgt das Risiko, dass die aufrechten Stelzen ohne Vorwarnung brechen und die Glocke abstürzen könnte.“ Weil die alten Träger bereits erhebliche Spuren von Korrosion zeigten, fiel in Absprache mit der Spezialfirma aus Gescher die Wahl auf den neuen Glockenstuhl aus Eichenholz, so verteilt sich das Gewicht gleichmäßiger über die Gesamtkonstruktion.

Die Rückmeldungen zum Ergebnis der langwierigen Innen- und Außenrenovierung seien bislang sehr positiv, berichtet Volker Bellebaum erfreut und ergänzt: „Wir verzeichnen deutlich mehr Besucher.“ Am neuen Glockenklang scheiden sich die Gemüter, wie schon den ersten Reaktionen in den sozialen Medien anzusehen war. Der Kirchenvorstand zeigt sich jedoch zuversichtlich, nach abgeschlossener Feinjustierung auch die Kritiker noch überzeugen zu können.

Mit Details und Anekdoten aus dem Jahr der Sanierung wollte Bellebaum eigentlich bei der feierlichen Eröffnung an Pfingsten unterhalten, doch ein Kurzschluss setzte die Lautsprecher außer Gefecht. Deshalb entgingen den meisten Zuhörern interessante Aspekte, die im Rückblick sichtbar werden, etwa dass die Bauabteilung des Erzbistums Paderborn ursprünglich ein Gitter unter der Orgelbühne anbringen lassen wollte, um tagsüber den Zugang zu beschränken.

Massive Mauer statt Hohlraum überraschte bei der Sanierung

Das konnte der Kirchenvorstand verhindern. „Es ist unser Herzensanliegen, dass dieses Bauwerk stets eine offene Kirche ist“, betont Bellebaum. Bei den Arbeiten selbst ergab sich so manche Überraschung, so beim Abbruch für die neue „Eventkapelle“: Der Raum dahinter war auf den vorliegenden Bauzeichnungen als hohl ausgewiesen, tatsächlich fanden die Handwerker massives Mauerwerk vor. „Aufgeben kam für uns nicht in Frage“, erinnert sich Bellebaum an die Suche nach einer Firma, die den freigelegten, unfertigen Pfeiler aus dem Jahr 1917 originalgetreu rekonstruieren konnte.

Je besser Besucher mit dem Kiliansdom vertraut sind, desto mehr Veränderungen können diese noch entdecken. Die Altarinsel ist zum Beispiel kein Viereck mehr, sondern ein Oktagonal: Das Abschneiden der Ecken soll mehr Freiraum beim Herumschreiten ermöglichen. Ähnlich praxisorientiert: Die Absperrung der Orgelempore wurde um 20 Zentimeter erhöht und entspricht damit wieder den geltenden Sicherheitsvorschriften. „Das war nicht ungefährlich“, räumt Bellebau ein.

Über die vielen auch kunsthistorisch interessanten Änderungen soll es wahrscheinlich im November noch einen Diavortrag geben.

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