Jahreshauptversammlung

Oestricher blicken zaghaft vorwärts

Gespannt verfolgten die Anwesenden im Theaterheim die Ausführungen des Vorsitzenden Friedhelm Siegismund (vorne rechts)

Foto: Oliver Bergmann

Gespannt verfolgten die Anwesenden im Theaterheim die Ausführungen des Vorsitzenden Friedhelm Siegismund (vorne rechts)

Oestrich.   Am Ende überwog bei Friedhelm Siegismund die Zuversicht: „Man trifft sich und bringt etwas auf die Schiene – trotz unserer mauen Personallage.“ Der alte und neue Vorsitzende des Heimatvereins Ortsring Oestrich schloss am Freitag um 22.05 Uhr nach exakt zwei Stunden eine Jahreshauptversammlung, bei der zehn von 18 Vereinen und Organisationen durch mindestens ein Mitglied im Theaterheim der Volksbühne Grürmannsheide vertreten waren.

Am Ende überwog bei Friedhelm Siegismund die Zuversicht: „Man trifft sich und bringt etwas auf die Schiene – trotz unserer mauen Personallage.“ Der alte und neue Vorsitzende des Heimatvereins Ortsring Oestrich schloss am Freitag um 22.05 Uhr nach exakt zwei Stunden eine Jahreshauptversammlung, bei der zehn von 18 Vereinen und Organisationen durch mindestens ein Mitglied im Theaterheim der Volksbühne Grürmannsheide vertreten waren.

Siegismund brachte angesichts des immer dünner werdenden Veranstaltungsprogramms in Ort viel Kummer und Leid zum Ausdruck. „Geht es hier den Bach runter, bin ich der Depp“, sagte er im Verlauf des Abends. Die Appeltatenkirmes, eine Gedenkfeier zum Volkstrauertag, die Aufstellung des Weihnachtsbaums oder der Neujahrsempfang sind gestrichen worden oder zuletzt ausgefallen.

Dass es als Nächstes das Osterfeuer treffen könnte, weil der Platz neben dem Friedhof mit dem neuen Gerätehaus der Feuerwehr bebaut wird und eine geeignete Ausweichstelle noch nicht gefunden ist, erwähnte er bereits im Vorfeld im Gespräch mit der Heimatzeitung. Immerhin: Was den Empfang zum Jahresbeginn betrifft, sieht es für 2019 wieder erfreulicher aus. Von der Gemeinde Mariae Himmelfahrt kam das Signal, dass der Ortsring alle zwei Jahre in deren Pfarrheim einladen könne.

Doch was fehlt, sind finanziell ertragreiche Veranstaltungen. Der Neujahrsempfang bringt kein Geld ein, er kostet. Deshalb musste Kassiererin Barbara Schulte auch ein Minus für das abgelaufene Jahr in Höhe von knapp 570 Euro vermelden. Die turnusgemäßen Neuwahlen des Vorstandes trugen zunächst auch nicht entscheidend zur Aufhellung der Stimmung bei. Nachdem Friedhelm Siegismund einstimmig in seinem Amt bestätigt und von Michael Scheffler gefragt wurde, ob er die Wahl annehme, sagte Siegismund nur: „mit Bauchschmerzen“. Ein zweiter Vorsitzender fand sich in der Runde nicht, ebenso wenig wie eine Stellvertretung für Barbara Schulte. Auch wenn Schriftführerin Inge Siegismund mal nicht nur Verfügung stehen sollte, gibt es für sie keinen Ersatz. Scheffler, der sich selbst als „Berufsoptimist“ bezeichnete, sprach Siegismund schon vor Wahl Mut zu. „Lasst uns das Positive betonen und daraus Dinge entwickeln, die dem Ort gut tun.“ Mit der Wahl der Beisitzer drehte sich die Stimmung. Drei waren vorgesehen, vier sind es geworden. Ulrich Neveling, Paul Teworte, Friedrich Koch und Manfred Türke sind bei zwei Enthaltungen einstimmig gewählt worden. Enzo Capaccio trat nicht zur Wiederwahl an. Siegismund legte großen Wert darauf, mehrere Beisitzer zu haben: „Wenn man niemanden um sich herum hat, gibt es keine Besprechungen, keinen Austausch und keine Meinungsvielfalt.“

Ortsring auflösen und Heimatverein erhalten?

Mut macht auch der Stand der Planungen zum Dorfentwicklungskonzept. Ein erstes Treffen mit Eigentümern und Akteuren hat es bereits gegeben, der grobe Fahrplan steht. Ende 2018 soll das Projekt vorgestellt werden, in etwa einem Jahr der Spatzenstich erfolgen und Pünktlich zum Anbruch der 20er Jahre hätte Oestrich einen neuen Ortskern, vielleicht aber keinen Ortsring mehr. Hartmut Becker, der als interessierter Bürger ohne Stimmrecht an der Versammlung teilnahm, überraschte Friedhelm Siegismund mit der Idee, den Ortsring aufzulösen, den Heimatverein aber bestehen zu lassen. Die Überraschung bestand darin, dass es im Vorstand genau diese Überlegungen gibt. Becker bat auch darum, zu prüfen, ob der Heimatverein davon profitieren könnte, wenn ein Gericht jemanden zur Zahlung einer Summe an einen wohltätigen Zweck verurteilt.

Hinter den Kulissen könnte diese Möglichkeit geprüft werden. Offensiver formulierte der Vorstand das Ziel, wieder für mehr Bäume im Ortskern zu sorgen. „Es sind doch nur noch Dachziegel zu sehen, wenn man vom Burgberg auf Oestrich blickt.“ Gelingen soll die Wiederaufforstung, indem Vereine Patenschaften für neue Bäume übernehmen.

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